Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Nach Air-Berlin-Übernahme "Lufthansa wird auf Monopolgewinne nicht verzichten"

Schließt steigende Ticketpreise nach der Air-Berlin-Übernahme explizit nicht aus: Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist am Ziel. Die Airline übernimmt Air Berlin fast ganz und kommt damit auf 98 Marktanteil bei Inlandsflügen, rechnen Analysten vor. Spohr schließt steigende Ticketpreise in Zukunft nicht aus. Der Konzern werde auf Monopolgewinne nicht verzichten, pflichten Kartellrechtsexperten bei. Spohr sieht weiteren Konsolidierungsbedarf der Branche - und streckt schon die Hand nach der Alitalia aus.

Mit Unterstützung der Bundesregierung, namentlich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und anderen Spitzenpolitikern, hat die Lufthansa den überragenden Teil der Maschinen der insolventen Air Berlin übernommen. Damit zementiert die Lufthansa ihre dominante Position auf dem Inlandsmarkt.

Analysten der Bank of America Merrill Lynch rechnen vor, dass der Lufthansa-Konzern einschließlich Air Berlin und seiner Billig-Tochter Eurowings auf Inlandsstrecken nun einen Marktanteil von 98 Prozent habe. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, rechnet mit Auflagen der Kartellbehörden, wie er der "Rhein-Neckar-Zeitung" sagte.

Mit Blick auf den internationalen Markt sieht Lufthansa-Chef Carsten Spohr weiteren Konsolidierungsbedarf. Im Interview mit dem "Handelsblatt" (kostenpflichtig) sagte Spohr, die Lufthansa-Gruppe gehöre zwar zu den weltweit größten Playern der Branche. Dennoch habe sie lediglich 3 Prozent Anteil am Weltmarkt. Das gebe es in keiner anderen Branche.

Dabei ist sehr wahrscheinlich, dass die Lufthansa in dem Konsolidierungsprozess selbst eine gewichtige Rolle übernimmt. So ließ ein Konzernsprecher am Donnerstagnachmittag durchblicken, dass die Kranich-Airline in Kürze ein Gebot abgeben wird für Teile der unter Sonderverwaltung stehenden italienischen Alitalia.

"Für mich ist entscheidend, dass wir auch in Europa weltweit bedeutende Airlines haben. Es gibt jeweils drei starke Anbieter in China, den USA und vom Persischen Golf. Wir brauchen auch drei starke Europäer", hatte Spohr in dem Interview zuvor erklärt.

Hat Lufthansa Wettbewerber Easyjet in Düsseldorf ausgebootet?

Nachdem Air Berlin angekündigt hat, den Flugbetrieb Ende Oktober endgültig einzustellen, fordert der Lufthansa-Chef nun auch mehr Mitsprache am Flughafen Düsseldorf. "Tatsache ist, dass wir den halben Flughafen künftig für uns nutzen - also möchten wir auch mitgestalten", sagte Spohr der "Rheinischen Post". Air Berlin war dem Bericht zufolge bisher die größte Airline am Flughafen Düsseldorf.

Ob Easyjet in Düsseldorf noch zum Zuge kommt, ist unklar. Die Briten möchten dort und in Berlin bis zu 30 Flugzeuge stationieren, heißt es. In der Stadt am Rhein liegt die britische Airline nach früheren Berichten mit der Lufthansa aber wegen möglicher Start- und Landerechte im Clinch. Ob daher der Deal mit Air Berlin noch klappt, war am Donnerstag unklar. Die Verkaufsverhandlungen über mindestens zwei Dutzend Maschinen Briten gingen weiter, erklärte ein Sprecher.

Wettbewerber der Lufthansa, wie Ryanair-Chef Michael O'Leary , hatten das Bieterverfahren um die Maschinen von Air Berlin wiederholt als "abgekartetes Spiel" bezeichnet. Auch der mitbietende Flugunternehmer Hans Rudolf Wöhrl hatte die politische Unterstützung für die Lufthansa in diesem Verfahren scharf kritisert: "Für mich ist nicht nachvollziehbar, dass mit Steuermitteln Arbeitsplätze vernichtet und ein Monopol geschaffen werden."

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