Sonntag, 22. Oktober 2017

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Absturz eines Neue-Markt-Stars So wurde Aixtron zum China-Schnäppchen

Wafer von Aixtron: Hoch geflogen, tief gestürzt

Es ist schon reichlich selbstbewusst, wie die Führungsriege von Aixtron ihr eigenes Scheitern kommentiert. "Mit dem FGC haben wir einen Partner gefunden, der uns einen lokalen Marktzugang bietet und damit unsere Geschäftsziele in Asien unterstützt", gab Aufsichtsratschef Kim Schindelhauer am Montag zu Protokoll. "Vorstand und Aufsichtsrat begrüßen das Angebot", sagte Vorstandschef Martin Goetzeler. "Es kommt zur richtigen Zeit."

So eben noch rechtzeitig, hätte er auch sagen können. Geradezu herbeigesehnt hat das Aixtron-Management zuletzt den Zugriff von außen. Erst im März hatte sich das Unternehmen, das aus einer Ausgründung der RWTH Aachen hervorgegangen ist, selbst zum Verkauf gestellt. Dabei könnte sich das am Montag kommunizierte Übernahmeangebot des Fujian Grand Chip Investmentfonds (FGC) aus China als der Schlussakt im Drama um die einstige Neue-Markt-Ikone erweisen, auch wenn es so natürlich nicht rüberkommen soll.

Zumindest die Eigenständigkeit hat Aixtron in den vergangenen Jahren verspielt, das ist nun endgültig klar. Zu lange schon schreibt das Unternehmen Verluste, zu lange schon fehlt Anlegern die Phantasie, was aus dem LED- und Halbleiter-Ausrüster in Zukunft eigentlich werden soll.

Investoren mussten in den vergangenen Jahren einen extremen Kursrutsch hinnehmen. Noch Anfang 2011 notierte die Aktie bei 31 Euro. Bis zum Februar dieses Jahres rauschte das Papier um 90 Prozent in die Tiefe. Erst die Aussicht auf einen Käufer päppelte das Papier wieder ein wenig auf. Das Sechs-Euro-Angebot von FGC taxiert Aixtrons Wert auf gerade noch 670 Millionen Euro.

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