Freitag, 15. Dezember 2017

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Aufsichtsrat für Verkauf an Lufthansa oder Easyjet "Gute Jobchance für 80 Prozent der Air-Berlin-Beschäftigten"

Die Lufthansa dürfte trotz ihrer marktbeherrschenden Position in Deutschland die größten und lukrativsten Teile der Air-Berlin-Flotte zugesprochen bekommen, heißt es

Die insolvente Fluglinie Air Berlin bleibt im Verkaufsprozess bei der in der vorigen Woche eingeschlagenen Linie. Der Aufsichtsrat des Unternehmens stimmte dem Plan zu, für den Verkauf des Fluggeschäfts mit der Lufthansa und dem Billigflieger Easyjet weiter zu verhandeln, wie Air Berlin am Montag mitteilte.

Die Verhandlungen sollen bis 12. Oktober dauern. Dabei sollen auch Teilverkäufe möglich sein. Damit stellte sich der Aufsichtsrat hinter die Entscheidung der vorläufigen Gläubigerausschüsse vom Donnerstag. Für die weiteren Teilbereiche wie die Air Berlin Technik sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden.

Air Berlin sieht im laufenden Verkaufsprozess gute Jobperspektiven für 80 Prozent der Beschäftigten. "Es wird uns nicht möglich sein, alle Arbeitsplätze zu erhalten", räumte Sachwalter Lucas Flöther am Montag ein. Mehrere tausend Beschäftigte könnten jedoch bei der Lufthansa unterkommen. Mit dem deutschen Marktführer laufen Verhandlungen über Teile der Air Berlin sowie ihre Töchter Luftverkehrsgesellschaft Walter und Niki. Zudem wolle der Billigflieger Easyjet einen Teil der Flotte übernehmen, was weitere Arbeitsplatz-Perspektiven bringe.

"Wir sind noch nicht am Ziel unserer Verhandlungen", sagte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus. "Ein stabiler Flugbetrieb in den kommenden Tagen und Wochen ist Grundvoraussetzung für den Erfolg." Das Unternehmen verhandelt bis 12. Oktober über einen Verkauf, die Zustimmung der EU-Kommission erhofft sich Flöther bis Jahresende.

Hoffnung für Großteil der 8600 Beschäftigten

Air Berlin hatte Ende März 8600 Mitarbeiter, darunter auch Teilzeitkräfte. In Vollzeitstellen gerechnet ergibt sich nach Unternehmensangaben vom Montag die Zahl 6500.

Seit Tagen kursieren Gerüchte, die Lufthansa werde beim Rennen um die insolvente Air Berlin für sich die größten und attraktivsten Stücke ergattern. Die Börse nimmt die voraussichtliche Entscheidung bereits vorweg, treibt die Aktien der Lufthansa am Montag mit weiteren Kursgewinnen an.

In der Vergangenheit hatten sich bereits mehrere Regierungsmitglieder und der Bürgermeister von Berlin für die Lufthansa ausgesprochen. Am Montag gab es einen weiteren Hinweis dafür, dass die Lufthansa bevorzugt behandelt werden könnte, um einen "nationalen Champion" auf dem hart umkämpften Luftfahrtmarkt zu schmieden, wie es einzelne Politiker fordern.

Lufthansa bietet mindestens 200 Millionen Euro

So wird der British-Airways-Mutterkonzern IAG wird nach eigener Einschätzung im Buhlen um Teile der insolventen Fluggesellschaft gegenüber der Lufthansa den Kürzeren ziehen. IAG-Chef Willie Walsh sagte auf einer Branchenkonferenz am Montag in Barcelona. "Wir haben ein bindendes Angebot für Teile von Air Berlin eingereicht, aber ich glaube, es ist keine Überraschung, dass die Lufthansa es bekommen wird", sagte Walsh. Der Bieterprozess sei darauf ausgelegt gewesen, es dem deutschen Branchenprimus leicht zu machen, monierte er.

Zum Verkauf von Air Berlin beschlossen die Gläubiger vergangene Woche, vorerst ausschließlich mit der Lufthansa und auch mit dem britischen Billigflieger Easyjet zu verhandeln. Der Dax-Konzern hatte für bis zu 78 der insgesamt 144 Flugzeuge von Air Berlin ein Gebot abgegeben. Es soll sich auf mindestens 200 Millionen Euro belaufen. Für die 17 Langstreckenflugzeuge von Air Berlin gab es unterdessen bisher keine Gebote.

Für die Käufer ist Air Berlin nur interessant, solange der Flugbetrieb weitergeht. Sollten die Maschinen am Boden bleiben ("Grounding"), gingen die lukrativen Start- und Landerechte verloren.

Die Lufthansa Börsen-Chart zeigen selbst rechnet trotz ihrer marktbeherrschenden Stellung damit, dass sie mit ihrem Angebot zum Zuge kommen wird, wie Vorstandschef Carsten Spohr erklärte. Einschließlich aller Umsteigflüge habe die Lufthansa-Gruppe in Deutschland bereits einen Marktanteil von 34 Prozent.

Die Detail-Verhandlungen sollen noch bis zum 12. Oktober dauern. Wie die "Rheinische Post" berichtete, müsse unter anderem noch ein Streit zwischen Lufthansa und Easyjet um besonders begehrte Flugrechte in Düsseldorf beigelegt werden.

Auch die Beschäftigten erwarten Antworten auf drängende Fragen: Wollen die Bieter nur die Flugzeuge samt Start- und Landerechten, oder auch die Besatzungen? Die Gewerkschaften dringen darauf, dass die neuen Eigentümer auch die Beschäftigten übernehmen. Laut "Bild" und "B.Z." sind am Montag in Berlin und am Dienstag in Düsseldorf Betriebsversammlungen geplant.

rei mit dpa-afx

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