Donnerstag, 19. Juli 2018

Angriff auf Amazon Ebay will Waren noch am selben Tag ausliefern

Ebay-Chef John Donahoe: Mit Hilfe des britischen Startup Shutl sollen bestellte Waren in Großstädten noch am gleichen Tag beim Kunden sein

Der US-Online-Händler will demnächst Bestellungen in Großstädten innerhalb von 90 Minuten ausliefern. Dafür übernimmt Ebay nun ein britisches Startup. Es ist ein Frontal-Angriff auf den Erzrivalen Amazon.

Das Rennen um das Weihnachtgeschäft hat begonnen, und John Donahoe, Chef des Online-Händlers Ebay Börsen-Chart zeigen , stand zuletzt im Abseits. Denn ausgerechnet für das wichtigste Quartal zum Jahresende hin verkündete der Ebay-Chef in der vergangenen Woche enttäuschende Prognosen. Der Markt für Internet-Shopping in den USA habe verdächtig abgekühlt, ließ Ebay mitteilen. Prompt straften die Ebay-Aktionäre Donahoe ab.

Es war ein schwarzer Tag in der Karriere des zuletzt stets erfolgsverwöhnten Managers: Donahoe hat das ehemalige Internet-Auktionshaus innerhalb der vergangenen fünf Jahre zum wichtigsten Konkurrenten des Online-Warenhauses Amazon Börsen-Chart zeigen positioniert. Damit ist ihm eine der beachtlichsten Neuerfindungen in der jüngeren Geschichte des Silicon Valley gelungen.

"Wenn Steve Jobs oder Mark Zuckerberg der Prototyp des Gründer-CEOs sind, dann ist John der Prototyp des professionellen Unternehmensführers", lobte etwa Netscape-Erfinder und Ebay-Boardmitglied Marc Andreessen noch vor Kurzem.

Und heute hat Donahoe Gelegenheit, seine Anteilseigner wieder hoffnungsfroh zu stimmen. Denn Ebay steigt in das Geschäft mit den Sofortlieferungen ein. Dazu übernimmt der US-Konzern das britische Software-Startup Shutl, gab Ebay heute in New York bekannt.

Shutl-Software soll Lieferservice stark beschleunigen

Über die Shutl-Software lassen sich lokale Lieferservices so einbinden, dass Kunden ihre Ware innerhalb von 90 Minuten nach Bestellung erhalten können - oder zu einer fest vereinbarten Uhrzeit. Shutl ist bisher in Großbritannien aktiv, Investoren sind unter anderem das US-Logistikunternehmen UPS und der deutsche Wagnisfonds Eventures, die sich nun aus dem Unternehmen herausziehen. Ebay nannte keinen Kaufpreis.

Donahoe betritt damit ein heiß umkämpftes neues Geschäftsfeld im Einzelhandel. Denn der Großteil der Verbraucher (90%) empfindet laut einer Studie der britischen Royal Mail das Thema Lieferzeiten beim Online-Einkauf als störend. Alle Einzelhändler arbeiten deshalb an entsprechenden Sofortlieferservices.

Amazon und Google experimentieren mit eigenen Lieferflotten

Die Konkurrenten Amazon, Google Börsen-Chart zeigen oder der US-Einzelhändler Wal-Mart Börsen-Chart zeigen etwa experimentieren derzeit vor allem in den USA - und setzen dabei zum Großteil auf eigene Flotten. Das macht den Dienst teuer, globale Feldzüge mit den Sofortlieferungen blieben deshalb selbst beim aggressiv expandierenden Amazon bisher aus. Ebay hat selbst einen Service eingeführt, mit dem man sich Produkte aus lokalen Geschäften in nicht mehr als einer Stunde liefern lassen kann.

Shutl-Gründer Tom Allason hingegen setzte beim Start des Unternehmens allein auf eine Software, über die sich bereits existierende lokale Lieferdienste einbinden lassen. Ebay will damit nun zuerst in Chicago an den Start gehen, weitere 24 Großstädte, unter anderem London, sollen 2014 folgen.

Insider sagten gegenüber manager magazin online, Ebay plane, den neuen Sofortlieferservice möglichst schnell auch international anzubieten. Denn Donahoe hat diesmal Neuigkeiten, die weit über das Weihnachtgeschäft hinausgehen: Shutl, so ließ er die Devise verbreiten, solle zu einer Art "PayPal für Lieferungen" heranwachsen. Und PayPal, die Ebay-Tochter, ist schließlich der weltweit größte digitale Bezahldienst - und wichtigster Wachstumsmotor für John Donahoes Ebay.

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