Mittwoch, 14. November 2018

Entrepreneure des Jahres (3) - Bau-Fritz Architektin ihrer Träume

Hausherrin: Dagmar Fritz-Kramer auf der Terrasse ihres teuersten Stücks
Janek Stroisch für manager magazin
Hausherrin: Dagmar Fritz-Kramer auf der Terrasse ihres teuersten Stücks

Dagmar Fritz-Kramer wollte beweisen, dass Ökofertighäuser nicht nur umweltschonend sind, sondern auch gut aussehen können. Ums Geschäft ging es ihr erst später. Mit Fritz-Bau gewinnt sie den Preis Entrepreneur des Jahres 2018 in der Sparte "Dienstleistung".

Seit 22 Jahren wird von der Beratungsgesellschaft EY (früher Ernst & Young) der Wettbewerb "Entrepreneur des Jahres" veranstaltet. manager magazin ist Partner des Wettbewerbs, bei dem wachstumsstarke und innovative Unternehmen in folgenden fünf Kategorien gekürt werden: Industrie, Konsumgüter/Handel, Dienstleistung, Digitale Transformation und Junge Unternehmen.

Die fünf Sieger werden von einer renommierten Jury (darunter Unternehmer Patrick Adenauer und Bertelsmann-Gesellschafterin Brigitte Mohn) ausgewählt. Außerdem bestimmt die Jury zwei Ehrenpreisträger. Zum einen wird ein erfolgreiches Familienunternehmen geehrt, zum anderen ein Unternehmen für außergewöhnliches soziales Engagement. Die Preise wurden bei einer Gala im Deutschen Historischen Museum in Berlin überreicht. Aus den fünf Kategoriesiegern wird ein Primus inter pares ausgewählt, der Deutschland bei der Wahl zum "World Entrepreneur of the Year" vertritt. Dieses Event, bei dem sich über 50 Landessieger präsentieren, findet im Frühjahr in Monte Carlo statt. Mehr Infos zum Wettbewerb finden Sie hier.

Lichtpunkt: Bau-Fritz liefert Häuser mit anspruchsvollem Design - innen wie außen


Montag- und Dienstagmittag bleibt sie zu Hause. Dann kümmert sie sich zusammen mit ihrem Mann - einem in Teilzeit arbeitenden Krankenpfleger - um ihre zwei Kinder, um das Haus und den Garten. Sie liest dann keine Mails, nimmt keine Telefonate an.

Kann man so ein Unternehmen führen? Sie kann. Und wie. Dagmar Fritz-Kramer (47) ist ein Energiebündel.

Seit 2004 leitet sie das Ökofertighausunternehmen Bau-Fritz. Sind das die an der Autobahn, fragen sich vielleicht manche, die schon mal auf der A96 von Lindau nach München fuhren und kurz hinter Memmingen links ein seltsames schlankes Gebäude sahen. An ein fünfstöckiges Glashaus schmiegt sich ein hölzerner Anbau in Form eines menschlichen Schädels. "Das ist unser Holzkopf", sagt Fritz-Kramer, während sie mit einem Elektrofirmenwagen übers Gelände kutschiert. Holzkopf? Ein Dummkopf?

Das Einfamilienhaus
Die Entrepreneurin
Dagmar Fritz-Kramer (47) machte nach der ­Realschule eine Lehre als Schaufensterdekorateurin, später studierte sie an der FH Rosenheim ­Innenarchitektur. 1998 stieg sie in die elterliche Firma ein. Sechs Jahre lang führte sie zusammen mit ihrem Vater ­Hubert das Unternehmen, ab 2004 dann ­allein. Sie hält 72,5 Prozent am ­Unternehmen, ihr Bruder - als Qualitätsmanager in der Firma tätig - 27,5 Prozent.
Das Unternehmen
In der Familie Fritz hat die Zimmerei eine lange Tradition. Schon Urgroßvater Sylvester fing 1896 damit an. Aber erst Enkel Hubert Fritz stieg in den industriellen Hausbau ein. Weil dessen Frau Ende der 7oer Jahre an Krebs erkrankte und die Familie dies auf das Wohnumfeld zurückführte, spezialisierte sich Bau-Fritz schon früh auf Ökohäuser und ist damit einer der Pioniere der Branche. Im Jahr ­fertigt Bau-Fritz zwischen 180 und 200 Einfamilienhäuser. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr rund 77 Millionen Euro.

Sie lacht. Der Name ist bewusst irreführend gewählt. Oben auf dem Gebäude thront eine Denkerwerkstatt, ein Raum, in den sich die Kreativen des Unternehmens zurückziehen, um zu spinnen. Manchmal werden auch Ökoprominente - wie Claudia Roth oder der schauspielernde Tierfreund Hannes Jaenicke - oder kluge Köpfe aus anderen Branchen zum Querdenken in den Holzkopf eingeladen.

Man ist anders, man geht ungewöhnliche Wege - das hat Tradition bei Bau-Fritz. Auch Dagmar Fritz-Kramers Weg an die Spitze des elterlichen Unternehmens war kein gerader Karriereweg. "Ich wollte eigentlich nicht ins Unternehmen", erzählt sie. Zu Hause am Küchentisch habe es kein anderes Thema gegeben als "das blöde Geschäft", erinnert sie sich an ihre Teeniezeit.

Sie ließ sich deshalb nach der Realschule zur Schaufensterdekorateurin ausbilden, später folgte ein Studium der Innenarchitektur. Das kreative Arbeiten machte ihr Spaß, aber irgendwann wollte sie selbst bestimmen: "Nur Ideen auszuführen, die andere hatten - das ist ja auch blöd."

Es war die Zeit, in der ihr Vater ihr immer ein paar Aufträge aus seinem Unternehmen gab. Hier eine Werbebroschüre, dort eine Unternehmenspräsentation. Heute hat sie ihn durchschaut: "Er wollte mir damit sagen: Du kannst das auch bei uns machen."

Sparte Dienstleistung: Ausgewählte Finalisten
Okan Tombulca
Wir leben in einer Eventgesellschaft, und Okan Tombulca (45) lebt davon. Wenn die Rolling Stones oder Robbie Williams auf Tour gehen: Tombulca ist mit seiner Firma Eps dabei. Sie organisiert die Infrastruktur rund um solche Events. Mit einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro ist die Eps-Gruppe einer der Großen der Branche. Inzwischen baut sie auch Camps für ­Bundeswehr und Nato bei deren Friedens­missionen.
Harald Seifert
Gerade mal fünf Mit­arbeiter hatte Harald Seifert (62), als er 1976 anfing. Heute beschäftigt die Seifert Logistics GmbH über 1900 Menschen an 43 europäischen Stand­orten und ist einer der führenden Kontrakt­logistiker. Wie er das geschafft hat? "Ich habe den Spitz­namen Mr Perfect", sagt der Schwabe Seifert. "Pfiffige Ideen statt Stillstand" lautet sein Motto - eine gute Einstellung für einen Transportunternehmer.
Ralf Ebbinghaus
Die klassische Telefonanlage ist von gestern. Stattdessen - und jetzt wird es sehr technisch - benutzt man Unified Communica­tions & Collaboration (UCC). Auf Deutsch: Die komplette Kommunikation eines Unternehmens wird auf einer Benutzeroberfläche gebündelt. Ralf Ebbinghaus (55) und seine bereits 1999 gegründete Swyx GmbH bieten diesen Service an, der vor allem auf kleine und mittelständische Unternehmen zugeschnitten ist.

Als ihr Vater sie 1996 mit dem Bau des "Holzkopfs" betraute, "da ist bei mir das Zehnerle gefallen", sagt sie in ihrem Allgäuer Dialekt. 1998 stieg sie ins Unternehmen ein.

Sie, die Kreative, postulierte gleich ihre ästhetischen Maßstäbe. Dagmar Fritz-Kramer wollte das Praktische mit dem Ästhetischen verbinden, wollte beweisen, dass Ökohäuser innen wie außen auch gut aussehen können.

Anfangs wollte sie sich bei Bau-Fritz nur um diese schöne Seite des Bauens kümmern. "Aber dann saß ich in den Geschäftsführersitzungen und stellte fest, dass ich von den wirtschaftlichen Dingen keine Ahnung hatte." Also zog sie parallel zum Job an der FH Biberach ein dreijähriges Wirtschaftsingenieurstudium durch.

Sechs Jahre - von 1998 bis 2004 - arbeitete sie mit ihrem Vater zusammen. Er war der Tüftler, sie die Kreative. "Da hat es auch gekracht", verrät sie. Aber an seinem 65. Geburtstag gab Vater Hubert - wie bereits Jahre zuvor versprochen - die Führung ab und zog zu seiner zweiten Frau nach Österreich.

Dagmar Fritz-Kramer hatte nun freie Hand. Sie installierte die sogenannte Hausschneiderei, die Wünsche der Kunden maßgeschneidert umsetzt. "Wir sind zwar ein Fertigbauunternehmen, planen aber ganz individuell für den Kunden."

Und sie macht ökologisch keine Kompromisse: kein Plastik, keine Kunststofffenster, keine Laminatböden, keine chemischen Kleber, kein Einkauf in Billiglohnländern. Vieles kommt von Handwerksbetrieben in der Nähe. Das hat natürlich seinen Preis. Die Häuser von Bau-Fritz sind rund 15 bis 20 Prozent teurer als herkömmliche Fertighäuser. Wem das zu viel Geld ist, dem rechnet Dagmar Fritz-Kramer ganz simpel vor: "Dann reduziert halt eure gewünschte Wohnfläche um 15 bis 20 Prozent."

Früher seien ihre Kunden Lehrer und die Hardcore-Ökos gewesen, erklärt Fritz-Kramer. "Doch inzwischen ist die Kundenstruktur viel breiter geworden. Wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen", findet sie, "wie die Grünen."

Zwischen 180 und 200 Häuser baut das Unternehmen mittlerweile jedes Jahr. Doch künftig wird der Bau von Einfamilienhäusern in Deutschland stagnieren, prophezeit Dagmar Fritz-Kramer. Der simple Grund: Es gibt immer weniger Grundstücke zum Bebauen. Was sie - da siegt die Ökologin über die Unternehmerin - durchaus positiv sieht: "Wir hatten durch den Bau von Einfamilienhäusern einen unheimlich hohen Flächenverbrauch."

Sie denkt schon in Alternativen: Aufstockungen und Mehrgeschossbau. "Es ist oft schwieriger, ein Haus aufzustocken, als ein Einfamilienhaus zu bauen." Sie schätzt, dass Bau-Fritz in den kommenden Jahren ein Drittel des Umsatzes mit Aufstockungen und Mehrgeschosshäusern machen wird.

Um Nachwuchskräfte muss sie sich auch keine Sorgen machen. Bereits 2006 baute das Unternehmen eine firmeneigene Kindertagesstätte in der 3000-Seelen-Gemeinde Erkheim auf. Schöner, gar nicht eingeplanter Nebeneffekt: "Das löste einen Babyboom in unserer Firma aus", sagt die zweifache Mutter und lacht schallend.

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