Sonntag, 30. April 2017

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Geld für den Fiskus Dax-Riesen besitzen 2500 Firmenbeteiligungen in Steueroasen

Legale Steuerflucht: Die Lieblingsoasen der Dax-Konzerne
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Corbis

Die EU hat Steuerflucht zum Gipfelthema gemacht, jetzt geraten auch deutsche Konzerne in den Fokus: Der Blick in die Geschäftsberichte der Dax-Riesen fördert fast 2500 Firmenbeteiligungen in Steueroasen zutage, von denen einige die deutschen Konzerne in Erklärungsnot bringen könnten.

Hamburg - Als Briefkastenfirmen kann man die unter der Adresse 1209 North Orange Street in Wilmington, Delaware, ansässigen Unternehmen wohl nicht bezeichnen. Denn Briefkästen für alle hier registrierten Gesellschaften, laut "New York Times" sind es 285.000, hätten an dem einstöckigen Klinkerbau kaum Platz.

In dem Corporate Trust Center unterhält die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen Beteiligungen wie Deutsche Bank Securities Inc. oder Deutsche Investment Management Americas Inc. - in einer eigentümlichen Wohngemeinschaft mit Töchtern von Apple Börsen-Chart zeigen, Coca-Cola Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und anderen Weltkonzernen ebenso wie bis vor Kurzem dem verurteilten Finanzbetrüger Timothy Durham oder einem wegen Zigarettenschmuggels belangten serbischen Geschäftsmann, der hier zwei Flugzeuge angemeldet hat. Sie alle sind Kunden des Finanzdienstleisters CT, der zum niederländischen Fachverlag Wolters Kluwer Börsen-Chart zeigen gehört.

Der US-Kleinstaat am Delaware-Fluss lockt vor allem mit seinem liberalen Unternehmensrecht, das seit einem halben Jahrhundert im weltweiten Wettbewerb der Steueroasen nahezu ungeschlagen ist. Einnahmen, die auf immaterielle Güter wie Markenrechte, Copyrights, Patentlizenzen oder Pachtgebühren zurückgeführt werden, bleiben steuerfrei - und die in Delaware (nicht) gezahlte Steuer kann zudem als Abschreibung in anderen US-Staaten genutzt werden. Dank Doppelbesteuerungsabkommen bleibt der Vorteil auch beim Transfer des Gelds etwa nach Deutschland erhalten.

Genau auf solche Arrangements zur legalen Steuerflucht haben sich die Lenker der führenden Industriestaaten derzeit eingeschossen - wobei jeder auf die Fluchtburgen der anderen verweist. Österreichs Finanzministerin Maria Fekter verteidigt ihr Bankgeheimnis mit dem Hinweis auf Delaware, US-Präsident Barack Obama schimpft über die britische Karibikkolonie Kaimaninseln.

Konzerne geraten unter öffentlichen Druck

Der britische Finanzminister George Osborne und sein deutscher Kollege Wolfgang Schäuble stiften sechsstellige Beträge für das Versprechen, die "Gewinnverschiebung" internationaler Konzerne zu stoppen. Das niederländische Parlament immerhin diskutierte im Januar selbstkritisch die Rolle des für das Steuerschlupfloch "Double Dutch" bekannten Königreichs und kam zu dem Beschluss, die Bezeichnung als "Steueroase" sei nicht zulässig.

Selbst die Industrieländerorganisation OECD, die solche Mühen koordinieren soll und seit langem Register über Schattenfinanzplätze und die Planungsstrategien der Buchhalter führt, erklärt sich außerstande, das Ausmaß des Problems genau zu erfassen. Daher sind Treffen wie der an diesem Mittwoch beginnende EU-Gipfel mit Schwerpunktthema Steuerflucht oder der für September geplante G20-Gipfel in St. Petersburg, wo konkrete Vorschläge der OECD gegen die Erosion der Unternehmensteuerbasis vorliegen sollen, nicht unbedingt zum Erfolg verdammt.

Und doch geraten die Konzerne öffentlich unter Druck. In seiner aktuellen Ausgabe berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL von belgischen Vehikeln, mit deren Hilfe beispielsweise BASF Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen ihre Steuerlast senkten.

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