Sonntag, 20. Januar 2019

Anne Rigail bricht Männerdomäne in Luftfahrt auf Erstmals führt eine Frau die Air France

Anne Rigail

Das Business gilt als knallhart und wohl auch deshalb als Männerdomäne. Frauen jedenfalls finden kaum Zutritt zu den Vorstandetagen internationaler Fluggesellschaften. Manche der männlichen Überflieger machen dabei keinen Hehl aus ihrer Überzeugung, Frauen hätten nichts an der Spitze einer Fluglinie zu suchen.

"Natürlich muss eine Airline von einem Mann geführt werden, weil es eine sehr herausfordernde Position ist", erklärte unlängst Akbar Al Baker, Vorstandschef von Qatar Airways, auf einer Pressekonferenz. Später soll er sich für diese Bemerkung entschuldigt haben.

Tatsächlich sind Frauen an der Spitze von großen Fluggesellschaften bislang die absolute Ausnahme. In den USA hat es in der Geschichte der Luftfahrt - mit Ausnahme einzelner regionaler Airlines - bislang noch keine einzige Frau an die Spitze einer Fluglinie von Rang geschafft, weiß AP zu berichten.

Gerade mal 3 Prozent der Vorstandschefs in der Luftfahrtindustrie sind Frauen, dokumentierte die International Air Transport Association (IATA). Und laut dem Centre for Aviation, eine Forschungsgruppe für Luftfahrtunternehmen, waren Mitte dieses Jahres bei Fluggesellschaften weltweit lediglich 18 Frauen als CEO, als Präsidentin oder Geschäftsführerin tätig - und damit genauso viele wie im Jahr 2010.

Zu den bekanntesten weiblichen CEO der jüngsten Vergangenheit zählte sicherlich EasyJet-Chefin Carolyn McCall. Zum Amtsantritt von Ryanair-Chef O'Leary noch verlacht, lehrte sie die männlichen Wettbewerber zusehends das Fürchten, bis die Managerin dann nach sieben Jahren den britischen Billigflieger verließ und im Sommer vergangenen Jahres zum britischen Fernsehsender ITV wechselte.

Das große Ungleichgewicht in der Branche verdeutlicht kaum besser als ein Bild der IATA vom 3. Juni dieses Jahres: Darauf posieren gut 25 Chefs internationaler Fluglinien in dunklen Anzügen - und eine weibliche Kollegin in gleicher Funktion: Christine Ourmieres-Widener leitet die regionale Fluggesellschaft Flybe, eine britische Airline mit weniger als 100 Flugzeugen.

Gruppenbild mit Dame: Vorstandschef internationaler Fluggesellschaften beim Stelldichein der International Air Transport Association

Solche Bilder könnten künftig etwas anders aussehen: Denn Air France hat mit Anne Rigail (49) jetzt erstmals eine Frau an die Spitze der 1933 gegründeten französischen Fluggesellschaft berufen, teilte das Unternehmen mit. Die Französin tritt ihr Amt bereits am 17. Dezember an und folgt Benjamin Smith, der seit Herbst Chef der Gruppe Air France/KLM ist.

Rigail kennt die Airline wie kaum eine andere Führungskraft: Seit 27 Jahren arbeitet sie für das Unternehmen in verschiedensten Funktionen, aktuell noch als stellvertretende Chefin des In-Flight Services.

Rigail hat einiges zu bewältigen bei Air France: Die streikgeplagte Fluglinie steht mitten in schwierigen Tarifverhandlungen mit Piloten und Flugbegleitern. Der langjährige Konzernchef Janaillac hatte im Mai seinen Rücktritt erklärt, nachdem die Mitarbeiter der Sparte Air France in einer Abstimmung vom Management vorgeschlagene Gehaltserhöhungen abgelehnt hatten.

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