Dienstag, 13. November 2018

Hedgefonds stockt bei Celesio auf Was hat Elliott-Chef Singer vor?

Paul Singer: Der Celesio-Großaktionär hatte hoch gepokert und verloren. Dennoch stockt er seine Anteile beim Pharmagroßhändler auf

Der US-Hedgefonds Elliott gibt beim Pharmagroßhändler Celesio nicht auf. Der Fonds kaufte selbst dann noch weitere Anteile, als das Übernahmeangebot von McKesson bereits geplatzt war. Das verschafft ihm eine glänzende Ausgangsposition beim Poker um die Haniel-Tochter.

Hamburg - Celesio-Großaktionär Paul Singer hat seinen Anteil am Pharmagroßhändler aufgestockt. Am 13. Januar habe der Aktienanteil von Singer, dem der Hedgefonds Elliott gehört, 24,08 Prozent betragen, heißt es in einer veröffentlichten Mitteilung des Unternehmens. Darüber hinaus hält Singer Wandelanleihen, die ihm weitere 7,9 Prozent sichern.

Umgerechnet käme Singer damit auf rund 32 Prozent der Stimmrechte. Ein öffentliches Übernahmeangebot muss der Manager aber nicht machen, da das Recht auf Wandelung in Aktien bei den Anleihen noch nicht ausgeübt worden sei. Singer hatte vor der Aufstockung 19,11 Prozent in Aktien und 6,05 Prozent in Anleihen gehalten.

Was Singer mit der Aufstockung nach der geplatzten Celesio-Übernahme durch den Wettbewerber McKesson bezweckt, ist unklar. Singer hatte lange gepokert und schließlich ein höheres Angebot von McKesson durchgesetzt. Am Ende scheiterte McKesson trotz Singers Zusage dennoch, da die Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent nicht erreicht worden war.

Der geplatzte Deal hinterließ nur Verlierer. Dazu gehört bislang auch Singer mit seinem Hedgefonds Elliott, der rund 800 Millionen Euro investiert hat und am Celesio-Übernahmepoker mitverdienen wollte. Müsste Elliott seine gesammelten Celesio-Aktien über die Börse verkaufen, um auszusteigen, geriete der Kurs von Celesio unter Druck und Elliott würde erhebliche Verluste einfahren.

Singer spekuliert offenbar auf neue Übernahmegespräche

Möglicherweise, so wird im Markt spekuliert, setzt der Milliardär jetzt darauf, dass die Gespräche zwischen Celesio, McKesson und Mehrheitseigentümer Haniel wieder aufgenommen werden. Denn Haniel will weiterhin verkaufen, um Schulden zu reduzieren und wieder Handlungspielraum zu gewinnen. Die Holding, die auch Hauptaktionär des Handelskonzerns Metro ist, will unabhängiger von einzelnen großen Firmen werden und stattdessen das Beteiligungsportfolio ausbauen.

Auch für Celesio und McKesson wäre ein Zusammenschluss weiter attraktiv. Einige Wettbewerber haben schon fusioniert und ein Alleingang der beiden Unternehmen gilt in dem hart umkämpften Markt als äußerst schwierig.

McKesson hatte nach der geplatzten Übernahme selbst Alternativen ins Spiel gebracht. "Ich glaube, es ist klar eine Möglichkeit für uns, ein Joint Venture mit ihnen einzugehen und gemeinsam einzukaufen", meldete der US-Konzern vor wenigen Tagen. Solche Einkaufsbündnisse sind für Pharmagroßhändler eine Option, sich Größenvorteile zu verschaffen. So können sie günstigere Lieferverträge mit Generikafirmen aushandeln.

Beobachter im Markt würde es aber auch nicht überraschen, wenn die Beteiligten die Übernahmegespräche wieder aufnähmen - der Druck bei den meisten Beteiligten ist hoch. In diesem Fall hätte Finanzinvestor Singer mit seinem erhöhten Anteil eine gute Ausgangsposition, weil er McKesson damit über die gewünschte Aktienschwelle von 75 Prozent hieven könnte.

rei mit Material von dpa

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