Mittwoch, 25. Mai 2016

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Bilanz verschoben Air Berlin erwägt Neustart jenseits der Börse

Stewardessen von Air Berlin (r.) und Etihad: Der Großaktionär aus Abu Dhabi ist offenbar unzufrieden mit den Sanierungsfortschritten der angeschlagenen Fluglinie

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft steht vor einer Zäsur. Offenbar will Air Berlin die Börse verlassen und erwägt einen Neustart mit frischem Kapital und einer neuen Gesellschafterstruktur. Treibende Kraft ist Großaktionär Etihad Airways, der sich so mehr Durchgriff verschaffen will.

Hamburg - Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft steht offenbar vor einer Zäsur. Heute verschob Air Berlin die eigentlich geplante Präsentation der Bilanz für 2013 wegen "wichtiger Verhandlungen" um eine Woche.

Die offizielle Erklärung dafür ist dürftig. Air Berlin befinde sich "in fortgeschrittenen Gesprächen über Handlungsoptionen, die im Fall ihrer Umsetzung einen wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft hätten", heißt es.

Insider berichten gegenüber manager magazin online, Air Berlin arbeite an einem Konzept, um die Börse zu verlassen und mit frischem Kapital sowie einer veränderten Gesellschafterkonstruktion neu zu starten. Treiber ist demnach der Großaktionär Etihad Airways aus Abu Dhabi, der knapp 30 Prozent der Aktien besitzt.

Etihad ist dem Vernehmen nach unzufrieden mit dem Sanierungsfortschritt der schwer angeschlagenen deutschen Nummer zwei. Trotz diverser Geldspritzen kommen die Berliner kaum voran. Auch 2013 dürfte bei ungeschönter Betrachtung ein hoher Verlust angefallen.

Air Berlin könnte in zwei Gesellschaften aufgespalten werden

Die neue Konstruktion zielt anscheinend darauf ab, Etihad mehr Durchgriff bei Air Berlin zu verschaffen, ohne den Anteil der Araber über die verkehrsrechtlich kritische Grenze von 30 Prozent zu erhöhen. Etihad könnte dann stärker eigene Vorstellungen durchsetzen, die aus Sicht der Airline mehr Erfolg versprechen. Zuletzt hatte es in Berlin wiederholt Widerstände gegen Reformvorhaben von Etihad gegeben, etwa bei der Einführung eines neuen Reservierungssystems.

Etihad verfügt in Europa bereits über eine Reihe von strategischen Partnern, etwa Air France KLM oder die irische Aer Lingus. Aufsehen erregte zuletzt die Beteiligung an der kleinen Schweizer Fluglinie Darwin Airline mit rund einem Drittel der Anteile, die in "Etihad Regional" umbenannt wurde.

Kenner vermuten, dass Air Berlin künftig in zwei Gesellschaften aufgeteilt werden könnte: eine für den Europaverkehr und das touristische Geschäft, sowie eine andere für die Zubringerdienste nach Abu Dhabi, dem Drehkreuz von Etihad Airways. Es läge dann nahe, die Europa- und Touristikgesellschaft mit den übrigen Beteiligungen zu verzahnen, womöglich unter dem Dach einer noch größeren Etihad Regional.

Air Berlin wollte sich nicht dazu äußern und verwies auf die Bilanzvorlage in einer Woche.

In jedem Fall scheint der arabische Ankeraktionär entschlossen, an seinen europäischen Investments festzuhalten. Er benötigt die Partner dringend, um Passagiere für das eigene Langstreckennetz zu gewinnen. Für dieses Ziel stehen offenbar weiterhin große finanzielle Mittel des Herrscherhauses von Abu Dhabi bereit.

Die Aktie von Air Berlin Börsen-Chart zeigen schwankte am Donnerstag stark. Nachdem sie zunächst mit einem deutlichen Kursplus gestartet war, rutschte das Papier am Donnerstag Nachmittag um mehr als 10 Prozent in die Verlustzone.

Lesen Sie im neuen manager magazin (siehe linke Spalte) das Porträt von Michael Machatschke zum Billigflieger Norwegian, der den europäischen Luftfahrtmarkt aufmischt.

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