Freitag, 16. November 2018

Wechsel an der Spitze der Krisen-Airline Wie die Lufthansa bei Air Berlin mitregiert

Abgang: Air-Berlin-Chef Stefan Pichler

Jähes Ende für Air-Berlin-Chef Stefan Pichler: Am Sonntag erklärte der Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten deutschen Fluglinie seinen Rücktritt zum 31. Januar 2017. Die Wahl seines Nachfolgers zeigt: Im Cockpit fliegt künftig die Lufthansa mit.

Hintergrund für den Abschied Pichlers ist die neue Aufstellung der Airline. Sie hat unlängst ihre touristische Flotte an ein Joint Venture von Etihad Airways und Tui abgegeben und 40 Flugzeuge langfristig an die Lufthansa-Gruppe vermietet. Auch bei den verbliebenen Langstrecken wird über eine Lösung mit dem deutschen Marktführer diskutiert.

Diese Konstellation verschaffte Lufthansa-Lenker Carsten Spohr (50) reichlich informellen Einfluss: Nach Informationen von manager-magazin.de drängte er bei den Verantwortlichen von Air Berlin darauf, dass künftig ein Mann seines Vertrauens Air Berlin führt. Dieser soll einen reibungslosen Ablauf des Mietgeschäfts sicherstellen und zugleich den verbliebenen Rest der alten Air Berlin Börsen-Chart zeigen an die Lufthansa Börsen-Chart zeigen heranführen.

Die Leitung von Air Berlin soll daher ab Februar Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann übernehmen. Der Flugkonzern bestätigte am Sonntagnachmittag die Informationen von manager-magazin.de per Pressemitteilung.

Winkelmann, der am 20. Dezember 57 Jahre alt wird, war langjähriger Chef des Lufthansa-Billigablegers Germanwings und verantwortet derzeit das Lufthansa-Drehkreuz München. Der Austausch Pichlers ist die zweite radikale Personalie Spohrs innerhalb weniger Wochen: Erst Anfang Dezember hatte er die Verpflichtung von Thorsten Dirks für die Spitze der Billigtochter Eurowings bekannt gegeben. Dirks führt bislang den Deutschlandableger des Telefonunternehmen Telefonica (O2).

Carsten Spohr hatte wiederholt angedeutet, dass er sich nicht nur für die jetzt gemieteten Flugzeuge interessiert, sondern auch für die Fernflotte und den innerdeutschen Dienst von Air Berlin. Damit könnte er die Vormachtstellung der Lufthansa in Deutschland trotz der Attacken von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet festigen. De facto würde Air Berlin sanft in der Lufthansa aufgehen.

Winkelmanns neuer Vertrag soll nach Informationen von manager-magazin.de eine Laufzeit von eineinhalb Jahren haben. Air Berlin äußerte sich dazu nicht. Offenbar soll er den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Fluglinien in diesem Zeitraum bewerkstelligen. Noch nicht entschieden ist allerdings, wer für die hohen Schulden von Air Berlin von rund 1 Milliarde Euro aufkommen soll.

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