Samstag, 23. Juli 2016

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Wie stark ist Deutschland wirklich? "Es ist entscheidend, wieder mehr zu investieren"

Michael Diekmann: "Warum arbeiten private und öffentliche Investoren angesichts der benötigten großen Investitionssummen nicht stärker zusammen?"

Setzt Deutschland gerade seine Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel? Ja - wenn wir nicht mehr in die Zukunft investieren, sagt der Vorstandschef der Allianz. Bürger und Staat sollten etwa gemeinsam in die Sanierung unserer Infrastruktur und in die Energiewende investieren - es wäre eine Win-Win-Situation.

Deutschlands wirtschaftliches Ansehen ist in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen. Dafür gibt es gute Gründe: die Erfolge auf vielen Exportmärkten, die erheblich gesunkene Arbeitslosigkeit, der ausgeglichene Staatshaushalt und im internationalen Vergleich verhältnismäßig niedrige Verschuldungsquoten des Staates und der Privaten. Die Stärke der deutschen Wirtschaft ist insbesondere auch eine Stärke der deutschen Unternehmen - und zwar nicht nur der großen, sondern auch der mittleren und kleinen.

Das wirtschaftliche Bild Deutschlands ist jedoch keinesfalls makellos.

Trotz günstiger Finanzierungsbedingungen, einer guten Ertragslage und nur begrenzter Konsolidierungszwänge wird in Deutschland sowohl in die öffentliche Infrastruktur als auch generell im Unternehmensbereich viel zu wenig investiert.

So sinkt seit Jahren der reale Kapitalstock der Industrie in Deutschland. Ausländische Unternehmen haben rund 600 Milliarden Euro weniger in Deutschland investiert als deutsche Unternehmen im Ausland. Die öffentlichen Investitionen betragen lediglich 1,6 Prozent gemessen am BIP. Deutschland ist als Investitionsstandort trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre offensichtlich gar nicht so attraktiv. Die Investitionsschwäche allein auf eine allgemeine Unsicherheit zurückzuführen, die die Krisen der letzten Jahre ausgelöst hat, erscheint mir zu einfach.

Der Kapitalstock in Deutschland sinkt seit Jahren

Nicht alle wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sind so, wie sie sein könnten und sein sollten. Zwar hat die deutsche Wirtschaftspolitik in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts viele wichtige Reformen umgesetzt und auch in der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 überwiegend richtig reagiert, aber längst sind nicht alle Mängel in unserem wirtschaftlichen Gefüge angegangen worden.

Zudem stellen sich in einer globalisierten Welt stets neue Herausforderungen für unser Land. Einige Reformen der letzten Jahre werden dem nicht gerecht. Das Rentenpaket ist eine dieser missglückten Weichenstellungen. Es ist ein Schritt rückwärts angesichts der Herausforderung, den demografischen Wandel zu bewältigen und mehr Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Generationen herzustellen.

Die Einführung des Mindestlohns 2015 ist in ihren gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen zwar derzeit nur sehr schwer abzuschätzen, aber die überwiegende Zahl aller Ökonomen sieht - meines Erachtens zu Recht - Risiken für den Arbeitsmarkt.

In der wirtschaftspolitischen Diskussion setzen wir uns viel zu viel mit Verteilungsfragen und auch immer häufiger mit reinen Nebenschauplätzen auseinander. Die aktuelle Diskussion um die Einführung einer PKW-Maut ist ein Beleg dafür. Die wirklich brennenden Themen geraten dadurch in den Hintergrund.

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