Freitag, 16. November 2018

Branche im Umbruch Brauerei-Giganten setzen Übernahmeschlacht in Gang

Wer schluckt wen? Weltmarktführer und Budweiser-Produzent Anheuser-Busch InBev bereitet offenbar ein Übernahmegangbot für die Nummer Zwei, SABMiller, vor. SABMiller wiederum will mit Heineken die Nummer Drei schlucken

In der von wenigen globalen Riesen beherrschten Brauerei-Branche schäumen Übernahmegerüchte auf. Am Morgen hatte Heineken als Nummer Drei den größeren Rivalen SABMiller abblitzen lassen. Nun will der Weltmarktführer AB InBev offenbar SAB schlucken.

London/Amsterdam - Unter den weltweit drei größten Brauereien entwickelt sich derzeit ein veritabler Übernahmekrimi mit dem Ziel der unangefochtenen Marktführerschaft in einem sich ohnehin konsolidierenden Markt.

So will der Brauerei-Riese Anheuser-Busch InBev (AB Inbev) den Rivalen SABMiller übernehmen. Wie das "Wall Street Journal" am Montag online unter Berufung auf einen Insider berichtet, berät sich der weltgrößte Brauer mit Banken, wie eine solche rund 75 Milliarden Pfund (94,3 Milliarden Euro) schwere Übernahme zu stemmen sei.

Es soll noch keine direkten Gespräche zwischen der Nummer eins und der Nummer zwei der Branche geben, schreibt die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Denn der Beck's-Brauer AB Inbev wolle vor einer offiziellen Offerte die mögliche Finanzierung unter Dach und Fach bringen.

Wenige Stunden zuvor hatte am Morgen mit Heineken der drittgrößte Bierbrauer ein Übernahmeangebot von SABMiller ausgeschlagen und auf seine Eigenständigkeit gepocht.

Analysten gehen davon aus, dass sich SABMiller mit dem Zukauf von Heineken ihrerseits gegen eine Übernahme durch AB Inbev wappnen wollte. Laut "Wall Street Journal" wolle sich der Konzern von dieser ersten Abfuhr auch nicht stoppen lassen und denkt über ein höheres Angebot an die Niederländer nach.

Heineken betonte, das Unternehmen habe das Miller-Angebot nach Rücksprache mit seinem größten Aktionär abgelehnt. Details nannte Heineken Börsen-Chart zeigen nicht. Doch dürfte es um einen Milliarden-Deal gegangen sein: Heineken als weltweitweit drittgrößter Bierbrauer ist an der Börse 34 Milliarden Euro wert, SABMiller knapp 70 Milliarden Euro. Weltmarktführer ist Anheuser-Busch Inbev Börsen-Chart zeigen.

Der Branchenprimus ABInbev ist für aggressive Zukäufe bekannt und an den Finanzmärkten gibt es seit Monaten Spekulationen, die Nummer Eins könne die Nummer Zwei, SAB, schlucken.

SAB mit Marken wie Pilsner Urquell und Radegast setzte im vergangenen Jahr mit rund 70.000 Mitarbeitern in 80 Ländern knapp 27 Milliarden Dollar um und erwirtschaftete einen Gewinn (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebita) von 6,45 Milliarden Dollar.

Heineken hat rund 81.000 Mitarbeiter in etwa 70 Ländern, der Umsatz im vergangenen Jahr betrug 19,2 Milliarden Euro (knapp 25 Milliarden Dollar). Der Gewinn (vor Zinsen und Steuern, Ebit) lag bei 2,7 Milliarden Euro. Zu den bekanntesten Marken gehören Heineken, Foster's und Sagres.

AB Inbev ("Beck's", "Budweiser", "Corona") hat 155.000 Beschäftigte und setzte 2013 rund 43,2 Milliarden Dollar um.

Aktien von Heineken auf Rekordhoch, SABMiller klettert um 6 Prozent

Die Hoffnung auf eine milliardenschwere Fusion hat Anleger am Montag in Kauflaune versetzt. Die Aktien von Heineken stiegen in Amsterdam um bis zu 4,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 61,98 Euro.

Rivale SABMiller legte in London sogar 6,2 Prozent zu und war mit 3617,5 Pence so teuer wie zuletzt im Mai 2013 - dies deutet darauf hin, dass einige Anleger auf ein Übernahmeangebot für SAB von AB Inbev spekulieren.

Der dänische Konzern Carlsberg verbuchte ein Kursplus von zeitweise 3,6 Prozent und der weltweite Branchenprimus Anheuser-Busch InBev notierte an der Brüsseler Börse 1,2 Prozent fester.

la/rei/rtr/dpa

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