Montag, 10. Dezember 2018

Sofortrente Was aus 50.000 Euro wird

Angriff aufs Ersparte: Staaten entschulden sich mit Niedrigzinsen und Inflation - auf Kosten der Sparer. Denn ihr Vermögen wird immer weniger wert.

Deutschlands Sparer verlieren Milliarden. Bleiben sie so risikoscheu wie bisher, büßen sie künftig real noch mehr ein. Inflation und Niedrigzinsen nagen auch an der Lebensversicherung: Wer 50.000 Euro in eine Sofortrente investiert, muss mit deutlich geringeren Zahlungen rechnen als noch vor wenigen Jahren.

Hamburg - Es gibt Menschen, die erzielen mit ihrem Tagesgeldkonto bei einer Genossenschaftsbank akutell 0,05 Prozent Zinsen. Dieselbe Bank verlangt vom selben Kunden das 193-fache an Zins, wenn er sein Girokonto kurzfristig überzieht. Das zeigt zweierlei. Die stille Enteignung der Sparer in der Niedrigzinsphase setzt sich fort. Zugleich verdienen die Banken gut daran, indem sie Kreditzinsen unverhältnismäßig hoch halten.

Weil die Guthabenzinsen bei den meisten Bankeinlagen unter der Inflationsrate liegen, verlieren Deutschlands Sparer jährlich rund 14,3 Milliarden Euro, haben Weltbank, Dekabank und das Institut der Deutschen Wirtschaft kürzlich errechnet. In anderen EU-Staaten sieht es nicht besser aus.

Über die Grenzen hinweg zahlen die Bürger mit einer fortgesetzten Entwertung ihrer Ersparnisse für die Krisenpolitik der Staaten und Notenbanken, die die Zinsen niedrig halten und unentwegt Geld in den Markt pumpen. Besserung ist nicht in Sicht. "Die EZB ist vor allem daran interessiert, die Konjunktur zu stimulieren und wird ihre Leitzinsen eher noch einmal senken als kurzfristig anheben", ist die Postbank überzeugt.

Was 4,5 Prozent Inflation im Jahresschnitt für das Ersparte bedeuten

Das wird die Geldvermögen weiter schmälern. Wer jetzt 100.000 Euro zu niedrigsten Zinsen von 0,5 Prozent anlegte, verlöre auf Sicht von zehn Jahren durch den negativen Realzins bis zu 35.000 Euro, rechnet der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber vor. Der Experte unterstellt dabei in den kommenden drei Jahren eine stark steigende Inflationsrate in Deutschland, die in den Folgejahren auf hohem Niveau verharrt und bis 2023 im Jahresschnitt rund 4,5 Prozent beträgt.

Ein Gruselszenario? Keineswegs, meint Zschaber. Der Experte begründet sein Inflationsszenario für Deutschland zum einen mit einer gestiegenen, produktiven Geldmenge, auch zukünftig höheren Lohnzuwächsen und langfristig steigenden Energiepreisen sowie einer fehlenden Exit-Strategie der Notenbanken. "Wenn sie die Zinsen erhöhen, sprengt dies die Verschuldung der südlichen Länder durch signifikant steigende Refinanzierungskosten."

Nicht nur Vermögen, auch Schulden verlieren unter der gegenwärtigen Krisenpolitik an Wert. Davon profitieren hoch verschuldete Staaten. Genießen sie ein gutes Rating, können sie sich mit schwach verzinsten Anleihen extrem günstig refinanzieren. Die Verlockung, die Zinsen niedrig zu halten, ist aus dieser Sicht also hoch. "Die verschuldeten Länder sind daran interessiert, ihre Schuldenlasten zu minimieren. Dies geht über Inflation am besten - zum Nachteil der Sparer und der Bevölkerung", sagt Zschaber.

"Volatilitätsphobie" von Anlegern und Pensionskassen

Experten machen deshalb keinen Hehl daraus, dass der Ausweg aus dieser "finanziellen Repression" für den Sparer vor allem über den Aktienmarkt führen sollte. Viele Titel böten eine ordentliche Dividendenrendite, schützten den Sparer noch am besten vor Inflation. Aber nicht vor Kurseinbrüchen, wie die kräftige Kurskorrektur des Dax Ende vergangener Woche zeigte.

Der Appell richtet sich auch an institutionelle Anleger. Pensionskassen zum Beispiel sollten ihre "Volatilitätsphobie" ablegen und die langfristigen Ertragspotentiale von Aktien "nicht einem falsch verstandenen kurzfristigen Sicherheitsdenken opfern", mahnen die Kölner Vermögensverwalter von Flossbach von Storch nach einer Analyse der Pensionsvermögen der Dax-Konzerne.

Mit einer durchschnittlichen Aktienquote der Pensionsplanvermögen von rund 25 Prozent lagen die Vorsorgewerke der Dax-Konzerne Ende 2012 deutlich unter den Werten angelsächsischer Pensionskassen. Im Vergleich zu Versicherern als größte institutionelle Investorengruppe in Deutschland sind das aber sehr hohe Werte. Deren Aktienbestand rutschte 2012 im Branchenschnitt auf etwa 2,7 Prozent ab.

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