Mittwoch, 14. November 2018

Dax-Konzern im Verteidigungskampf Bayer unter Druck - schon 8000 Klagen wegen Glyphosat

Unbeliebter Deal: Bei der Hauptversammlung der Bayer AG im Mai dieses Jahres in Bonn wurde auch gegen die Übernahme von Monsanto demonstriert.

Bayer sieht sich in den USA mit mehr Klagen wegen des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat konfrontiert als bislang bekannt. Bis Ende Juli hätten rund 8000 Klagen vorgelegen, sagte Vorstandschef Werner Baumann am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Bisher waren mehr als 5000 Klagen bekannt.

Baumann sagte, Ende Oktober werde das nächste Verfahren vor einem Gericht in St.Louis im US-Bundesstaat Missouri starten. Vor knapp zwei Wochen wurde die Bayer-Tocher Monsanto, die Glyphosat entwickelt hat, von einem kalifornischen Gericht zu einer Schadensersatzzahlung von 289 Millionen Dollar an einen an Krebs erkrankten Mann verurteilt, der seine Erkrankung auf den Unkrautvernichter zurückführte. Die Bayer-Aktie stürzte daraufhin massiv ab.

Baumann bekräftigte, der Konzern werde das Urteil anfechten und sich dagegen und auch in weiteren Fällen entschieden verteidigen. Rückstellungen für Schadensersatzzahlungen habe Bayer bislang nicht gebildet.

Rückstellungen seien nur für erwartete Verteidigungskosten geplant, sagte Bayer-Finanzchef Wolfgang Nickl in der Telefonkonferenz. Die Höhe dürfte dann bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal am 5. September bekanntgegeben werden.

Strategie und Finanzziele unverändert

Ab 2022 sind weiterhin jährliche Beiträge zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen von 1,2 Milliarden Dollar aus Einsparungen im Zuge der Übernahme des US-Saatgutkonzerns geplant, sagte Bayer-Chef Baumann. Bereits 2019 soll Monsanto zudem einen positiven Beitrag zum bereinigten Ergebnis je Aktie leisten.

Baumann verteidigte Glyphosat und betonte erneut, dass zahlreiche Studien die Unbedenklichkeit des Herbizids gezeigt hätten. Das Urteil eines Geschworenen-Gerichts in Kalifornien gegen die Bayer-Tochter Monsanto, einem Krebspatienten 289 Millionen Dollar (249 Millionen Euro) zu zahlen, hält Baumann für ungerechtfertigt. "Ein Urteil von einer Jury in einem Fall ändert nichts an den wissenschaftlichen Fakten." Monsanto hatte umgehend Schritte gegen die Entscheidung angekündigt.

Dabei kann seit Mitte August auch Bayer aktiv eingreifen. Bis alle Bedingungen für den Monsanto-Kauf erfüllt waren, war dem Unternehmen wegen Auflagen des US-Justizministeriums der Zugang zu detaillierten internen Informationen von Monsanto verwehrt gewesen.

cr/rtr/dpa-afx

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