Mittwoch, 1. Juni 2016

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Architektur im digitalen Zeitalter So lassen sich teure Baukatastrophen vermeiden

Noch immer nicht einsatzbereit: Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) steht in Deutschland synonym für völlig verkorkste und fehlgeplante Bau-Großprojekte

Hans-Jörg Bullinger
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    Hans-Jörg Bullinger war von 2002 bis 2012 Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, der größten Organisation für angewandte Forschung in Europa, heute ist er Senator der Fraunhofer-Gesellschaft und Berater der EU-Kommission in Fragen des Forschungs- und Innovationsmanagements. Das manager magazin kürte ihn 2009 zum Manager des Jahres und nahm ihn 2013 in die Hall of Fame der deutschen Wissenschaft auf.
Das deutsche Bauwesen ist bestimmt besser als sein Ruf, der durch eine Serie von misslungenen Großprojekten - einen Flughafen, einen Bahnhof, ein Konzerthaus - arg ramponiert ist. Noch übernehmen deutsche Bauunternehmen die Realisierung von internationalen Bauprojekten und noch wird regelmäßig deutsches Knowhow angefordert. Sicher gilt aber auch der Merksatz von Christoph Georg Lichtenberg: "Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird. Wenn es aber besser werden soll, muss es wohl anders werden." In Zeiten, in denen spektakulär gescheitere Großprojekte Schlagzeilen machen und den Ruf der wertvollen und wertschöpfenden deutschen Baubranche in ein zweifelhaftes Licht rücken, ist es notwendig, den negativen Eindrücken positive Aussichten entgegenzusetzen. Große Chancen und Potenziale liegen dabei in effizienten Kooperationsprozessen und der Digitalisierung. Kurz gesagt: Bauen 4.0.

In vielen Wirtschaftsbereichen hat die neue Ära namens Industrie 4.0 bereits begonnen, die Baubranche folgt mit Zeitverzug. Die Debatte, die im Ausland begann, kommt nun auch in Deutschland in Gang: wie gelingt es, das Baugewerbe vollständig auf digitale Prozesse und Workflows einzuschwören?

Das Schlagwort lautet BIM: Building Information Modeling, auf Deutsch Gebäudedatenmodellierung genannt. Ingenieure mit Produktionserfahrung erinnert das Kürzel an das längst vergangene CIM; das Computer integrierte Produzieren. Diese früh angedachte Vision zielte bereits auf die umfassende Digitalisierung der Produktion, scheiterte aber an der Realisierung, weil die dafür nötige Rechenleistung, Speicherkapazität, Vernetzung und Qualifikation fehlten.

Diese Barrieren sind heute überwunden. Nun wird es möglich, die enormen technischen Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. Natürlich ist Digitalisierung auch in der Baubranche längst Praxis, neu ist aber die Datenintegration und intelligente Verknüpfung von statischen und dynamischen Daten sowie die ubiquitäre Verfügbarkeit durch Netze und Endgeräte. Anders ausgedrückt: Die Modelle kommen raus aus isolierten Branchenlösungen und gleichzeitig kommt mehr Realität in die Modelle. Erst mit der vollständigen Digitalisierung auf Basis gemeinsamer, realitätsnaher Modelle wird das große Potenzial nutzbar.

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