Sonntag, 19. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Airline suspendiert Piloten nach brisantem Manöver Letzte "Ehrenrunde" - Piloten verteidigen Air-Berlin-Hasardeur

Auf seinem letzten Langstreckenflug war ein Air-Berlin-Pilot am Montag in Düsseldorf noch mal durchgestartet. Das Luftfahrtbundesamt prüft den Fall.
YOUTUBE/ JULE T, REUTERS
Auf seinem letzten Langstreckenflug war ein Air-Berlin-Pilot am Montag in Düsseldorf noch mal durchgestartet. Das Luftfahrtbundesamt prüft den Fall.

Nach dem aufsehenerregenden Flugmanöver der letzten Air-Berlin-Maschine aus den USA nach Düsseldorf ist der Pilot des Flugzeugs suspendiert worden. Die Besatzung sei derzeit nicht im Flugdienst, teilte Air Berlin am Mittwoch mit. Dies sei ein "normaler Prozess" bei der Untersuchung derartiger Vorfälle. "Wir nehmen den Vorfall sehr ernst", sagte ein Konzernsprecher. Zuvor hatte die ZDF-Sendung "Frontal 21" darüber berichtet.

Das Flugzeug mit mehr als 200 Passagieren aus Miami war am Montag kurz vor der Landung durchgestartet und nach links über den Düsseldorfer Airport abgedreht. Nach einer Runde brachte der Pilot Flug AB 7001 sicher auf den Boden. "Frontal 21" zitierte den Piloten mit den Worten: "Wir wollten ein Zeichen setzen, einen würdigen und emotionalen Abschluss."

Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) hatte am Dienstag erklärt, Air Berlin sei um eine Stellungnahme zu dem Manöver der A330 gebeten worden. Eine Antwort steht laut LBA derzeit noch aus.

Sehen Sie hier im Video das Flugmanöver des Piloten

Passagiere des Fluges kritisieren Manöver

Ein Air-Berlin-Sprecher hatte den Vorfall am Dienstag noch als gewöhnlich dargestellt: "Das Flugzeug folgte nach dem Durchstarten in Absprache mit den Fluglotsen einem vorgesehenen Kurs, der es zurück zum Landeanflugflug führte." Über den Grund für das Manöver wollte der Sprecher allerdings nichts sagen.

Zahlreiche Piloten äußerten in Zuschriften an manager-magazin.de viel Verständnis für die Aktion des Air-Berlin-Kapitäns. "Man sieht deutlich auf dem Video, das jeder Sicherheitsabstand gewahrt wurde", schrieb einer. "Der Pilot kann zu jeder Zeit aus Sicherheitsgründen ein Durchstartmanöver durchführen."

Piloten begründen Ehrenrunde auch mit schlechten Arbeitsbedingungen

Es obliege dem verantwortlichen Flugzeugführer, darüber zu entscheiden. Sogar die Tatsache, dass es der letzte Flug war, könne eine legitime Begründung für den Piloten sein: "Vielleicht war er sogar sehr emotional belastet. Selbst dies ist ein Grund."

Auch andere Flugkapitäne brachten das spektakuläre Manöver in einen Zusammenhang mit den schwierigen Arbeitsbedingungen bei der angeschlagenen Fluglinie. "Die letzten Monate waren für die gesamte Belegschaft der Air Berlin eine überaus anspruchsvolle Zeit, geprägt von Spekulationen, Hinhaltetaktiken der Chefetage und teils katastrophalen Arbeitsbedingungen", schrieb ein Air-Berlin-Pilot.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH