Montag, 25. September 2017

Wachstum "nicht zufriedenstellend" Neuer Deutschlandchef krempelt Beratung A.T. Kearney um

A.T. Kearney Chef Martin Eisenhut: Neue Struktur, Kosten runter, Partner sollen gehen
Marina Rosa Weigl für manager magazin
A.T. Kearney Chef Martin Eisenhut: Neue Struktur, Kosten runter, Partner sollen gehen

Die Runde kam in winterlich-malerischer Umgebung zusammen. Mitte Januar trafen sich die 100 deutschen Partner und Principals (Juniorpartner) der Unternehmensberatung A.T. Kearney im Hotel Bachmair am Tegernsee, um Großes zu besprechen. Martin Eisenhut (53), seit Januar Chef für die so genannte DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz), präsentierte seine neue Strategie: Der Consultant, der mit rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz nur im nationalen Mittelfeld rangiert, wird vom Kopf auf die Füße gestellt. Die Firma bekommt eine neue Struktur, die Kosten müssen runter, Partner sollen gehen.

Beim Betrachten der hausinternen Wachstumszahlen gelangte der Oberfranke zu der Erkenntnis: "Wir machen etwas falsch." Während viele Konkurrenten zuletzt mit 20 Prozent und mehr zugelegt haben, konnte Kearney dem Umsatz nur mit einstelliger Rate steigern. Als "nicht zufriedenstellend" bewertet Eisenhut den Status quo: "Wir wollen mehr."

"Der Plan" heißt nun die neue Strategie - keine besonders innovative Wortschöpfung, aber eingängig. Rund zehn einzelne Initiativen sind dort bis 2018 aufgeführt.

Eisenhut ändert den kompletten Aufbau der Beratung. Künftig sortiert sich Kearney nach 11 Industriebranchen, um mehr Kundennähe zu schaffen. Nur das Kerngeschäft Operations, also die Verbesserung von Produktionsabläufen, sowie das Geschäftsfeld Digitales bleiben als übergeordnete Ressorts erhalten. Die Folge des Umbaus: Es gibt neue Führungspositionen, funktionale Leiter verlieren ihre Posten. Von vier bis fünf Partnern, heißt es intern, werde man sich trennen. Manche haben längst gekündigt. Prominentester Abgang: Götz Klink, Automotive-Leiter für Europa, verlässt die Firma und heuert zum 1. Mai bei den Beratern von Boston Consulting Group (BCG) an.

Einstieg ins Restrukturierungsbusiness

Weitere Neuerung: Kearney steigt in das Restrukturierungsbusiness ein. In einer eigenständigen Gesellschaft mit Namen "A. T. Kearney Restructuring Services GmbH" will der Consultant kränkelnden Unternehmen so genannte Chief Restructuring Officer vermitteln, die sich dort verantwortlich um die Sanierung kümmern und zum Beispiel Anwälte oder Berater (möglichst Kearney-Leute) beauftragen. Die neue Initiative startet in Deutschland, vom Stammsitz Düsseldorf aus, und soll, sofern sie sich bewährt, später auch in anderen Ländern Verbreitung finden. Eisenhut hofft, bei steigenden Zinsen, auf einträgliche Geschäfte mit dem Firmenleid.

7 bis 8 Prozent der Overhead-Kosten will er einsparen, "mit Augenmaß". Die persönliche Sekretärin fällt weg, es gibt fortan einen Assistentinnen-Pool; die Grafik wird zentralisiert. Mit Blick auf das Home-Office-Zeitalter findet Eisenhut: "Wir haben in nahezu allen Büros zu viel Fläche."

Die Niederlassung in Frankfurt wurde schon geschlossen, demnächst ist Stuttgart fällig. Die Standorte Berlin, Düsseldorf, München, Wien und Zürich sollen zu regionalen Hubs ausgebaut werden, die fallweise, je nach Auftrag, durch Projektbüros ergänzt werden; die können auch beim Kunden angesiedelt sein.

Über 100 Berater sollen in diesem Jahr eingestellt werden. Auf Partnerebene will sich Eisenhut zurückhalten und lieber gute Principals befördern. Zuletzt hatte Kearney gleich im Dutzend Personal von Berger, dem früheren Eisenhut-Arbeitgeber, geworben.

Der DACH-Anführer stimmt die neue Strategie eng mit Weltchef Johan Aurik und Europa-Leiter Luca Rossi ab. Eisenhut hatte Rossi auch an den Tegernsee eingeladen. Dort organisierte der Deutsche einen Biathlon-Staffelwettbewerb für seine Leute (mit Laser-Gewehren). Der Italiener Rossi lehnte dankend ab. Er sei doch eher an Fußball interessiert. Die Eisenhut-Truppe gewann - wer überholt schon den Chef in turbulenten Zeiten?

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