Montag, 23. Juli 2018

Insolvenz von Air Berlin Wüstensandharte Landung

Es war einmal.

Die Insolvenz von Air Berlin zeigt vor allem eins: Auch reiche Golfstaaten haben kein Geld mehr für Luftnummern.

So viel zum Thema ewige Treue. Noch vor wenigen Monaten schwor die Führungsspitze von Etihad Airways - dem arabischen Ankeraktionär von Air Berlin - sie werde ihren deutschen Ableger weiter päppeln. Das klang einigermaßen glaubwürdig, denn etwas Besseres ist der Airline aus Abu Dhabi in den vergangenen Jahren mit ihrer verlustreichen Beteiligung auch nicht eingefallen. Nun ist trotzdem Schluss. Etihad kappt den Infusionsschlauch - aus reinem Selbsterhaltstrieb.

Vorbei die Zeiten, als die sogenannten Golf-Carrier der Schrecken der etablierten europäischen Fluglinien wie Lufthansa oder British Airways waren; als Geld bei ihnen keine Rolle zu spielen schien und das Wachstum grundsätzlich zweistellig sein musste. Denn trotz aller Kraftmeierei ist nur eine der drei Linien - Emirates - zu einer wirtschaftlich nachvollziehbaren Veranstaltung geworden. Die beiden anderen - Qatar und Etihad - haben nüchtern gerechnet wohl Milliarden durchgebracht. Die sie sich jetzt, auch angesichts politischer Kraftproben - Stichwort: Boykott gegen Katar - nicht mehr leisten können. (Lesen Sie dazu auch die große mm-Analyse "Fata Morgana")

Im Fall Air Berlin ist es für Etihad eine besonders harte Landung. Denn die Insolvenz bedeutet nun, dass Abu Dhabi gar nichts mehr von den jahrelangen Bemühungen um den deutschen Partner hat. In den letzten Monaten hatte es noch den Anschein, als könnten die Araber einen Deal mit der Lufthansa einfädeln und im Tausch gegen Air Berlin ein Teilhaber der Lufthansa werden. Doch dies hätte wohl noch manche Überweisung mehr bedeutet, und dazu sind die Etihad-Eigner nicht mehr bereit.

Zudem schwand zuletzt die Neigung von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, sich auf solche Modelle einzulassen. Die Lufthansa hat auch so viele ihrer hartnäckigen Probleme in den Griff bekommen, etwa die obstinaten Piloten. Und ein Passagierrekord nach dem anderen füllt die Kasse. Der Bedarf an Abenteuern ist bei der Lufthansa Börsen-Chart zeigen also derzeit gering.

Die Golfcarrier werden jetzt nicht untergehen. Doch sie rutschen - was vor allem Etihad und Qatar Airways betrifft - in eine Rolle zurück, die immer schon logischer schien: Motoren und Botschafter ihres Landes, nicht aber Haus- und Hofcarrier der ganzen Welt.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH