Montag, 11. Dezember 2017

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Airbus schnappt sich Mehrheit an Bombardier-Flugzeugserie Wie Airbus bei Bombardier Erzfeind Boeing austrickste

C-Serie von Bombardier

Der angeschlagene Flugzeug- und Bahntechnikhersteller Bombardier braucht dringend Geld, um seine neue Mittelstreckenflugzeugserie voranzubringen. Das Problem hat er jetzt gelöst, denn Airbus steigt mehrheitlich bei der Mittelstrecken-Baureihe der Kanadier ein - ein cleverer und politischer pikanter Deal zugleich.

Eine entsprechende Vereinbarung für die sogenannte Bombardier C-Series unterschrieben die beiden Unternehmen nach eigenen Angaben in der Nacht zu Dienstag. Airbus wird genau 50,01 Prozent der C Series Aircraft Limited Partnership (CSALP) übernehmen. Bombardier wird 31 Prozent der Gesellschaft behalten, weitere 19 Prozent liegen bei einem kanadischen Pensionsfonds. Die Zentrale werde im kanadischen Quebec verbleiben.

"Das ist genau die richtige Partnerschaft für Bombardier", sagte Konzern-Chef Alain Bellemare. Airbus-Chef Tom Enders nannte den neuen Mittelstreckenjet mit bis zu 150 Sitzplätzen ein "hervorragendes Flugzeug". Für Enders dürfte dies aus verschiedenen Gründen auch ein hervorragender Deal sein. Denn

  • der Wettbewerber Boeing, der auch kleinere Jets Maschinen ab 130 Sitzen baut, bleibt außen vor
  • die Europäer müssen weder Bargeld zahlen noch Schulden von Bombardier übernehmen. Airbus trägt allerdings die Entwicklungs- und Produktionskosten des neuen Fliegers. Bombardier wird zudem in den kommenden drei Jahren für finanzielle Lücken von bis zu 700 Millionen Dollar geradestehen
  • die kleineren Jets der C-Serie sind ein wachsendes Segment mit bislang überschaubarer Konkurrenz
  • eine Konkurrenz zum größeren A320 von Airbus stellt die C-Serie nicht dar, wie Enders betont, passt also hervorragend ins Airbus-Portfolio

Auch wenn Bombardier-Chef Bellemare betont, der Einstieg von Airbus habe nichts mit einer anstehenden Klage des US-Wettbewerbers Boeing zu tun, wirkt dies wenig überzeugend. Denn dem Deal ging ein Handelsstreit in Nordamerika voraus, in dessen Zuge US-Präsident Donald Trump Strafzölle auf bestimmte Flugzeuge von Bombardier von bis zu 300 Prozent verhängt hatte.

Hintergrund ist, dass die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines weit mehr als 100 Jets des Typs CS100 bei Bombardier bestellt hatte und Boeing leer ausgegangen war. Der US-Flugzeugbauer und schärfste Airbus-Konkurrent beschwerte sich darauf in Washington über angeblich staatlich subventionierte Preise bei der C-Serie. Nach der Androhung der Strafzölle drohte Delta Airlines, die bestellten Flugzeuge nicht zu übernehmen. Anfang nächsten Jahres sollte die unabhängige US-Handelskommission über die Beschwerde von Boeing entscheiden, heißt es.

Fallen Boeing und Trump nicht noch irgendwelche politischen oder juristischen Finten ein, dürfte sich diese Klage mit dem Einstieg bei Bombardier nun erledigt haben. Denn Enders kündigte an, dass der CS100 zwar in Kanada herstellt aber in dem US-Werk von Airbus in Alabama gefertigt werde. Die Strafzölle würden damit entfallen.

mit Reuters

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