Mittwoch, 20. September 2017

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Neue Herren aus China Wie sich Putzmeister und Sany die Welt aufteilen

Putzmeister-Chef Norbert Scheuch: "Strategische Kooperation - operativer Eingriff gleich Null"

Chinesischer Investor schluckt deutschen Weltmarktführer: Das Aufsehen war groß, als Sany 2012 den deutschen Betonpumpenhersteller Putzmeister übernahm. Putzmeister-Chef Norbert Scheuch spricht nun mit einem der rechsten Männer Chinas über Expansion - und lobt die klare Marktaufteilung. Operativ, so Scheuch, sei der Eingriff "gleich Null".

Stuttgart - Trinken hat er inzwischen gelernt. Einen Chinesen nach dem anderen - um genau zu sein: vier - kann er mit diversen Moutai-Schnäpsen unter den Tisch trinken. "Wenn der eine rot angelaufen ist, kommt der nächste dran", sagt Norbert Scheuch, Chef der Putzmeister Holding GmbH, die seit Anfang 2012 im Besitz des chinesischen Konkurrenten Sany ist. Solche Standfestigkeit schätzen die Chinesen, bei denen Ess- und Trinkgelage nach wie ganz wichtige Rituale im Geschäftsleben sind.

Aber auch nüchtern hat Scheuch bei seinen neuen Herren aus China ein gutes Standing. Bestes Zeichen des Vertrauens: Sie lassen ihn machen, sie reden ihm nicht drein. "Nach über einem Jahr der Zusammenarbeit kann ich sagen: Die Leine ist noch länger als ich zu Beginn dachte", sagt Scheuch.

Strategisch - klar - stimme man sich ab. So hat man sich gleich nach der Übernahme die Welt aufgeteilt: Sany beackert mit seinen Pumpen und Baumaschinen den chinesischen Markt, Putzmeister (Umsatz 2012: 660 Millionen Euro, 3030 Beschäftigte) den Rest der Welt - und den Premiummarkt in China.

Strategisch also Kooperation. Aber der operative Eingriff sei gleich Null, beteuert Scheuch. In seinem Umfeld hört man, dass er sich unter den neuen chinesischen Besitzern viel freier und wohler fühlt als unter dem alten Eigner von Putzmeister, dem schwäbischen Patriarchen Karl Schlecht, der sein Unternehmen für über 500 Millionen Euro ziemlich eigenmächtig und ohne langwierige Verhandlungen an die Chinesen verkauft hatte.

"Die Amerikaner würden sich anders verhalten"

In der Hauptverwaltung des Betonpumpenherstellers in der Nähe des Stuttgarter Flughafens sitzen denn auch keine Chinesen. "Ich habe kein chinesisches Management hier", sagt Schnellredner Scheuch. Dann denkt er kurz nach über das, was er gerade gesagt hat. "Das ist schon sonderbar. Die Amerikaner würden sich anders verhalten." Sie würden eine Armada von Aufpassern und Besserwissern schicken.

Scheuchs Aufpasser sitzt dagegen im fernen Changsha, der Hauptstadt von Hunan und Firmensitz von Sany. Er heißt Liang Wengen, ist Gründe und Chef des Sany-Konzerns und dessen Mitinhaber. Mit einem geschätzten Vermögen von 7,1 Milliarden Euro gehört Liang zu den reichsten Chinesen. Außerdem ist er politisch bestens verdrahtet, war im November 2012 sogar Delegierter auf dem Parteitag der KP.

Der direkte Draht zu ihm hat freilich auch einen Nachteil. Da bei Sany (immerhin ein Konzern mit knapp sechs Milliarden Umsatz) fast alles Chefsache ist, landet sehr viel auf dem Schreibtisch von Liang. Er kommt mit dem Abarbeiten nicht nach. Also muss sich auch Scheuch, eher ein Mann der schnellen Entscheidungen, gedulden.

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