Mittwoch, 27. Juli 2016

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Roadshow im Waldorf Astoria Alibaba ärgert Analysten mit kaltem Truthahn

Alibaba-Gründer Jack Ma in New York: "Es war eine schwere Entscheidung - aber es war auch eine gute Entscheidung"

Alibaba verkauft mehr Waren als Amazon und Ebay zusammen. Daher hat es Firmengründer Jack Ma zu Beginn der Roadshow im Waldorf Astoria auch nicht nötig, Analysten auf gehobenem Niveau zu verköstigen - oder gar kritische Fragen zu beantworten.

New York - Chinas führender Online-Händler Alibaba hat bei der Werbetour für seinen milliardenschweren Börsengang in den USA Investoren enttäuscht. "Habe ich was Neues erfahren? Ein klares Nein", sagte etwa Akram Yosri, Finanzmanager bei der 3iCapital Group. Er war wie viele seiner Kollegen am Montag bei der Auftakt-Veranstaltung, mit der Alibaba Anlegern Appetit machen will, beim weltgrößten Börsengang aller Zeiten mitzuziehen. Über 23 Milliarden Dollar wollen die Chinesen im besten Fall einnehmen.

Im New Yorker Waldorf Astoria, einem der renommiertesten Hotels überhaupt, erwartete die Investoren dann aber eher Holzklasse: Lange Schlangen am Eingang, überfüllte Räume wegen großen Andrangs, Stehplätze, ein verspäteter Beginn - und für den kleinen Hunger abgepackte Sandwiches mit kaltem Truthahn.

Der außerhalb Chinas weitgehend unbekannte Amazon -Konkurrent hatte am Freitag die Endphase seines US-Börsengangs eingeläutet und die Preisspanne für seine Aktien auf 60 bis 66 Dollar festgesetzt. Damit käme Alibaba am oberen Ende insgesamt auf einen Börsenwert von 163 Milliarden Dollar.

Die meisten Investoren habe vielen Fragen an das Management des Konzerns. 3iCapital-Manager Yosri etwa will vor allem wissen, welche Strategie Alibaba für weltweites Wachstum verfolge und wie er gegen Rivalen wie Amazon Börsen-Chart zeigen und Ebay Börsen-Chart zeigen in den USA ankommen wolle. Antworten darauf habe er nicht bekommen, bemängelt Yosri.

Fragen wurden zwar gesammelt - aber nicht beantwortet

Andere Anleger äußerten sich auf Nachfrage von Reuters ähnlich: Sie hätten gerne gewusst, wie Alibaba zu Bedenken steht, bei der Besetzung des Managements zu undurchsichtig zu sein. So habe Firmengründer Jack Ma noch immer sehr großen Einfluss darauf, wer die Schlüssel-Positionen im Konzern erhält. Anleger sehen darin einen Konflikt zwischen den Interessen des Geschäftsmannes und denen des Konzern. Ma besitzt noch acht Prozent an Alibaba, aber auch Anteile an vielen anderen Unternehmen.

Bis heute nicht vergessen sei etwa Alibabas Entscheidung aus dem Jahr 2010, seinen Bezahldienst Alipay an eine von Ma kontrollierte Gesellschaft auszugliedern. Zur Überraschung vieler Anleger sprach Ma diesen Punkt im Waldorf Astoria in einer zehnminütigen aber Rede an. "Er sagte, es sei eine schwere Entscheidung gewesen, aber erst mit der Zeit werde sich zeigen, dass es auch eine gute Entscheidung war", sagte ein Investor.

Insgesamt sei Alibaba bei dem Treffen aber nicht ans Eingemachte gegangen. Das Management habe zwar Fragen der Anleger gesammelt. Doch nicht alle seien beantwortet worden, sagte Yosri von 3iCapital. Das sei enttäuschend.

Ganz kalt ließ die Veranstaltung viele Investoren dann aber doch nicht: Jack Ma sei schon beeindruckend gewesen, sagten mehrere Fondsmanager. Der frühere Englisch-Lehrer gründete Alibaba 1999 mit 17 Mitstreitern in seiner Wohnung. Inzwischen läuft über die Plattform rund 80 Prozent des Internet-Handels in China.

Über Alibaba werden heute weit mehr Waren verkauft als bei Amazon und Ebay zusammen. Alibaba wird auch das größte chinesische Unternehmen an einer US-Börse sein. Insgesamt soll die Werbetour - im Fachjargon Roadshow genannt - rund um den Globus zwei Wochen dauern. Anschließend will Alibaba dann den Ausgabekurs festsetzen.

la/reuters

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