Samstag, 16. Dezember 2017

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US-Holding bestellt 430 Airbus-Maschinen Der Investor, der Airbus in den siebten Himmel befördert

Milliardenbestellung bei Airbus: Bill Franke, Managing Partner von Indigo Partners, am Mittwoch in Dubai.

Die Stimmung bei Airbus an diesem Mittwoch dürfte wohl mit Erleichterung nur unzureichend beschrieben sein: Noch vor wenigen Tagen schien es, als könnte die Dubai Air Show zum Fiasko werden. Die Golf-Airline Emirates vergab am vergangenen Wochenende einen Multimilliarden-Auftrag an den US-Konkurrenten Boeing Börsen-Chart zeigen und brüskierte bei der dazugehörigen Pressekonferenz die anwesenden Airbus-Manager, die zunächst leer ausgingen.

Doch das ist nun vergessen: Airbus feiert den größten Auftrag seiner Unternehmensgeschichte. Nicht weniger als 430 Flieger der Typen A320neo und A321neo hat der US-Investor Indigo Partners beim europäischen Flugzeugbauer bestellt. Der Gesamtlistenpreis (auf den Indigo angesichts der Größe der Order allerdings einen dicken Rabatt bekommen dürfte): 49,5 Milliarden Dollar.

Doch was ist das für ein Unternehmen, das auf einen Schlag Maschinen in diesem Umfang bestellt und Airbus damit prompt das gesamte Geschäftsjahr retten könnte? Wer steckt dahinter?

Indigo Partners ist eine US-amerikanische Private-Equity- und Venture-Capital-Firma mit Sitz in Phoenix, Arizona, die sich auf Investments in der Luftfahrtbranche spezialisiert hat. Zu den wichtigsten Beteiligungen zählt die in Denver ansässige US-amerikanische Ultra-Billig-Fluggesellschaft Frontier Airlines mit derzeit rund 70 Maschinen sowie die chilenische Discount-Airline JetSmart. Weitere Anteile besitzt Indigo an Mexikos Volaris sowie Ungarns Wizz Air, die sich ebenfalls beide im unteren Preissegment tummeln. Zudem plant das Unternehmen Berichten zufolge den Start einer neuen Billigfluggesellschaft in Kanada.

Der Mann, der bei all diesen Aktivitäten die Fäden in der Hand hält, heißt William "Bill" Franke. Der 80-jährige Mitgründer und Chef von Indigo Partners ist ein echter Veteran der Luftfahrtbranche: Abschluss an der US-Universität Stanford bereits Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre, dann, nach Stationen in anderen Branchen, der Einstieg ins Luftfahrtgeschäft. Franke war von 1993 bis 2001 Chef von America West Airlines, die später von US Airways übernommen wurde, und von 2004 bis 2009 Verwaltungsratsvorsitzender bei der asiatischen Tiger Airways. Bis 2013 leitete er den Verwaltungsrat der US-Billiglinie Spirit Airlines.

Duell zweier Branchenveteranen

Franke ist ein Pionier im nach wie vor wachsenden Billigflug-Geschäft. Gesellschaften wie Frontier Airlines bieten meist niedrige Grundpreise und erheben dafür teils hohe Gebühren beispielsweise für den Gepäcktransport. Das hat den Firmen bereits einigen Ärger mit ihren Kunden eingebracht.

Und: Franke hat sich in den USA zudem einen Namen als Philanthrop und großzügiger Spender gemacht. Zuletzt überwies er im vergangenen Jahr 24 Millionen Dollar an die Universität von Montana, die größte Einzelspende in der Geschichte der Einrichtung. Ähnliche Freude hatte er schon 2007 bei der Northern Arizona University ausgelöst, die nach einer 25-Millionen-Dollar-Spende Frankes sogar einen ganzen Fachbereich nach ihm benannte.

Schon als Franke in dieser Woche das Flugzeug Richtung Dubai bestieg, liefen erste Agenturmeldungen über den Ticker, der Investor plane eine historische Großbestellung von rund 400 Flugzeugen. Inzwischen ist der Deal bestätigt: Indigo ordert insgesamt 273 Airbusse des Typs A320 neo zum Listenpreis von 108,4 Millionen Dollar je Stück und 157 Maschinen des Typs A321neo à 127 Millionen Dollar.

Welche Summe Indigo für die Flotte, die bei den genannten Linien des Unternehmens zum Einsatz kommen soll, letztlich tatsächlich bezahlen wird, ist bislang allerdings nicht bekannt - und womöglich noch gar nicht abschließend vereinbart. "Da besteht Hoffnung", sagte Franke am Mittwoch zu Journalisten in Dubai. "Sie wollen die Flugzeuge zum bestmöglichen Preis verkaufen, und wir wollen sie zum bestmöglichen Preis kaufen."

Er kenne Airbus-Verkaufschef John Leahy bereits seit 25 Jahren, so Franke. Manchmal gewinne der Airbus-Mann, und manchmal Franke.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Hintergrund: Auch Airbus-Chefverkäufer Leahy, 67, gehört bereits zu den Veteranen der Branche. Seit 1994 leitet er den Vertrieb bei Europas Flugzeugschmiede Nummer eins und hat in der Zwischenzeit Transaktionen im Volumen von weit mehr als einer Billion Dollar eingetütet. Leahy, der in wenigen Monaten in den Ruhestand gehen will, hat Beobachtern zufolge großen Anteil daran, dass sich Airbus Börsen-Chart zeigen zum praktisch einzigen Rivalen des immer noch weltgrößten Flugzeugbauers Boeing entwickelt hat.

Doch wer hat nun diesmal gewonnen, beim größten Airbus-Deal der Firmengeschichte? Leahy oder Franke? "Das ist eine gute Frage", lautet die Antwort des Amerikaners. Die Börse wird da etwas konkreter - und sieht offenbar den Flugzeugbauer als Profiteur. Die Aktie von Airbus jedenfalls notiert am Mittwoch mit einem Plus von mehr als 3 Prozent an der Spitze des MDax Börsen-Chart zeigen.

Mit Informationen von Nachrichtenagenturen

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