Montag, 17. Dezember 2018

IPO von Rocket Internet "Eisbrecher für die Tech-Branche"

Ruf des Geldes: Die Samwer-Brüder wollen mit ihrem Startup-Brüter Rocket Internet, dem Modehändler Zalando und weiteren Firmen an die Börse

Die Internet-Brüder Samwer wollen mit Rocket Internet an die Börse, manager magazin seziert in der Titel-Geschichte seiner Juli-Ausgabe die Pläne. Tech-Investor und Kapitalmarktexperte Christoph Gerlinger erklärt, warum die IPOs für Deutschlands Tech-Szene entscheidend sein werden.

mm: Die Samwer-Brüder wollen mit ihrem Startup-Brüter Rocket Internet, dem Mode-Händler Zalando und weiteren Firmen demnächst an die Börse. Warum verzückt Sie das so?

Christoph Gerlinger: Das sind einfach sehr gute Nachrichten. Deutschland hängt in Sachen Technologie-Börsengänge extrem hinterher, wir verharren auf dem Niveau eines Entwicklungslandes.

mm: Der risikoscheue deutsche Anleger hat eben schlechte Erfahrungen mit dem Neuen Markt gemacht.

Gerlinger: Wir haben damals das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die New-Economy-Blase ist überall auf der Welt geplatzt. Aber nur in Deutschland gilt seit dem Debakel der Jahrtausendwende alles, was mit neuen Technologien zu tun hat, als Gift. Die Zeiten haben sich aber geändert. Heute gibt es innovative Unternehmen mit reellen Business-Chancen, die sich aber leider nicht am Kapitalmarkt finanzieren können, weil das Börsensegment dafür fehlt. Deswegen brauchen wir meiner Ansicht nach schleunigst eine Neuauflage des Neuen Marktes.

mm: Tech-Firmen brauchen doch nicht unbedingt ein eigenes Segment, um an die Börse zu gehen.

Gerlinger: Doch. Das würde viel nützen. Heute gibt es für Startups nur den so genannten Entry Standard. Das ist wie ein Gemischtwarenladen, in dem afrikanische Rohstoffwerte genauso gehandelt werden wie Mittelstandsanleihen. Das stellt kein Qualitätssiegel für wachstumsorientierte Unternehmen aus der Tech-Branche dar. Und so erhalten die Firmen nicht die Aufmerksamkeit bei einem Gang aufs Parkett, die ihnen eigentlich zustehen würde. Entsprechend schlecht werden die Aktien dann auch gehandelt.

mm: Der Neue Markt war aber bei Lichte betrachtet auch nicht wirklich ein Qualitätssiegel. Gibt es in Deutschland außerhalb des Samwer-Universums überhaupt genügend Börsenkandidaten?

Gerlinger: Sicher. Delivery Hero, der Essenlieferservice, liebäugelt längst mit einem IPO, wenn auch wahrscheinlich in den USA. Das könnte nicht zuletzt daran liegen, dass hierzulande das entsprechende Segment fehlt. Auch Mister Spex, der Online-Brillenversand, hat einen Börsengang ausdrücklich als Option bezeichnet. Wir schätzen die Zahl der börsenreifen Tech-Startups in Deutschland auf mindestens 50 ein.

mm: Und damit das klappt, müssen die Samwer-Börsengänge des Eisbrecher geben.

Gerlinger: Eisbrecher werden geradezu entscheidend sein für die künftige Entwicklung eines deutschen Tech-Börsensegments. Wir reden hier schließlich von richtig großen Börsengängen. Floppen sie, werden wieder alle aufschreien, dass Tech-Aktien nur Teufelszeug sind.

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