Montag, 17. Dezember 2018

Motorradmarkt Das Comeback der außergewöhnlichen Bikes

Motorroller BMW C1: Einst verschmäht, heute beliebt. Das Konzept sollte die Effizienz eines Rollers mit der Sicherheit eines Kleinwagens kombinieren

Erst flop, dann top: Häufig verschwinden innovative oder optisch ausgefallene Bikes zunächst sang- und klanglos vom Markt - um später als Renner am Gebrauchtmarkt wie Phönix aus der Asche zu steigen.

Stuttgart - Mit Innovationen ist es so eine Sache. Oft sorgen diese alleine nicht dafür, dass ein Produkt auch erfolgreich wird. Auch Motorradbauer mussten das immer wieder schmerzvoll erfahren. Manch ein innovatives Modell war zu teuer oder falsch auf dem Markt positioniert - und gehört heute gerade wegen der Eigenheiten zu den gesuchten Modellen. Die geringen Stückzahlen sorgen für hohe Preise.

Zu den gleichermaßen kuriosen wie innovativen Fahrzeugen gehörte der Motorroller C1, den BMW im Jahr 2000 auf den Markt brachte. Ob seiner optisch eigentümlichen Konstruktion mit einem kabinenähnlichen Dach musste der Scooter viel Spott und Häme über sich ergehen lassen. "Der Grund für den Misserfolg war aber der zu hohe Preis", sagt Klaus Herder, ehemaliger Besitzer eines C1. Knapp 10.000 D-Mark für das spärlich ausgestattete Basismodell waren viel Geld für einen Roller.

Dabei stellte BMW mit dem C1 ein wegweisendes Konzept für einen City-Scooter auf die Räder. Denn wegen der Sicherheitszelle mit Überrollbügel und Anschnallgurt auf dem Fahrerplatz entfiel auf vielen Märkten die Helmpflicht. Damit konnten also auch Geschäftsleute durch die Großstadt zu ihrem nächsten Businesstermin wieseln, ohne sich die Frisur zu zerknautschen. Der Sozius musste indes mit Helm auf dem rückwärtigen Sitz außerhalb der Kabine Platz nehmen - sofern dort nicht eine Transportbox montiert war.

6000 Euro für Top-Exemplare des BMW C1

Laut BMW sollte der Roller die Verkehrsraum-Effizienz eines Einspurfahrzeugs mit dem Sicherheitsniveau eines modernen Kleinwagens kombinieren. Ein 11 kW/15 PS starker Einzylinder-Viertaktmotor aus dem Hause Rotax mit 125 Kubikzentimetern Hubraum trieb den C1 anfangs an. 2001 gesellte sich noch ein 176-Kubik-Aggregat dazu, das dem "C1 200" 13 kW/18 PS bescherte. Doch die Verbraucher erteilten dem "Kabinenroller" eine deutliche Absage. Heute müssen sich Rollerfans Preise von bis zu 6000 Euro für Top-Exemplare gefallen lassen.

Herder hat ein Herz für die Außenseiter ihrer Zeit. Gleich drei BMW K1 nannte er sein Eigen, eine davon hat er sogar neu erworben. "Damals war BMW noch eine stockbiedere Marke", erinnert sich der Motorradfan. Das sportlich angehauchte Modell wurde 1988 auf der Zweiradmesse IFMA in Köln präsentiert. "Die konservative BMW-Kundschaft hätte das Ding nicht mit der Pinzette angefasst", so Herder. Das kantige Design, der tief ins Rad gezogene Frontfender und die Lackierung in Rot oder Blau mit einem knalligen Signalgelb passte so gar nicht ins damalige Modellportfolio.

Dabei war das Konzept innovativ: Längs und liegend eingebaut, wartete der Vierzylinder-Motor der K1 mit 16 Ventilen auf. Trotz der Drosselung auf 74 kW/100 PS waren beachtliche 240 km/h drin. "Damals wollte sie keiner, heute ist man am Motorradtreffpunkt der König mit dem Teil", sagt Herder. Rund 7000 Exemplare wurden zwischen 1988 und 1993 weltweit verkauft. Heute werden auf dem Gebrauchtmarkt Preise zwischen 3000 Euro für verbastelte Maschinen mit hoher Laufleistung und 7000 Euro für sehr gute Exemplare fällig.

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