Freitag, 16. November 2018

Privat-Universität Der Sturz des Sonnenkönigs

Ex-Präsident Stephan Jansen: Die Anschuldigungen gegen Jansen haben die Studentenschaft der privaten Zeppelin-Universität in Anhänger und Kritiker gespalten. Viele Fragen sich, wer den Übervater Jansen ersetzen könnte

Die private Zeppelin-Universität in Friedrichshafen wird von Skandalen erschüttert: Der zurückgetretene Gründungspräsident Stephan Jansen soll sich an Drittmitteln bereichert haben, nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Laut mm-Informationen war sein Führungsstil auch aus anderen Gründen fragwürdig.

Hamburg / Friedrichshafen - Lange galt Stephan Jansen als Lichtgestalt der deutschen Privatuniszene. Extrem ambitioniert, eloquent - der quirlige Professor für Betriebswirtschaft wurde öffentlich gern zum Genie erhoben. Nun ist der Gründungspräsident der privaten Zeppelin Universität (ZU) am Montag vorzeitig zurückgetreten. Der Druck wurde wohl zu groß, seit Donnerstag ermittelt die Staatsanwaltschaft Ravensburg.

Ein ZU-Insider hatte der Lokalpresse Dokumente und Informationen zugespielt, die nun nahezu täglich mit neuen Vorwürfen auf Jansen schießt. Am schwersten wiegt die Kritik an einem bislang geheimen, extrem großzügigen Provisionssystem der ZU, von dem vor allem der Präsident profitierte: Zusätzlich zu knapp 200.000 Euro Jahresgehalt und seinem Dienstwagen erhielt Jansen so bis zu zehn Prozent der Spenden und Drittmittel, die er einwarb, als Bonus. Außerdem ließ er sich sogar Vorträge an der eigenen Uni teils gesondert vergüten.

Allein im Jahr 2009 soll Jansen dank der Sonderregelungen laut Südkurier über 68.000 Euro zusätzlich eingestrichen haben. Geldgebern wie Airbus oder die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen, aus deren Fördermitteln die Boni finanziert wurden, war die selbstherrliche Praxis demnach nicht bekannt.

Die mangelnde Transparenz könnte Jansen nun zum Verhängnis werden: "Falls die Drittmittelgeber über die Verwendung ihrer Gelder getäuscht wurden, ist meiner Ansicht nach der Tatbestand des Betruges erfüllt", sagte der Anwalt und Experte für Hochschulrecht, Christian Birnbaum, dem manager magazin. Auch die von der ZU angesetzte externe Prüfung der Vorwürfe wird sich hauptsächlich mit der mutmaßlichen Täuschung der Geldgeber befassen, heißt es in Hochschulkreisen.

Besonders einträglicher Sonderweg der ZU

Anfang der Woche versuchte Jansen das Provisionssystem noch als "völlig normale Form der leistungsorientierten Zulage" zu rechtfertigen. Mittlerweile ist jedoch klar, dass die ZU hier ein für ihre Führung besonders einträglichen Sonderweg gegangen ist.

Die meisten Privatuniversitäten kennen keine Boni für Hochschulmitarbeiter, besonders nicht solche, die prozentual und unbegrenzt an die Höhe der eingeworbenen Mittel geknüpft sind. "Bei uns werden die Fördermittel Dritter nur zu den vereinbarten Förderzwecken verwendet. Provisionen oder Boni für eingeworbene Fördermittel gibt es keine", sagt etwa Hariolf Wenzler, Geschäftsführer der privaten Hamburger Bucerius Law School. "Ich kenne keine andere Privathochschule, an der das so gehandhabt wird", bestätigt auch Thomas Halder, Geschäftsführer des Verbandes der Privaten Hochschulen.

Für Jansen, dem einstigen Wunderkind vom Bodensee, könnte der Fall tiefer nicht sein. 2003, kurz nach der Gründung der Hochschule, ist der 43-Jährige mit dem eigenwilligen Brillengeschmack zu deren Präsidenten ernannt worden. Der damals jüngste Uni-Chef Deutschlands trieb sodann den Aufstieg der ZU zu einer der wenigen vorzeigbaren deutschen Privatuniversitäten mit mittlerweile 1300 Studenten voran.

Doch wie jede gute Heldengeschichte kommt auch die des Sonnenkönigs Jansen nicht ohne Hybris aus.

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