Freitag, 17. August 2018

Unschöne neue Arbeitswelt (4) Wie deutsche Personalvorstände die Arbeitswelt umbauen wollen

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2. Teil: Weitere falsche Annahmen über die Digitalisierung in Deutschland

5. Zerstückelung als Gestaltungsmaxime

Die Autoren glauben offenbar, dass Zerstückelung von Prozessen automatisch zu Agilität führt. Deshalb soll es "Micro- beziehungsweise Nano-Degrees" geben: Reguläres Studium ist out, Fastfood-Wissen in kleinen Häppchen ist in. Das ist paradox, wenn Unternehmen gleichzeitig von ihren Mitarbeitern übergreifendes Denken fordern. Die Autoren wollen auch Aufgaben in möglichst viele kleine Teilaufgaben zerlegen, die von vielen externen Click-Workern bearbeitet werden ("Microtasking"). Und sie wollen kreative "Zerstörerinnen und Zerstörer", die laufend alle Abteilungen zerstückeln, nur um sie anschließend agil wieder aufzubauen. Natürlich ist Agilität nicht verkehrt. Nur sollte man sie nicht mit Zerstückelung gleichsetzen.

6. Das Silicon Valley als pauschalisiertes Vorbild

Immer wieder kommt die Forderung, das Silicon Valley zu kopieren, ohne dass klar wird, was wir jetzt genau kopieren sollen. Eignet sich Amerika wirklich als pauschal gültiges Vorbild?

7. Einführung der Mitbestimmung light

Selbst wenn sich einige der Unterzeichner über Mitbestimmung geärgert haben: Das ist kein Grund, in eine Debatte über eine "Mitbestimmung light" (was immer dieser Ausdruck bedeuten soll) einzusteigen und die Mitbestimmung in bestimmten Größenklassen oder Branchen abschaffen zu wollen.

8. Neoliberales Gedankengut

Das Papier spiegelt neoliberales Gedankengut wider. Danach überlebt nur, wer sich rasch und vollständig an den globalen Wettbewerb anpasst. Was macht die Autoren dieses Papieres so sicher, dass normale Arbeitnehmer diesen eiskalten Darwinismus mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern freudestrahlend akzeptieren werden - jenseits von Gerechtigkeitsdebatten und Vorstandsgehältern in zweistelliger Millionenhöhe?

9. Ignorieren der Generation Z

In einem Punkt liegen die Autoren richtig: "Wir sind in einer Situation, in der die Jungen teilweise erstmals mehr wissen als die Alten." Warum aber ignorieren die Autoren dann diese Erkenntnis und berücksichtigen auch nicht ansatzweise, was "die Jungen" wirklich wollen. Vor allem die Generation Z (geboren ungefähr ab Jahrgang 1990) ist absolut nicht bereit, in dieses technikgetriebene Hamsterrad zu steigen. Da könnte es für die Personalvorstände ein böses Erwachen geben - auch wenn es verlockend erscheint, die Existenz der jungen Generation Z einfach zu verleugnen.

10. Verräterische Sprache

Das Papier folgt einem pseudo-elitären Top-Down-Prinzip, wie diese Zitate zeigen: "Nicht alle Verantwortlichen sind bereit, die Augen zu öffnen und die neuen Herausforderungen zu sehen" oder "Wir werden nicht alle Mitarbeiter mitnehmen können". Überall das pathetische "Wir-müssen-endlich", überall das Dozieren vom kritischen Eltern-Ich herab zu uns im hilflosen Kind-Ich. Warum nicht zur Abwechslung mal eine ergebnisoffene Diskussion im Erwachsenen-Ich?

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