Dienstag, 19. März 2019

Aus für Airbus-Riesenflieger Warum der A380 etwas Besonderes war und trotzdem scheiterte

Singapore Airlines: Die neuen First-Class-Suiten im A 380
Emirates

Fliegen im A380 ist für viele zum Qualitätsmerkmal geworden. Man verbindet damit Sicherheit, viel Platz und in den Premium Klassen einen besonderen Luxus - doch jetzt ist der A380 ein Auslaufmodell geworden. Wie konnte es soweit kommen und welche A380 Erlebnisse sollte man sich jetzt noch gönnen?

Nun ist es nach nur 12 Jahren aus: Die Produktion des Airbus A380 wird spätestens in zwei Jahren eingestellt. Einst als Revolution der Luftfahrt gefeiert, findet eines der ambitioniertesten und auch teuersten Projekte der Luftfahrtbranche ein vergleichsweise schnelles Ende. Wenn die Produktionsbänder dann im Jahre 2021 final stillstehen, war der Megajet gerade einmal 14 Jahre auf dem Markt. Zum Vergleich: Der Airbus A320 wird in der aktuellen Version ununterbrochen seit 32 Jahren produziert und die Boeing 737 über verschiedene Varianten hinweg seit 1967.

Neue Standards für Luxus über den Wolken

Zu teuer, zu groß, zu spritdurstig und zu schwer: So lauteten die Argumente der Airlines, die ihre zunächst bestellten A380 Flieger wieder abbestellten. Dabei hat gerade der Airbus A380 neue Impulse im Hinblick auf den Passagierkomfort gesetzt wie kein Zweiter. Die große Kabinenfläche bot Fluggesellschaften den benötigten Spielraum, neue Ideen, für die bisher schlicht der Platz fehlte, insbesondere in den Premiumklassen umzusetzen.

Dies wurde schon mit der Premiere des Flugzeuges durch Singapore Airlines im Jahre 2007 deutlich, welche mit dem neuen Jet auch neue First-Class-Suiten einführten. Diese Suiten setzten neue Maßstäbe: Neben abschließbaren Türen konnten Passagiere in einem vollständigen Doppelbett übernachten (in 2018 wurde dann die zweite Generation der Suiten eingeführt). Dies war aber nur der Beginn der Revolution, da schnell ein Wettkampf unter den Fluggesellschaften entstand, sich mit immer größeren und luxuriöseren First-Class-Produkten zu übertrumpfen. Geendet hat dieser Wettlauf vorerst mit der 2014 eingeführten Etihad Residence, einer drei Zimmer "Wohnung" für zwei Personen, inklusive geräumigen Bad und Dusche.

Aber auch die Passagiere in der Business Class konnten von dem zusätzlichen Platz, den der A380 mit sich brachte, profitieren. So verbauten Fluggesellschaften wie Emirates, Qatar Airways oder Korean Air exklusiv im A380 eine geräumige Bar für Ihre Business Class Fluggäste. Weitere Innovationen sind ein Duty Free Shop an Bord wie bei Korean Air oder auch eine kleine Onboard Lounge wie etwa bei Air France.

Zwei Visionen für die Zukunft des Luftverkehrs

Zum Autor
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    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutschsprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner neuen Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Nur leider kommt der zusätzliche Platz nicht ohne einen entsprechenden Preis für die Fluggesellschaften. Dies ist ein kritischer Punkt, der den Höhenflug des Airbus A380 beendet hat. Um die Situation besser zu verstehen, muss man die Grundüberlegung hinter der Entwicklung des Airbus A380 betrachten. Die Entscheidung über Entwicklung und Bau dieses Megajets wurde in den späten 1990er Jahren getroffen. Damals zeichnete sich deutlich ab, dass trotz eines starken Wachstums der Passagiermengen die Flughäfen in den großen Städten wie London oder New York mit dem Ausbau nicht mithalten konnten und es somit zu einem Engpass an Kapazität in diesen Städten kommen würde.

Airbus spekulierte auf Hub-to-Hub-System - und lag damit falsch

Aus dieser Situation leiteten allerdings Boeing und Airbus sehr verschiedene Visionen über die Zukunft des Luftverkehres ab. Airbus spekulierte darauf, dass Fluggesellschaften auch noch in Zukunft auf das bestehende Hub-to-Hub System setzen werden und somit immer größere Flugzeuge benötigen, um bei einer konstanten Anzahl an Start- und Landerechten mehr Passagiere transportieren zu können.

Boeing sah die Zukunft im Gegensatz zu Airbus darin, dass Fluggesellschaften abseits der Hubs wachsen werden und eher neue Direktverbindungen zu etwas kleineren Städten anbieten würden. Aus diesen Überlegungen entsprangen dann auch zwei sehr verschiedene Flugzeugkonzepte, zum einen der Airbus A380, der über 500 Personen Platz bietet und zum anderen die deutlich kleinere Boeing 787 (Dreamliner), welche etwa 200 Personen Platz bietet.

Vorteil Emirates: Der A380 rechnete sich nur auf wenigen Strecken

Die weitere Entwicklung des Luftverkehrs gab der Vision von Boeing Börsen-Chart zeigen Recht, denn es zeigte sich, dass ein Flugzeug von der Größe eines Airbus A380 nur auf sehr wenigen Routen lukrativ eingesetzt werden kann. Der Airbus A380 ist zwar ein recht effizientes Flugzeug, allerdings nur, wenn man konstant alle Plätze füllen kann. Das Potenzial herfür existiert allerdings ausschließlich auf einer sehr beschränkten Anzahl an Routen, hauptsächlich zwischen wenigen Großstädten.

Manche Airlines wie Emirates können dieses Potenzial optimal ausnutzen, indem sie mit den Airbus A380 Passagiere von einer Großstadt über den Hub Dubai in eine andere Großstadt fliegen und somit auf beiden Teilstrecken die Passagiere für eine Vielzahl an Reisezielen bündeln. Für Fluggesellschaften mit einem weniger ausgeprägten Hub System wie etwa Malaysia Airlines oder auch Asiana verursachte der Airbus A380 aber schnell Kopfschmerzen.

Vorteil Boeing: Passagiere schätzen zusätzliche Verbindungen abseits der Hubs

Gleichzeitig bietet die Boeing 787 eine ähnliche Effizienz wie der Airbus A380, dies aber auch schon bei einer deutlich geringeren Passagieranzahl. Durch die Boeing 787 konnten erstmal viele Routen abseits der Hauptverkehrsadern lukrativ aufgenommen werden, Strecken wie etwa Tokio - Düsseldorf (ANA) oder Krakau - Chicago (LOT) hätten sich vorher nicht gerechnet.

Passagiere schätzen diese zusätzlichen Verbindungen und sind in vielen Fällen auch dazu bereit, mehr für den Komfort einen nonstop Fluges zu bezahlen als für eine Umsteigeverbindung über einen Hub.

Im Endeffekt setzte sich somit Boeings Vision durch und ein großer Teil des Wachstums im Luftverkehr in den letzten Jahren konzentrierte sich auf Strecken abseits der klassischen Hauptverkehrsadern. Mittlerweile hat Airbus Börsen-Chart zeigen in diesem Segment allerdings auch nachgezogen und bietet mit dem Airbus A350 eine populäre Alternative.

Der A380 war zu groß - setzte aber neue Maßstäbe mit Blick auf Komfort

Auch wenn die Produktion des Airbus A380 im Jahre 2021 eingestellt wird, wird dieser noch viele Jahre ein regulärer Gast an vielen Flughäfen weltweit sein. In diesen Jahren wird er, wenn auch nicht immer der Favorit der Fluggesellschaften, weiterhin ein Favorit unter den Passagieren bleiben. Neben der beeindruckenden Größe bietet kaum ein Flugzeug über alle Klassen hinweg solch viel Platz und Komfort, und dies in Zeiten, in denen Fluggesellschaften sich mit jedem neuen Flugzeugmodell einen Wettkampf liefern, wer die meisten Sitzplätze auf dem geringsten Platz unterbringt. Für dekadente Features wie Bars oder Duschen bleibt dann kein Platz mehr. Auch wenn der A380 wirtschaftlich gesehen kein Glanzlicht war, so hat er ähnlich wie die Concorde unseren Horizont mit Blick auf Komfort und Service erweitert und gezeigt, was alles in einem Flugzeug möglich ist.

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