Mittwoch, 23. August 2017

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Strukturreform ADAC beschließt Radikalumbau

ADAC-Hauptversammlung in München: Einstimmig für die Reform

Der ADAC will Glaubwürdigkeit zurückgewinnen: Auf der ersten außerordentlichen Hauptversammlung in der Geschichte des Automobilclubs haben die Delegierten für einen radikalen Umbau gestimmt. Verantworten soll ihn der neue Präsident.

München - Der krisengeschüttelte ADAC will sich mit einer umfassenden Strukturreform neu aufstellen und Vertrauen zurückgewinnen. Die Reform wurde bei der Hauptversammlung einstimmig angenommen.

Im Kern will Europas größter Autoklub mit knapp 19 Millionen Mitgliedern ein Verein bleiben und an der Pannenhilfe sowie anderen Serviceleistungen für Auto- und Motorradfahrer festhalten. Zugleich will der ADAC für transparente Strukturen seine wirtschaftlichen Aktivitäten in eine Aktiengesellschaft ausgliedern. Zuletzt hatte sich der Klub aus dem gemeinsamen Fernbusgeschäft mit der Deutschen Post Börsen-Chart zeigen zurückgezogen.

Mit 180 Ja-Stimmen, 28-Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen ist August Markl zum neuen Präsident des Vereins gewählt worden. Er hatte zunächst vorläufig übernommen, als Peter Meyer das Amt aufgab. Auf Bitten des Beirats macht er jetzt weiter. Es war die erste außerordentliche Hauptversammlung in der 111-jährigen ADAC-Geschichte.

Die Reform sieht ein Drei-Säulen-Modell vor. Es soll Interessenkonflikte ausräumen und zugleich sicherstellen, dass der Autoklub seinen steuersparenden Vereinsstatus behält. Dieser wird derzeit vom Münchner Amtsgericht geprüft. Zusätzlich soll eine Stiftung gegründet werden.

ADAC war nach Enthüllungen in schwere Vertrauenskrise gestürzt

Zur Sicherung seiner Wettbewerbsfähigkeit sei der ADAC auch künftig auf wirtschaftliche Aktivitäten angewiesen, betonte Präsident Markl auf der Versammlung. "Aber er muss sie stärker vom Verein und seinen Aktivitäten trennen." Die Dauer des Reformprozesses lasse sich nicht absehen, weil die Neugestaltung der rechtlichen Strukturen viel Zeit verlange.

Zu den Aufgaben der Stiftung gehörten die Förderung der Unfallverhütung sowie Themen wie Unfallhilfe und Rettung aus Lebensgefahr, aber auch die entsprechende Forschung dazu, sagte Kurt Heinen, ADAC-Vizepräsident für Tourismus. "ADAC e.V. und ADAC-Stiftung werden sich gegenseitig befruchten und antreiben", sagte Rupert Graf Strachwitz, Mitglied des Beirats, den der AutoKlub zur Krisenbewältigung ins Leben gerufen hatte.

Mit der Stiftung bekenne sich der ADAC zu seiner Sozialpflichtigkeit und werde einen beträchtlichen Teil der wirtschaftlichen Erträge über die Stiftung für gemeinnützige Zwecke aufwenden, sagte der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, der ebenfalls Mitglied des ADAC-Beirats ist.

Zum Jahresbeginn waren Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" bekannt geworden. In der Folge war es zu weiteren Enthüllungen gekommen, etwa über eine private Nutzung der Luftrettung. Der ADAC war darüber in eine tiefe Vertrauenskrise gestürzt. Der Präsident, der Geschäftsführer und der Kommunikationschef des ADAC hatten als Konsequenz aus der Skandalserie ihre Posten aufgeben müssen.

ts/anr/dpa/afp

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