Sonntag, 29. Mai 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Erfolgsserie "Perry Rhodan" "Kein Sex - lieber mehr Außerirdische"

Dauerseller Perry Rhodan: Band 2700 "Der Techno-Mond" erscheint diese Woche - doch Hollywood bleibt dem deutschesten aller Sci-Fi-Helden (noch) verschlossen
Pabel-Moewig Verlag
Dauerseller Perry Rhodan: Band 2700 "Der Techno-Mond" erscheint diese Woche - doch Hollywood bleibt dem deutschesten aller Sci-Fi-Helden (noch) verschlossen

Mit einer Auflage von 1,5 Milliarden ist die Kultserie "Perry Rhodan" der langlebigste Erfolg der deutschen Verlagsbranche. Nun soll sich endlich auch der größte Traum der Macher der Science-Fiction-Oper erfüllen: ein Kinofilm. Vielleicht gar mit Brad Pitt?

Hamburg - "Der Weltraum, unendliche Weiten": Wenn James T. Kirk mit dem Raumschiff Enterprise zu einem neuen Abenteuer aufbricht, sind nicht nur die Zielorte galaktisch, oft sind es auch die Umsätze. Allein im Kino spielte Käpt'n Kirk mit seinem letzten Film eine Viertel Milliarde Dollar ein. Und der neue Film "Into Darkness", der vergangene Woche in Deutschland angelaufen ist und in dem sich das jüngere, plautzenfreie Ich des alten Haudegens durchs All kämpft, dürfte die Bilanz der 47 Jahre langen Erfolgsgeschichte um weitere Umsatzmillionen verlängern.

Eigentlich könnte Kirks deutschstämmiger Kollege Perry Rhodan dessen kosmische Bilanz belächeln. Er ist länger unterwegs als Kirk, nämlich schon seit 53 Jahren. Er hat mehr Galaxien erforscht als Kirk, schließlich düst Rhodan seit mehreren Jahrtausenden durch die Universen. Und er braucht sich im Alter nicht von Jungspunden doubeln zu lassen wie Kirk, denn Perry Rhodan ist unsterblich.

Wirtschaftlich aber liegt Perry Rhodan Welten hinter Käpt'n Kirk zurück. Das liegt vor allem daran, dass Rhodan fremde Galaxien noch immer vornehmlich auf Papier bereist, während Kollege Kirk von Anfang an auf Bildschirme setzte, um seinen Heldentaten zu verbreiten - erst im Fernsehen, seit 1979 auch zwölfmal im Kino.

Hollywood blieb deutschem Sci-Fi-Helden Rhodan bislang verschlossen

Zu gern hätte auch Perry Rhodan sein galaktisches Imperium audiovisuell durchmessen - im Austausch gegen Eintrittsgelder und Mechandising-Nippes. Aber es kam es nie dazu. Der 2011 verstorbene Filmemacher Bernd Eichinger ("Die unendliche Geschichte", "Resident Evil") ließ einst eine Option auf einen Perry-Film verfallen. Deutschlands Starregisseur Roland Emmerich, der für Hollywood Sci-Fi-Kassenschlager wie "Independence Day" drehte, gab gar mal zu Protokoll, "Perry Rhodan" nie gelesen zu haben. Also blieb Perry filmisch stets auf der Erde.

Dabei boomt das Actiongeschäft mit Schwerelosigkeit, Hyperraum und Lichtsäbeln. Käpt'n Kirk dreht mit Warp-Geschwindigkeit eine neue Runde durch die Kinosäle. Der Konzern Walt Disney Börsen-Chart zeigen hat Schöpfer George Lucas jüngst für vier Milliarden Dollar die Rechte an der Star-Wars-Saga abgekauft und plant drei neue Filme rund um Darth Vader und Luke Skywalker.

Im Laufe des Jahres versprechen Topstars wie Harrison Ford ("Ender's Game") und Jodie Foster ("Elysium") neuen Sci-Fi-Filmen ordentliche Umsätze. Und auch das sabbernde "Alien" von Ridley Scott ist seit dem Premierenbiss 1979 nicht totzukriegen.

Doch für Perry Rhodan bleiben die unendlichen Weiten des Hollywood-Weltalls womöglich auf ewig endlich. Der deutscheste aller Sci-Fi-Helden steht damit auch für eine Schwäche der deutschen Unterhaltungsindustrie: An guten Stories mangelte es nie, aber vielleicht am letzten Schuss unternehmerischer Fantasie.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH