Mittwoch, 20. Februar 2019

Etihad dreht Geldhahn zu Air Berlin meldet Insolvenz an

Air Berlin will den Flugbetrieb trotz des Insolvenzantrags fortführen
Thomas Schuhmacher / airberlin
Air Berlin will den Flugbetrieb trotz des Insolvenzantrags fortführen

Air Berlin ist pleite. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft stellte am Dienstag Insolvenzantrag, nachdem ihr Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways ihr den Geldhahn zugedreht hat. Damit sei keine positive Fortführungsprognose mehr gegeben, erklärte die Führung von Air Berlin Börsen-Chart zeigen. Diese ist Voraussetzung, dass ein überschuldetes Unternehmen um einen Insolvenzantrag herumkommt.

Der Flugbetrieb solle mit Hilfe eines Überbrückungskredits der Bundesregierung in Höhe von 150 Millionen Euro aufrecht erhalten werden, erklärte Air Berlin.

"Der Flugbetrieb von Air Berlin kann in vollem Umfang fortgeführt werden. Eine Einstellung des Flugbetriebs wird so vermieden." Der Kredit ist mit einer Bundesbürgschaft abgesichert. Nicht von dem Insolvenzantrag betroffen ist derzeit die Niki Luftfahrt GmbH und die Leisure Cargo GmbH.

Verhandlungen unter anderem mit dem Konkurrenten Lufthansa Börsen-Chart zeigen über einen Verkauf von Betriebsteilen liefen bereits, erklärte Air Berlin. Die Fluggesellschaft will sich in Eigenverwaltung, also ohne einen Insolvenzverwalter sanieren. Lufthansa bestätigte, dass sich die Fluglinie mit Air Berlin bereits in Verhandlungen über den Erwerb von Teilen des Unternehmens befinde und sich damit auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal biete.

Aktie vom Handel ausgesetzt, Konkurrent Lufthansa legt deutlich zu

Die Aktie des Konkurrenten Lufthansa Börsen-Chart zeigen legte mehr als 2 Prozent zu. Die Air-Berlin-Aktie wurde vom Handel ausgesetzt.

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, die Nachricht sei "für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Air Berlin, die seit Bestehen der Airline eine hervorragende Arbeit leisten, ein Schock". Etihad lasse Air Berlin "fallen wie eine heiße Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben", kritisierte VC. "Hier zeigen die Investoren vom Golf ihr wahres Gesicht."

Lufthansa will Teile von Air Berlin übernehmen

Die Gewerkschaften hoffen nach der Pleite von Air Berlin auf den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Der Luftverkehr in Deutschland wachse. "Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, diese deutschen Arbeitsplätze zu erhalten", gab sich VC-Präsident Ilja Schulz zuversichtlich. Skeptischer äußerte sich Verdi-Bundesvorstand Christine Behle: "Wir haben große Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten." Anfang des Jahres zählte Air Berlin rund 8600 Mitarbeiter.

Die Fluggesellschaft verhandelt unter anderem mit dem Konkurrenten Lufthansa über einen Verkauf von Betriebsteilen. Damit böte sich auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal, erklärte die Lufthansa. Der Flugbetrieb der Air-Berlin-Maschinen wird zunächst mit Hilfe eines Überbrückungskredits der Bundesregierung aufrecht erhalten.

mg/rtr/dpa-afx

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung