Mittwoch, 21. November 2018

Airbag-Helmhersteller Hövding geht an die Börse "Der Airbag-Helm ist nicht nur für Fahrradfahrer"

Hövding: Mit dem Airbag-Helm unterwegs
Jonas Ingerstedt

Ein Helm, den man wie einen Kragen um den Hals legt - und der sich im Falle eines Sturzes wie ein Airbag öffnet: Vor rund drei Jahren stellte das schwedische Unternehmen Hövding seinen Airbag-Fahrradhelm vor, doch auf Deutschlands Straßen und Fahrradwegen hat der Helm noch immer Seltenheitswert. Das mag zum einen am Preis von knapp 300 Euro liegen. Doch auch Fahrradfahrer, die für ihre Sicherheit einen solchen Preis zu zahlen bereit sind, müssen sich an die etwas eigenwillige Optik des Helm-Kragens erst gewöhnen. Weit häufiger als mit dem "Hövding" sind Fahrradfahrer noch mit klassischen Helmen unterwegs.

Das soll sich nun ändern. Das mittelständische Unternehmen aus Malmö hat nicht nur ein neues Modell entwickelt, das technisch weiterentwickelt wurde und mit 635 Gramm rund 100 Gramm leichter ist als sein Vorgänger. Zudem hat Hövding auch finanziell aufgerüstet: Mit dem Börsengang Ende Juni haben die Schweden 6,5 Millionen Euro eingesammelt, die sie unter anderem für eine Marketingkampagne nutzen wollen.

"45 Prozent sind für Verkaufs- und Marketingmaßnahmen eingeplant, weitere 22 Prozent sind für die weitere Produktentwicklung vorgesehen", sagt Hövding-Chef Fredrik Carling. "Wir verkaufen den sichersten Fahrradhelm, den es derzeit auf dem Markt gibt", sagt Carling und verweist auf eine Untersuchung des schwedischen Versicherers Folksam. Allerdings brauche es seine Zeit, bis ein neues Konzept auf dem Markt etabliert sei, räumt Carling ein: "Viel mehr Fahrradfahrer sollen uns kennenlernen."

Carling sieht auch nach dem Börsengang keinen Grund, an der Strategie des Unternehmens etwas zu ändern. "Die Verkaufszahlen steigen an, sowohl in Deutschland als auch global", sagt Carling. Der Helm erfasst mit einer intelligenten Sensorik alle Bewegungen des Radfahrers. Bei einem Unfall wird die Sturzbewegung erkannt und ein Mechanismus ausgelöst, der den Helm in wenigen Millisekunden aufbläst. Mit einem Teil der Erlöse aus dem Börsengang soll dieses Prinzip nun auf weitere Bereiche angewendet werden: Der Airbag-Helm sei nicht nur für Fahrradfahrer gedacht, sondern soll auch in weiteren Bereichen zum Einsatz kommen, wo der Kopf geschützt werden muss, erklärt Carling.

Den stolzen Preis von knapp 300 Euro hält der Hövding-Chef für "eher günstig" - verglichen mit dem Sicherheitsplus, das der Helm biete. Die Diskussion um eine allgemeine Helmpflicht in Deutschland verfolgt Carling eher gelassen - und sieht eine Helmpflicht auch nicht als Faktor an, auf den Hövding-Aktionäre spekulieren sollten. "Wir stehen in der Verantwortung, einen Helm zu entwickeln, der so gut und attraktiv ist, dass Radfahrer ihn tragen wollen - unabhängig von einer gesetzlichen Helmpflicht", sagt Carling. Viele Hövding-Kunden seien Radfahrer, die das Tragen eines Helms bislang abgelehnt haben - und nun mit dem Airbag-Konzept unterwegs sind.

la/mmo

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