Dienstag, 20. November 2018

Autonomes Fahren Apple-Mitarbeiter wollte interne Daten nach China schaffen

Apple ist offenbar knapp einem Geheimnisverrat entkommen

Apple hat offenbar in letzter Sekunde verhindert, dass geheime Daten an ein chinesisches Start-up gelangen. Bei den Ermittlungen kam heraus, dass Tausende Mitarbeiter an dem Roboterauto-Projekt des IT-Riesen arbeiten.

Als das FBI ihn am Flughafen von San Jose stellte, ergab sich Xiaolang Zhang ohne Gegenwehr. Es war der 7. Juli 2018, Zhang hatte ein Last-Minute-Ticket in die chinesische Stadt Hangzhou in der Tasche. Er wollte sich, nach allem, was bekannt ist, in Sicherheit bringen.

Am 30. April hatte der IT-Spezialist, der seit Dezember 2015 Computerplatinen für Apples geheimes Roboterauto-Projekt designte und testete, seinen Job gekündigt. Zhang sei gerade aus der Elternzeit zurückgekommen, heißt es in der Anklageschrift des FBI. Er wolle sich künftig um seine kranke Mutter in China kümmern, habe er zur Begründung gesagt.

Nebenbei erwähnte Zhang, dass er künftig für die Firma Xiaopeng Motors arbeiten wolle.

Xiaopeng Motors, kurz Xpeng, ist nicht irgendeine Firma, sondern eines der vielversprechendsten Start-ups im Bereich der Elektromobilität, ausgestattet mit reichlich Risikokapital von Konzernen wie Alibaba und Foxconn. Der Wert von Xpeng wird auf bis zu vier Milliarden Dollar geschätzt.

Apples Sicherheitsabteilung kam Zhangs Verhalten verdächtig vor. Spezialisten starteten eine forensische Analyse.

40 Gigabyte Daten geklaut

Bei dieser kam nach Angaben des FBI unter anderem heraus, dass Zhang massenweise Daten aus vertraulichen Datenbanken heruntergeladen hatte. Eine Sicherheitskamera zeige zudem, wie Zhang Apples Roboterautolabor mit "einer Computertastatur, einigen Kabeln und einer großen Kiste" verlassen habe.

Am 1. Mai konfrontiere Apples Sicherheitsteam Zhang mit diesen Informationen. Den Angaben zufolge legte Zhang daraufhin ein Geständnis ab. Er habe Daten heruntergeladen und Gegenstände entwendet, unter anderem einen Linux-Server und Computerplatinen, hieß es.

Bei weiteren Untersuchungen fand Apple den Angaben zufolge rund 40 Gigabyte Daten auf dem Laptop von Zhangs Frau. 60 Prozent davon seinen "hochproblematisch", hieß es.

Zhang wurde entlassen. Ihm wird Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vorgeworfen.

Xiaopeng Motors betonte am Mittwoch, es gebe keine Hinweise darauf, dass man Apple-Informationen bekommen habe.

5000 Mitarbeiter in Roboterautoprojekt eingeweiht

Für Apple ist die ganze Geschichte dennoch mehr als ärgerlich. Denn die FBI-Ermittlungen gegen Zhang haben neue Details zur Arbeit des IT-Riesen an selbstfahrenden Autos zutage gefördert.

Aus den Anschuldigungen der US-Bundespolizei geht hervor, dass rund 5000 Mitarbeiter des Konzerns in das Projekt eingeweiht sind und etwa 2700 Zugang zu zwei vertraulichen Datenbanken haben. Der Konzern entwickelt demnach auch eigene Chips für die Roboterwagensysteme.

Dank eines Möchtegernspions sind diese Details nun öffentlich bekannt. Apple muss sich zudem die Frage stellen, ob es vielleicht noch andere Mitarbeiter mit ähnlich verräterischen Absichten gibt - die vielleicht weniger tollpatschig vorgehen als Xiaolang Zhang.

mit dpa

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