Montag, 11. Dezember 2017

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Gläubiger beraten Air-Berlin-Verkauf Luftfahrt-Unternehmer Lauda greift Lufthansa an

Luftfahrtunternehmer Niki Lauda

Noch heben die Flieger der insolventen Air Berlin ab. Doch drohen trotz Staatshilfe jetzt Flugausfälle. Das wollen die Gläubiger verhindern und den möglichen Verkauf zumindest von Teilen Air Berlins an die Lufthansa beschleunigen. Prominente Luftfahrt-Unternehmer wie Niki Lauda kritisieren genau diese Bevorzugung. Sie greifen die Lufthansa und die Politik scharf an.

Prominente Luftfahrt-Unternehmer haben die Bevorzugung der Lufthansa bei den Verhandlungen über die Zukunft der insolventen Air Berlin scharf kritisiert. Niki Lauda, Gründer der Air-Berlin-Tochter Niki, sagte im Interview mit dem "Handelsblatt" (kostenpflichtig):

"Die Lufthansa macht genau das, was sie immer geplant hatte: die Air Berlin zu ihrem Vorteil zu zerstückeln . Die Lufthansa hat dabei die Politik ins Boot geholt, um den Wettbewerb zu reduzieren." Ein deutscher Champion werde aber "nicht gebraucht, wenn er den Wettbewerb einschränkt", fügte der Motorsport-Manager und Inhaber des österreichischen Flugzeugdienstleisters Lauda Motion hinzu. Lauda besitzt keine Anteile mehr an der Fluggesellschaft Niki.

Auch der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl erneuerte seine Kritik: Thomas Winkelmann, der ehemalige Lufthansa-Manager und jetzige Air Berlin-Chef, "vertritt offensichtlich nach wie vor die Interessen seines früheren Arbeitgebers", sagte er der Zeitung. Wöhrl, dem früher die Fluggesellschaften Deutsche BA und LTU gehörten, hat selbst Interesse am Kauf von Air Berlin angemeldet. Winkelmann hatte die Offerte als PR-Gag abgekanzelt.

Müssen erste Maschinen am Boden bleiben?

Auch wenn die prominenten Unternehmer keinen Einfluss auf die Entscheidungen bei Air Berlin haben, könnten ihre Aussagen gleichwohl die Debatte um staatliche Eingriffe zugunsten der Lufthansa Börsen-Chart zeigen erneut anheizen und auch für Diskussion im Gläubigerausschuss sorgen. Dieser tagt am heutigen Mittwoch zum ersten Mal und will nun möglichst schnell eine Entscheidung über einen Verkauf und/oder die Aufspaltung der Air Berlin herbeiführen.

Das wiederum überrascht nicht. Denn bei der insolventen Fluggesellschaft könnten trotz des Brückenkredits der Bundesregierung bald die ersten Flüge ausfallen. Es gebe die Gefahr, dass Air Berlin Teile ihres Flugbetriebs schon bald nicht mehr aufrechthalten könne, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Insider. Der umstrittene Brückenkredit des Staates über 150 Millionen Euro soll eigentlich den Flugbetrieb für drei Monate sichern.

Auf dieses Geld habe Air Berlin zwar Zugriff, habe aber keinen Zugang auf Umsätze aus Vorausbuchungen für künftige Flüge. "Diese landen auf einem neutralen Konto, um sicherzustellen, dass Kunden ihr Geld zurückbekommen, falls Flüge gestrichen werden", heißt es in dem Bericht.

Diese Regelung scheint die Geldknappheit des Unternehmens zu verschärfen, obwohl es im Augenblick einen Großteil der Löhne nicht mehr bezahlen und auch die Schulden nicht mehr bedienen muss. Doch der Flugbetrieb kostet trotzdem viel Geld - zumal viele Lieferanten und Flughäfen angesichts der Insolvenz von Air Berlin jetzt Vorkasse verlangen.

Gläubiger beraten erstmals - Aufspaltung wahrscheinlich

Die drohenden Flugausfälle verschärfen das Tempo bei den Verhandlungen über die Aufteilung der Fluglinie - dieses ist ohnehin sehr hoch. Am heutigen Mittwoch also eine Woche nach dem Insolvenzantrag beraten erstmals die Gläubiger über den Verkauf der Fluggesellschaft.

Nach SZ-Informationen soll dabei bereits die Aufspaltung beschlossen werden. Es liefen Verhandlungen über eine Absichtserklärung zum Verkauf der österreichischen Tochtergesellschaft Niki an Lufthansa . Eine Zustimmung des Ausschusses gelte als wahrscheinlich. Air Berlin hatte am Freitag mit der Lufthansa konkrete Gespräche über die Übernahme von Teilen des Fluggesellschaft aufgenommen.

Als weitere Interessenten gelten Easyjet und die Thomas-Cook-Tochter Condor. Die deutsche Fluglinie Tuifly des weltgrößten Reisekonzerns Tui ist zudem an einer Lösung für die Flugzeuge und Besatzungen interessiert, die sie seit Jahren an Air Berlin und inzwischen an deren Tochter Niki verleast hat.

rei mit Nachrichtenagenturen

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