Samstag, 20. Oktober 2018

Tausende Jobs bei Airbus in Gefahr Virgin storniert Bestellungen - neuer Rückschlag für A380

Airbus A380 im Werk in Hamburg-Finkenwerder (Archivaufnahme)

Airbus muss bei seinem doppelstöckigen Riesenflieger A380 einen weiteren Tiefschlag einstecken: Virgin Atlantic, die vom britischen Milliardär Richard Branson gegründete Fluggesellschaft, hat kein Interesse mehr am Superjumbo und strich die vor einigen Jahren vereinbarte Kaufoption für sechs Flieger.

Virgin bestätigte am Mittwoch die Stornierung. Die Fluggesellschaft setzt wie so viele andere Konkurrenten auf etwas kleinere Langstreckenflieger wie den Airbus A350. Diese Maschinen lassen sich flexibler einsetzen. Boeing hat bei seinem Jumbo 747 das gleiche Problem. Immer wieder kochen deshalb Spekulationen hoch, die Hersteller könnten die Riesenflieger ganz einstellen.

Airbus hatte erst am Nachmittag mitgeteilt, dass wegen der schleppenden Nachfrage nach dem A380 und Problemen beim Militärtransporter A400M 3700 Stellen gefährdet sind. So soll die Produktion des A380 ab dem Jahr 2020 auf monatlich sechs Maschinen gedrosselt werden. Einziger Großkunde des Modells ist Emirates.

Auf die deutschen Werken des Flugzeugbauers Airbus entfallen dabei 1900 gefährdete Arbeitsplätze: Das Unternehmen erklärte am Mittwoch in Toulouse, von sinkenden Produktionsraten seien "maximal 3700 Stellen" in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien betroffen. Die französische Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) teilte mit, davon entfalle der Großteil auf die deutschen Werke.

Airbus zeigte sich "zuversichtlich, den meisten der betroffenen Mitarbeiter (...) neue Stellen innerhalb des Unternehmens anbieten zu können". Welche Standorte im Einzelnen betroffen sind, teilte der Konzern nicht mit.

Die deutschen Werke Bremen, Augsburg, Hamburg und Stade sollen aber im Gespräch sein, wie die französische Zeitschrift "Challenges" vergangene Woche berichtet hatte. Dort werden unter anderem Teile für den Militärtransporter A400M und den Riesen-Airbus A380 gefertigt, die als Sorgenkinder des Konzerns gelten.

Nach Angaben der Gewerkschaft FO ist Deutschland mit 1900 Arbeitsplätzen europaweit am stärksten betroffen. In Spanien sollen demnach 850 Arbeitsplätze wegfallen. Die Gewerkschaft sprach zudem von rund 470 Posten, die in Frankreich auf der Kippe stehen, und von 450 in Großbritannien.

Der FO-Vertreter Jean-Marc Escourrou betonte nach dem Treffen des Europäischen Betriebsrats mit dem Management: "Von betriebsbedingten Kündigungen ist zu keinem Zeitpunkt die Rede gewesen".

Betroffen sind nach seinen Angaben auch Posten von Zeitarbeitern und bei Zuliefererbetrieben. Airbus betonte, der Konzern gehe mit den Umstrukturierungen "verantwortungsvoll um".

Die Bayerische Landesregierung hatte Airbus zuvor aufgerufen, auf einen groß angelegten Stellenabbau zu verzichten. Nach Informationen der IG Metall könnten in Augsburg 300 Stellen in der Produktion des Militärflugzeugs A400M vom Umbau betroffen sein.

luk, cr/AFP, dpa-afx

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