Freitag, 24. November 2017

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Air-Berlin-Bevollmächtigter verteidigt Winkelmann-Gehalt "Diese Diskussion ist an Heuchelei nicht zu überbieten"

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann

Der Air-Berlin-Bevollmächtigte Frank Kebekus hat die scharfe Kritik an der Millionen-Absicherung für Unternehmenschef Chef Thomas Winkelmann deutlich zurückgewiesen. "Diese Diskussion ist an Heuchelei nicht zu überbieten und in höchstem Maße unseriös", sagte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus der "Rheinischen Post". Die 4,5 Millionen Euro würden die Insolvenzmasse nicht belasten und weder Kunden noch Mitarbeitern entgehen, weil sie "alleine vom früheren Hauptgesellschafter Etihad über eine Bankbürgschaft finanziert" wurden.

Winkelmann war im Februar vom Lufthansa-Konzern Börsen-Chart zeigen nach Berlin gekommen. Für ihn wurde laut Geschäftsbericht von Air Berlin Börsen-Chart zeigen vereinbart, dass er auch im Falle einer ordentlichen Kündigung sein Grundgehalt von 950.000 Euro im Jahr bis Anfang 2021 bekommt. Für das erste Jahr wurde zudem ein Mindestbonus von 400.000 Euro festgesetzt. Die Zahlungsverpflichtungen wurden durch eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro abgesichert.

Derweil forderte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, Winkelmann solle teilweise auf sein bis 2021 garantiertes Millionengehalt verzichten. Arbeitnehmer, die durch eine Unternehmenspleite ihren Job verlieren, seien verständlicherweise empört, "wenn sie hören, dass Manager vertraglich so abgesichert sind, dass sie Millionen erhalten", sagte Fuest dem "Handelsblatt".

"Millionen zu kassieren während die eigenen Mitarbeiter arbeitslos werden, ist sicherlich kein vorbildhaftes Verhalten", fügte Fuest hinzu. Er wäre "anständig, dass Manager in diesen Fällen freiwillig zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten".

Politiker von Union, SPD und Grünen warfen Winkelmann bereits unethisches Verhalten vor. Der neue SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sprach von einer "erschreckenden Raffke-Mentalität".

Derweil mahnt Air Berlin vor Verhandlungen mehrerer Bundesländer über eine Auffanggesellschaft für Tausende Mitarbeiter zur Eile. "Wir brauchen Anfang nächster Woche eine Entscheidung", sagte Kebekus. Seinen Schätzungen zufolge könnten in der Transfergesellschaft bis zu 4000 Mitarbeiter Platz finden. Kebekus forderte Unterstützung von der Politik.

Für diesen Montag ist ein Treffen von Vertretern des Bundes sowie der Air-Berlin-Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern in der Hauptstadt geplant.

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