Dienstag, 12. Dezember 2017

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Insolvenzgeld-Zuschuss für Pleiteflieger Air Berlin Gehälter für Piloten und Manager werden vom Steuerzahler aufgestockt - auf bis zu 10.000 Euro pro Monat

Pleiteflieger Air Berlin: Die Piloten und Manager erhalten trotz Insolvenz weiterhin ihre Spitzengehälter. Der Zuschuss aus dem staatlichen Rettungskredit macht es möglich

Piloten und Manager der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin erhalten laut einem "Spiegel"-Bericht einen Zuschlag zum Insolvenzgeld, der in Einzelfällen mehrere tausend Euro pro Monat beträgt. Das sei üblich, erklärte der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte Frank Kebekus gegenüber dem Magazin. So solle verhindert werden, dass diese Mitarbeiter zu Wettbewerbern abwandern. Es handle sich um einen "siebenstelligen Betrag".

Die Beschäftigten von Air Berlin bekommen seit Beginn des Insolvenzverfahrens Mitte August drei Monate lang Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. Dieses ist laut "Spiegel" auf 6350 Euro brutto pro Monat gedeckelt - daher habe der Gläubigerausschuss auf seiner ersten Sitzung am 23. August beschlossen, den Betrag für die Piloten bis zu ihrem regulären Gehalt aufzustocken.

Hohe Zuschüsse werden aus staatlichem Rettungskredit bezahlt

In Einzelfällen könne dieses Gehalt über 10.000 Euro pro Monat ausmachen. Auch das Management bekomme das reguläre Gehalt weiter.

Der "Spiegel" zitierte aus dem Umfeld des Gläubigerausschusses, pro Monat würden so rund zehn Millionen Euro fällig. Dies gehe zu Lasten der Masse und des von der Bundesregierung gewährten Rettungskredits in Höhe von 150 Millionen Euro. Eine Gehaltsaufstockung für Besserverdiener sei demnach in einem Insolvenzfall keineswegs selbstverständlich.

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Piloten kassieren ab - und melden sich massenhaft krank

Die deutlich schlechter bezahlten Mitarbeiter bei der Abfertigung und der Technik von Air Berlin haben geringere Chancen auf eine Übernahme durch Interessenten wie Lufthansa oder Easyjet. Trotzdem verhielten sie sich vergangene Woche erstaunlich ruhig, als sich rund 200 Flugzeugführer überraschend krankmeldeten und so die Verkaufsbemühungen der Air-Berlin-Führung gefährdeten.

la/dpa

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