Montag, 18. Februar 2019

Air-Berlin-Insolvenz Eurowings droht mit Streiks

Eurowings: Die Kabinengewerkschaft Ufo kündigt für die nächsten Tage Urabstimmungen an

Die Insolvenz von Air Berlin hat auch das Personal bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings verunsichert. Die Kabinengewerkschaft Ufo kündigte am Mittwoch für die nächsten Tage Urabstimmungen in den Flugbetrieben an, die für Eurowings unterwegs sind. In der neuen Situation seien flächendeckende Arbeitskämpfe zu erwarten, erklärte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies am Mittwoch.

Er hielt der Lufthansa Börsen-Chart zeigen in einer Mitteilung vor, man habe in der Aussicht auf mögliche Übernahmen von Teilen der Air Berlin die Schlichtung für das Eurowings-Personal scheitern lassen. Dabei gäbe es aus seiner Sicht alle Möglichkeiten für einen geordneten Übergang.

Die Eurowings-Mitarbeiter seien extrem verunsichert, erklärte die Gewerkschaft. "Die Gefahr, dass Mitarbeitergruppen gegeneinander ausgespielt werden und einzelne Eurowings-Betriebe in den Abwärtswettbewerb gegeneinander gebracht werden, ist nun keine Fiktion mehr. Es ist harte Realität."

Der Gewerkschafter appellierte an die Bundesregierung, von den beteiligten Unternehmen soziale Verantwortung zu verlangen. Auch Eurowings befinde sich in einer "Schmuddelecke", die sie mit schlechten Arbeitsbedingungen bei außerdeutschen Eurowings-Anbietern wie auch bei den heimischen Teilgesellschaften selbst zu verantworten habe.

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro noch für etwa drei Monate gesichert. Jetzt gehen die Sanierungsbemühungen für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft weiter. Vorstandschef Thomas Winkelmann verhandelt unter anderem mit der Lufthansa über einen Verkauf von Teilen der Airline.

Lufthansa, Thomas Cook und Easyjet buhlen um Air Berlin

Neben der Lufthansa interessiert sich auch der Reisekonzern Thomas Cook Börsen-Chart zeigen sich für Teile der insolventen Fluggesellschaft. Thomas Cook und die Ferienflug-Tochter Condor stünden für eine "aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit", sagte ein Thomas-Cook-Sprecher am Mittwoch. Air Berlin und die Tochter Niki befördern bereits einen Teil der Gäste von Thomas Cook in den Urlaub. "Thomas Cook und Condor sind bereit, eine aktive Rolle bei möglichen Auffanglösungen zu spielen", sagte der Sprecher. Diese müssten aber nachhaltig und kartellrechtlich zulässig sein.

Auch der Ryanair-Konkurrent Easyjet Börsen-Chart zeigen soll Branchengerüchten zufolge an Teilen von Air Berlin interessiert sein. Ryanair wiederum hatte heute eine Beschwerde beim Bundeskartellamt und bei der EU-Wettbewerbskommission eingelegt. Der irische Billigflieger wittert einen "Komplott" zwischen der Bundesregierung und deutschen Fluggesellschaften, um ausländische Wettbewerber von der Übernahme abzuhalten.

Bundesregierung weist Kritik von Ryanair zurück

Die Bundesregierung hat die Kritik von Ryanair umgehend zurückgewiesen. "Die Vorwürfe von Ryanair, es handele sich um einen inszenierten Insolvenzantrag, sind abwegig", sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Für die gesamte Regierung sei die Erklärung des Air-Berlin-Anteilseigners Etihad am Freitagabend überraschend gewesen, dass die gemachten Zusagen nicht mehr fortgeführt würden.

Die Bundesregierung sei erst von Air Berlin über die Entwicklung informiert worden und habe deshalb sehr schnell eine Entscheidung treffen müssen. "Wir gehen davon aus, dass sie beihilferechtlich konform ist", sagte die Sprecherin mit Blick auf den gewährten Übergangskredit von 150 Millionen Euro. Für die kommende Woche seien Gespräche mit der EU-Kommission in Brüssel geplant. Wenn der Bund nicht eingesprungen wäre, hätte Air Berlin direkt nach dem Insolvenzantrag keine Flüge mehr durchführen können. Damit hätten Zehntausende Urlauber keinen Rückflug mehr gehabt.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann ist unterdessen zuversichtlich, einen Großteil der 7200 Arbeitsplätze in Deutschland zu retten. "Ich glaube, trotz Insolvenz mein Ziel zu erreichen und einen Großteil der Jobs zu sichern. Das kriegen wir hin", sagte der ehemalige Lufthansa-Manager der Wochenzeitung "Die Zeit" einem Vorabbericht vom Mittwoch zufolge. "Die Zukunftsfrage von Air Berlin wird nun zügig gelöst. Wer Teile haben will, muss jetzt bieten." Die Gespräche mit möglichen Partnern seien "sehr weit gediehen".

mg/dpa-afx/rtr

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