Donnerstag, 21. September 2017

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Versicherer baut Stellen ab Digitalisierung kostet 700 Jobs bei der Allianz

Allianz-Zentrale bei München: Stellen werden vor allem wohl in Berlin, Leipzig und Hamburg wegfallen

Der Versicherer Allianz will in den kommenden drei Jahren Hunderte Stellen in Deutschland streichen. Insgesamt sollen rund 700 Vollzeitstellen wegfallen. Der Stellenwegfall sei eine Folge der Digitalisierung, begründet der Konzern.

Die Allianz streicht in den kommenden drei Jahren 700 Vollzeitstellen. Der Abbau sei Teil eines Sparprogrammes, dem insgesamt 1270 Jobs zum Opfer fielen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". 570 Stellen seien in den vergangenen Monaten bereits über Teilzeitregelungen abgebaut worden.

Die Digitalisierung macht viele Tätigkeiten in der Branche überflüssig. So bearbeiten und regulieren Versicherer bestimmte Haftpflicht- oder Kfz-Schäden inzwischen, ohne dass ein Mensch involviert ist. Experten hätten bei Allianz Deutschland sogar ein Potenzial von mehr als 2000 Stellen ausgemacht, die durch den technischen Fortschritt wegfallen könnten, sagte ein Sprecher.

Einen Teil davon will der größte deutsche Versicherer aber kompensieren, indem neue Jobs etwa in der Kundenbetreuung geschaffen werden. Mit dem Stellenabbau verbunden ist auch eine Neuordnung in der Schadenbearbeitung. So solle die Unfallversicherung nicht mehr in Berlin, München, Leipzig, Hamburg und Stuttgart verwaltet werden, sondern nur noch in Berlin und München. In der Krankenversicherung falle der Standort Berlin größtenteils weg.

Ein Allianz-Sprecher bestätigte am Freitag die Pläne und erklärte, der Stellenabbau solle fair und sozialverträglich geschehen. Dazu sei aber auch Flexibilität bei den Mitarbeitern gefragt, die gegebenenfalls für neue Tätigkeiten umlernen müssten. In Deutschland beschäftigt der Versicherungskonzern rund 29.000 Mitarbeiter.

Verdi rechnet mit erheblichem Stellenabbau in der Assekuranz

Allianz-Chef Oliver Bäte hatte bereits im Jahr 2015 angekündigt, Kosten zu senken und den Kunden stärker in den Mittelpunkt zu stellen. In der Belegschaft rumort es: Viele Beschäftigte werfen dem Management vor, auf dem Rücken der Belegschaft zu sparen und die Rendite für Aktionäre zu steigern.

Die Gewerkschaft Verdi sieht sich durch die Streichungen bei der Allianz in ihren Befürchtungen bestätigt. "Die Gefährdung der Arbeitsplätze durch Digitalisierungsprozesse ist kein abstraktes Zukunftsthema, sondern konkrete Realität", sagte Fachbereichsleiterin Martina Grundler. "Alle Studien zur Digitalisierung gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren einen erheblichen Stellenabbau in allen Versicherungsunternehmen geben wird." Dafür brauche man "Spielregeln und Leitplanken". Sonst hätten die Unternehmen den größten Wettbewerbsvorteil, die die geringste Rücksicht auf die Belegschaft nähmen, warnte Grundler.

Verdi verhandelt gerade über einen "Zukunftstarifvertrag Digitalisierung", der die Folgen abfedern soll. Dafür waren Tausende Beschäftigte Anfang der Woche auf die Straße gegangen.

rei/Reuters/dpa

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