Freitag, 24. November 2017

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Tausenden droht Jobverlust, doch Chef-Gehalt ist geschützt Kritik an Millionengarantie für Chef von Air Berlin

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann

Mit dem Versprechen eines garantierten Millionengehalts lockte Air Berlin Ex-Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann auf den Chefsessel. Angesichts der Insolvenz der Airline greifen Politiker die Zusage nun an. Denn eine Transfergesellschaft für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter ist keineswegs sicher.

Tausenden Air-Berlin-Mitarbeitern droht der Verlust ihres Jobs, seit die Berliner Airline in die Insolvenz gerutscht ist. Empört reagieren Politikern wie die Belegschaft daher darauf, dass die Fluggesellschaft dem Firmenchef Thomas Winkelmann durch eine besondere Vertragsklausel ein millionenhohes Gehalt garantiert hat - geschützt offenbar auch vor dem Zugriff von Gläubigern.

"Es hat mit sozialer Marktwirtschaft rein gar nichts zu tun, wenn für Spitzenmanager im Insolvenzfall Riesengehälter abgesichert werden und Beschäftigte und Steuerzahler dafür auch noch die Zeche zahlen müssen", sagte der SPD-Bundesvize Ralf Stegner dem "Handelsblatt". Er bezeichnete die Zahlungen als Auswüchse, die "konsequent unterbunden" werden müssten.

Auch von Unionsseite kam heftige Kritik: "Die Gehaltgarantie muss vor Beendigung des Insolvenzverfahrens einer Prüfung unterzogen werden, da sie offensichtlich für den Fall der Insolvenz getroffen wurde", sagte der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, der Zeitung. Gegebenenfalls müssten durch den Gesetzgeber Rückforderungsrechte im Falle einer Insolvenz verschärft werden.

Brisanz durch Diskussion um Transfergesellschaft

Das abgesicherte Gehalt Winkelmanns gewinnt gerade jetzt an Brisanz, da über eine Beteiligung der Bundesländer Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern am Aufbau einer Transfergesellschaft für Beschäftigte der insolventen Airline beraten wird.

Air Berlin soll sich offen dafür zeigen, sich bei einer solchen Lösung trotz Insolvenz finanziell zu beteiligen. Doch ohne die Landesbeteiligung wäre die Gesellschaft nicht möglich, die nicht übernommenen Air-Berlin-Mitarbeitern helfen könnte. Großteils müsste die Bundesagentur für Arbeit sie finanzieren.

Auch die Lufthansa, Käufer von 81 der 134 Air-Berlin-Maschinen, und weitere mögliche Erwerber sollten sich an einer Transfergesellschaft beteiligen, fordert die Gewerkschaft Verdi. "Es geht vor allem darum, Zeit zu gewinnen, um die ehemaligen Beschäftigten der Airline an andere Arbeitgeber zu vermitteln", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. "Jobbörsen, wie sie bereits stattfinden, sind auch hilfreich, lösen aber alleine das Problem nicht."

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