Sonntag, 24. März 2019

Fracking Amerikas Schiefergas-Boom droht jähes Ende

Gas aus der Tiefe: Angst und Hype in den USA
REUTERS

3. Teil: Banken basteln wieder toxische Verbriefungen - mit erhofften Gas-Gewinnen

Hughes hat in penibler Kleinarbeit die Produktionsdaten von 65.000 Bohrquellen an 31 Standorten in den USA ausgewertet und kommt in seiner Studie "Drill, Baby, Drill!" (Bohre, Liebling, bohre!), zu dem Schluss, dass die Förderkapazität der meisten Bohrquellen in den ersten drei Jahren nach Anschluss an eine Pipeline um 80 bis 95 Prozent sinken.

Nach Auffassung von Hughes werfen einige der besten Vorkommen in den USA bereits weniger ab, darunter Haynesville in Texas, Louisiana und Arkansas. Selbst eine Lebenszeit des US-Schiefergas-Booms von 40 Jahren - weniger als die Hälfte der Obama-Prognose - hält Hughes für "traumhaft optimistisch."

Um die aktuelle Förderung aufrecht zu erhalten, wären nach seinen Berechnungen jährlich 42 Milliarden Dollar Investitionen in rund 7000 Bohrtürme nötig. Zum Vergleich: Der Gesamtwert des 2012 geförderten Schiefergases betrug 32,5 Milliarden Dollar.

Schätzungen "mindestens 100 Prozent übertrieben"

Ganz hart ins Gericht geht mit der Schiefergas-Branche die ehemalige Investment-Bankerin Deborah Rogers, die als Analystin bei Merrill Lynch Börsen-Chart zeigen und Smith Barney arbeitete, bevor sie die US-Notenbank in Dallas in Sachen Energie beriet und dann zum Energy Policy Forum wechselte. Rogers hält die Schätzungen zum Öl- und Schiefergasvorkommen in den USA "für mindestens 100 Prozent übertrieben."

Sie beschuldigt die Wall-Street-Banken, den Schiefer-Boom angeheizt zu haben, bis krasse Überproduktion den Gaspreis um fast 60 Prozent einbrechen ließ. Im Frühjahr 2012 erreichten die Notierungen ein Zehnjahrestief. Die Folge: Unprofitable Produktion zwang zahlreiche Produzenten in die Knie. Eine Konsolidierung setzte ein. Das Übernahmefieber spielte laut der Rogers-Studie "Schieferboom und Wall Street" den Banken allein 2011 satte 46,5 Milliarden Dollar aus Übernahmen und Fusionen in der Schieferbranche ein.

"Als die Preise plumpsten", so Rogers, "spielte die Wall Street das Anlagevermögen gebeutelter Schieferfirmen den größeren Playern der Branche zu." Brisanter noch ist aber dieser Vorwurf von Rogers: "Die zu erwartenden Einnahmen von Schieferfirmen wurden ähnlich wie die hypothekenbesicherten Derivate vor der Finanzkrise 2008 gebündelt und mit der fragwürdigen Besicherung an Fonds verkauft."

Im Klartext: Sollte sich der Gaspreis in Nordamerika auf absehbare Zeit nicht erholen, droht wegen der zu erwartenden Verluste für viele kleinere Förderfirmen erneut ein größerer Ausfall auf die gestrickten Derivate. Zahlreiche große und kleine Firmen mussten bereits schmerzhafte Abschreibungen auf Anlagen im Schiefergas-Geschäft vornehmen, darunter BP, BHP Billiton Börsen-Chart zeigen und Chesapeake Energy. Das Unternehmen leitete 2012 den Verkauf von Anlagen im Wert von schätzungsweise knapp sieben Milliarden Dollar ein, um seine drückende Schuldenlast von mehr als elf Milliarden zu reduzieren.

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung