Dienstag, 19. März 2019

Unternehmensführung Der CEO von 2040: Weiblich, technik-begeistert und umweltbewusst

Blick in die Zukunft: Weibliche Chefs gelten als flexibler, interessierter an ihren Mitstreitern und eher willig, ihnen zuzuhören und sie zum Querdenken anzuregen. Sie sind angeblich inspirierender und haben einen höheren ethischen Anspruch an das eigene Tun als Männer.

3. Teil: Wie die Karriere der Vorstandsvorsitzenden von 2040 aussehen wird

Wenn ich den Karriereweg einer Vorstandsvorsitzenden von 2040 - nennen wir sie Jiang - beschreiben sollte, würde der etwa so aussehen: Jiang war schon in der Schule und an der Uni eine Anführerin und unternehmerisch begabt. Sie war Klassen- oder Schulsprecherin, Chefin des Basketballteams oder Fotografieclubs. Sie liebt die Natur und hat schon als Kind die Fahrdienste der Mütter zur Schule zu koordinieren zu versucht, um Verkehr und Abgase zu reduzieren.

Sie war früh im Ausland, als Studentin oder für eine Wohltätigkeitseinrichtung, und verbrachte einige Zeit in einer Kultur, die völlig anders ist als Jiangs eigene. Sie spricht Englisch so gut wie ihre Muttersprache und eine weitere Fremdsprache verhandlungssicher. Sie liebt Technik und hat schon früh gejobbt, um sich immer die neuesten Gadgets leisten zu können. Aus dieser Begeisterung heraus nahm Jiang regelmäßig an Wissenschaftswettbewerben für Kids teil oder hat selber schon Apps entwickelt. Möglicherweise gründete sie schon als Gymnasiastin ein kleines Geschäft oder ein Umweltschutzprojekt.

Als Chefin überzeugen, nicht Befehle erteilen

Nach einem Abschluss als Ingenieurin oder Naturwissenschaftlerin hat sie im Ausland einen MBA gemacht, ursprünglich mit dem Ziel, für eine NGO zu arbeiten, in die Entwicklungshilfe zu gehen oder selber ein Unternehmen zu gründen. Dann jedoch hat sie die Personalchefin einer großen Strategieberatung überzeugt, sich der Firma anzuschließen. Nach ein paar Jahren hat Jiang beim Kunden einen CEO so beeindruckt, dass der sie ins operative Geschäft eines globalen Automobilherstellers holte...

Kurz: Jiang versteht Unternehmertum, fremde Kulturen, Strategie und dass ein Betrieb nicht im luftleeren Raum operiert, sondern immer auch als Teil einer Gesellschaft funktionieren muss. Sie mag Menschen und kann sie motivieren, sie interessiert sich von klein auf für technische Trends und weiß diese zum eigenen Wohl und im Dienst ihrer Organisation zu nutzen. Konstantes Weiterlernen ist ihr ein Hobby, keine Pflicht, Arbeit macht ihr Spaß. Als Chefin will Jiang überzeugen, nicht Befehle erteilen, Statusgesten sind ihr fremd. Sie ist deutlich kooperativer, fröhlicher und umweltbewusster als je ein Chef vor ihr - und ihre Teams lieben sie dafür.

Vielleicht allerdings kommt es auch ganz anders. Wichtig für künftige Chefinnen jedoch scheint mir, sich wie Jiang früh aus der eignen Komfortzone heraus zu begeben, zu lernen, sich auf Fremdes einzulassen, Erfahrungen auf vielen verschiedenen Feldern zu sammeln, technische Veränderungen willkommen zu heißen und die eigenen Überzeugungen immer wieder neu auf ihre Tragfähigkeit hin abzuklopfen. Dann kann die Zukunft ruhig kommen.

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