Versicherungswirtschaftmanager magazin RSS  - Versicherungswirtschaft

Alle Artikel und Hintergründe


21.02.2013
Twitter GooglePlus Facebook

Allianz
"Bei den Aktionären kommt zu wenig an"

Von Lutz Reiche

Schieflage? Davon kann bei der Allianz keine Rede sein. Doch das Geschäft in der Lebens- und Krankenversicherung wird immer schwieriger
dapd

Schieflage? Davon kann bei der Allianz keine Rede sein. Doch das Geschäft in der Lebens- und Krankenversicherung wird immer schwieriger

Satte Gewinnsteigerung bei der Allianz, doch Aktionäre zeigen sich verschnupft. Auch Analysten halten die Dividende für zu gering. Und ob es 2013 genauso gut läuft, ist äußerst unsicher. So mancher positive Effekt wird wegfallen. Das könnte gerade dem Gewinnbringer Asset-Management zusetzen.

Hamburg - Europas größter Versicherer hat Wort gehalten und sogar noch eine Schippe drauf gelegt: Die Allianz hat 2012 ihren Nettogewinn mehr als verdoppelt und auch operativ lief es blendend. Gleichwohl zeigen sich die Investoren am Donnerstag skeptisch - und auch ein wenig verschnupft. In der Spitze verliert die Aktie rund 3 Prozent.

"Wenn's am schönsten ist, soll man gehen", lautet ein geflügeltes Wort. Gut möglich, dass sich viele Investoren derzeit danach richten. Doch sind die Titel der Allianz Chart zeigen seit Jahresbeginn alles andere als hervorragend gelaufen: Unter dem Strich steht aktuell ein Minus von rund 7 Prozent. Folgt man Analyst Fabrizio Croce von Kepler Capital Markets, dürfte das auch noch nicht das Ende der Talfahrt gewesen sein.

Im Gespräch macht der Mann aus seiner Verärgerung keinen Hehl. Die ausgelobte Dividende von 4,50 Euro hält er angesichts eines operativen Ergebniszuwachses von rund 21 Prozent schlicht für unzureichend. "Die Dividende sollte sich am operativen Gewinn orientieren, und dafür kommt bei den Aktionären einfach zu wenig an", sagt Croce.

Während Aktien "guter Gesellschaften" aktuell eine Dividendenrendite von 7 bis 10 Prozent abwürfen, müssten sich Allianz-Investoren mit 5 Prozent begnügen. "Das ist mickrig, deshalb werden sich Investoren kurz über lang von der Aktie trennen", ist der Experte überzeugt. Gegen den Trend empfiehlt Croce die Titel zum Verkauf. Dies indes auch, weil er die Geschäftsaussichten für die Allianz skeptisch einschätzt.

"Dividendenrendite von 5 Prozent ist mickrig"

Zwar zeigt sich Konzernchef Michael Diekmann für 2013 "vorsichtig optimistisch", in etwa das Vorjahresergebnis zu erreichen. Die künstlich "niedrigen Zinsen" machten es allerdings immer schwerer, das Geld lukrativ am Kapitalmarkt anzulegen. Davon jedoch lebt auch die Asset-Management-Sparte des Konzerns mit dem weltgrößten Anleihehändler Pimco und dem kleineren Anbieter Allianz Global Investors.

Die Sparte konnte im vergangenen Jahr ihr Ergebnis um mehr als ein Drittel steigern und steuert mittlerweile rund ein Drittel zum operativen Ergebnis der Gruppe bei. "Das ist traumhaft, aber ist es auch nachhaltig? Ich glaube das nicht", zeigt sich Croce skeptisch vor allem für den Bond-Markt. Der Anleihenmarkt habe das "beste Jahr seiner Geschichte" hinter sich. Diese Entwicklung werde sich so nicht wiederholen, sondern der Markt "stark zurückfallen". Mit anderen Worten: Der Beitrag des Asset-Management zum Konzernergebnis dürfte künftig deutlich geringer ausfallen, glaubt der Analyst.

Fragenzeichen stehen auch hinter der weiteren Entwicklung der Lebens- und Krankenversicherung. Das um mehr als 20 Prozent gesteigerte Ergebnis der Sparte geht primär auf positive Effekte in der Kapitalanlage zurück, die sich nicht eins zu eins wiederholen lassen. "Hohe realisierte Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren können natürlich nicht nachhaltig sein", betont auch Analyst Stefan Bongardt von Independent Research.

Die Beitragseinnahmen dagegen schrumpfen. Das Neugeschäft wird immer schwieriger, was auch das deutlich geringere Volumen von 790 Millionen Euro (2011: 940) dokumentiert. Zugleich wird das Geschäft weniger profitabel, die Marge ist auf 1,8 (2,3) Prozent gefallen. Analyst Werner Schirmer von der LBBW spricht von einer enttäuschenden Entwicklung.

Neugeschäft und Margen in der Lebensversicherung schrumpfen

Die Geschäftsaussichten für die Lebensversicherung sind eingetrübt, weil das Produkt im Zuge kontinuierlich fallender Überschüsse unattraktiver wird. Auch die Allianz hat für 2013 die Gewinnbeteiligung gesenkt. Die geplante Börsensteuer könnte die Rendite privater Renten zusätzlich drücken - um bis zu 5 Prozent und mehr, haben Experten errechnet. Nicht von ungefähr fordert Konzerchef Diekmann daher, Finanzgeschäfte von der Steuer auszunehmen, die dem Aufbau der Altersvorsorge dienen

Umgekehrt stellen aus Sicht der Allianz ältere, höher verzinste Verträge mit hohen Garantiezusagen eine Herausforderung dar. Der Versicherer will darauf mit neuen Produkten und neuen Garantieformen reagieren, wie Diekmann ankündigte. Ob Kunden abgespeckte, weniger werthaltige Garantiezusagen im Vergleich zur klassischen Police akzeptieren werden, muss sich noch erweisen. Viele Beobachter bezweifeln das.

Das um 12,5 Prozent gesteigerte Ergebnis in der Schaden- und Unfallversicherung hat eine ganze Reihe Analysten positiv überrascht. Die Sparte profitierte wie bei anderen Versicherern auch von einem mit Blick auf Naturkatastrophen sehr schadensarmen Jahr. Ob sich dieser positive Effekt ebenso in 2013 wieder einstellen wird, ist naturgemäß mit großer Unsicherheit behaftet.

Mancher Analyst glaubt indes auch, dass Prämienerhöhungen, wie sie sich 2012 vor allem in der Kfz-Versicherung in den europäischen Kernmärkten durchsetzen ließen, für die Zukunft weniger wahrscheinlich sind. In Deutschland hat die Allianz in dem hart umkämpften Markt für Kfz-Versicherungen schon vor geraumer Zeit die Marktführerschaft an die Huk Coburg verloren.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Sparprogramm
Ergo will weitere 1300 Stellen streichen
Wechsel zum 1. September
Hancock löst Benmosche als AIG-Chef ab
Versicherer
Das Milliardenrisiko der Fußball-WM
Anleger ziehen Milliarden ab
Aderlass bei Pimco-Fonds geht weiter

© manager magazin online 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger