Mittwoch, 17. Oktober 2018

Dax-Aufsichtsräte verpassen Chance zur Erneuerung Niemand unter 40 - die Pseudo-Vielfalt der Aufsichtsräte

Die Frauenquote wirkt - aber nur bis zum Erreichen der 30-Prozent-Marke

Die Erfolgsmeldung zuerst: Erstmals haben die Aktionäre von Dax-Konzerne mehr als 30 Prozent Frauen in ihre Aufsichtsräte gewählt. Nach den Hauptversammlungen dieses Jahres steigt der Anteil von 29,34 auf 31,25 Prozent, hat das Centrum für Strategie und höhere Führung für seinen Board Diversity Index errechnet. Die Commerzbank hat fünf Frauen und fünf Männer benannt - erstmals Parität auf der Kapitalseite.

Allerdings belegt das bloße Einhalten der gesetzlichen Frauenquote noch keine besonderen Anstrengungen für mehr Vielfalt. Adidas und die Deutsche Bank fielen sogar unter die 30-Prozent-Marke zurück, indem sie je eine Frau durch einen Mann im Aufsichtsrat ersetzten. Weitere fünf Dax-Konzerne haben laut dem Bericht "Nachholbedarf bis zum Erreichen der gesetzlichen Quote" - dazu zählt auch Henkel, das immerhin mit einer weiblichen Doppelspitze von sich reden macht.

Insgesamt bleiben die Aufsichtsräte weiter unter Ihresgleichen: deutsch, männlich, weiß, alt, mit Abschluss in Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre, im Zweifelsfall noch Jura. Der Board Diversity Index misst auch diese anderen Aspekte neben der Geschlechterverteilung - und kommt zwar auf einen historischen Höchststand, aber "der Fortschritt ist eine Schnecke", urteilt Klaus Schweinsberg, der Gründer des Centrums für Strategie und höhere Führung. Der Index stieg von 383 auf 398 Punkte.

Der langsame Fortschritt ist deshalb bemerkenswert, weil in diesem Jahr 87 Posten in den Dax-Aufsichtsräten vakant waren, viel mehr als in den Vorjahren. Schweinsberg spricht von einem "Superwahljahr" - in dem man "eine deutlich spürbarere, ja vielleicht sogar exponentielle Dynamik hätte erwarten können", dann aber doch weitgehend die alten Kandidaten gewannen. Es ist also eine verpasste Chance zur Erneuerung.

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