Sonntag, 17. Dezember 2017

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Entscheidung wohl gefallen Lufthansa soll Filetstücke von Air Berlin bekommen

"Abgekartetes Spiel": Wettbewerber im Bieterverfahren um Air Berlin kritisieren das Verfahren scharf, sie sehen die Lufthansa trotz ihrer in Deutschland marktbeherrschenden Stellung klar bevorzugt

Die Zerschlagung von Air Berlin rückt näher. Die Lufthansa soll - wie politisch gewünscht - nicht nur den größten Anteil, sondern auch die Filetstücke der insolventen Fluglinie bekommen, berichten Insider. Wettbewerber kritisieren das Verfahren scharf.

Knapp 40 Jahre nach ihrer Gründung steht die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin vor der Zerschlagung. Den Löwenanteil soll die Lufthansa übernehmen. "Die Lufthansa bekommt den größten Teil", sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter der Nachrichtenagentur Reuters. Darin enthalten sei auch die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki, die als wertvollstes Asset bei Air Berlin gilt. Der einstige Niki-Gründer, Luftfahrtunternehmer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda, hatte allerdings auch Ansprüche auf Niki angemeldet.

Weitere Teile gingen an den britischen Billigflieger EasyJet und eventuell an die Thomas Cook-Tochter Condor. Darauf habe sich der Gläubigerausschuss verständigt, bestätigten zwei weitere Insider.

Die Verhandlungen gingen allerdings noch bis zum 12. Oktober weiter. Deshalb werde es am Montag anders als geplant noch keine abschließende Entscheidung im Air-Berlin-Aufsichtsrat über die Käufer geben. Da auch der Aufsichtsrat von Air Berlin dem Deal zustimmen müsse, werde das Gremium am Montag darüber beraten. "Anschließend soll der Stand des Bieterverfahrens der Öffentlichkeit vorgestellt werden."

Air Berlin selbst teilte am späten Donnerstagabend mit, dass mit Blick auf Veräußerung der Lufttransport-Bereiche bis zum 12. Oktober "mit einem ausgewählten Bieterkreis" weiterverhandelt werden solle. Zu dem Bieterkreis zählten die Lufthansa und EasyJet. Auch Teilveräußerungen sollten in Betracht gezogen werden. Hinsichtlich der sonstigen Teilbereiche der Air Berlin-Gruppe würden die Verkaufsverhandlungen mit weiteren Bietern fortgesetzt.

Die Lufthansa äußerte sich zu den aktuellen Informationen nicht. Sprecher von Condor und dem ebenfalls bietenden Logistikunternehmen Zeitfracht erklärten, über die Beschlüsse keine Kenntnis zu haben.

Die Lufthansa rechnet sich allerdings trotz ihres dominierenden Marktanteils in Deutschland gute Chancen für eine Übernahme von bis zu 78 der insgesamt 144 Air-Berlin-Flugzeuge aus. "Viel mehr werden wir kartellrechtlich gar nicht machen können", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Einschließlich aller Umsteigflüge habe die Lufthansa-Gruppe in Deutschland einen Marktanteil von 34 Prozent. Dieser Wert werde auch für die Kartellbehörden entscheidend sein. "Deshalb sind wir optimistisch, dass das, was wir uns vorstellen, genehmigungsfähig ist", zeigte sich Spohr am Mittwoch überzeugt.

Bieterverfahren für Techniksparte soll verlängert werden

Das Bieterverfahren für die Technik-Sparte mit ihren rund 850 Beschäftigten soll indes verlängert werden, wie Air Berlin mitteilte. Denn die Interessenten müssten zunächst Klarheit über die Entwicklungen der gesamten Airline haben, um dann ein "passgenaues Angebot abgeben zu können". Die Bieter für das Technik-Geschäft müssen ihre Angebote bis zum 6. Oktober vorlegen.

Air Berlin hat rund 8000 Mitarbeiter und ist seit Mitte August pleite, weil der Großaktionär Etihad den Geldhahn zugedreht hat. Derzeit kann die Airline nur dank eines staatlichen Kredits über 150 Millionen Euro weiterfliegen. Womöglich müssen die künftigen Eigner weiteres Geld zuschießen, bevor die EU ihre kartellrechtliche Prüfung abschließt und grünes Licht für den Deal gibt.

Politisch heikel - "abgekartetes Spiel "

Der Verkauf von Air Berlin gilt als politisch heikel - nicht zuletzt wegen der staatlichen Beihilfe. Bevor überhaupt irgendwelche Angebote auf dem Tisch lagen, hatte sich Regierungsmitglieder wie Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sehr früh dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa große Teile von Air Berlin übernimmt. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hatte sich für den deutschen Branchenprimus starkgemacht und eine Übernahme durch den irischen Rivalen Ryanair abgelehnt.

Dessen Chef Michael O'Leary kritisierte das Bieterverfahren als "abgekartetes Spiel" zugunsten der Lufthansa und verzichtete auf ein Angebot.

"Hier werden mit Steuermitteln Arbeitsplätze vernichtet"

Interesse an Teilen von Air Berlin hatten Insidern zufolge auch die British-Airways-Muttergesellschaft IAG sowie das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht. Auch der Gründer und Namensgeber der Air-Berlin-Tochter Niki - der frühere Rennfahrer Niki Lauda - der Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der Ex-Energiemanager Utz Claassen und der chinesische Regionalflughafenbetreiber Link Global Logistics hoben den Finger.

Eine Sprecherin von Wöhrl sagte nun in einer ersten Reaktion, dem 69-Jährigen fehlten die Worte. "Für ihn ist es nicht nachvollziehbar, dass mit Steuermitteln Arbeitsplätze vernichtet und ein Monopol geschaffen werden."

Insgesamt hat die zweitgrößte deutsche Airline mehr als 8000 Beschäftigte. Der Betriebsrat von Air Berlin befürchtet, dass die rund 2800 Mitarbeiter außerhalb des Flugbetriebs in Verwaltung und Technik keine Aussichten auf eine Übernahme haben. Das Land Berlin strickt gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit an einer Transfergesellschaft, wie die "Berliner Morgenpost" berichtet.

rei mit Reuters

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