Euromanager magazin RSS  - Euro

Alle Artikel und Hintergründe


27.03.2013
Twitter GooglePlus Facebook

DIW-Präsident Marcel Fratzscher
"Wir sitzen auf einem zu hohen Ross"

Von Christopher Krämer

Umstrittene Ökonomen: Deutschlands Topforscher im Überblick
Fotos
diw

Seit wenigen Wochen ist Marcel Fratzscher neuer Präsident des DIW. Der Ökonom sagt im Interview, warum er einen Bank Run auf Zypern fürchtet - und warnt, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit über Steuererhöhungen für Reiche oder Lohnerhöhungen aufs Spiel setzt.

mm: Herr Fratzscher, es hat nun in letzter Minute eine Einigung über die Zypern-Rettung gegeben. Wie bewerten Sie diesen Plan?

Fratzscher: Es ist eine gute Lösung, aber man hätte sie schon vor einer Woche haben können. Es ist sehr viel Schaden entstanden in dieser Zeit. Vor allem deshalb, weil Zypern versucht hat, Europa gegen Russland auszuspielen.

mm: War es richtig, die Spareinlagen zu belasten?

Fratzscher: Ja, es war die einzige Möglichkeit, auch ausländische Investoren substantiell zu beteiligen.

mm: Ursprünglich sollten auch die sogenannten Kleinsparer beteiligt werden, das zypriotische Parlament lehnte den Plan ab. Wie bewerten Sie das Krisenmanagement der EU?

Fratzscher: Der Fehler lag bei der zypriotischen Regierung. Sie hat geglaubt, mehr rausschlagen zu können, in dem sie das Problem politisiert. Einen Vorwurf muss sich die EU jedoch gefallen lassen: Sie hat nicht von Anfang an darauf bestanden, dass die Einlagen unter 100.000 Euro garantiert bleiben.

mm: Halten Sie die jetzige Lösung für tragfähig?

Fratzscher: Vor einer Woche hätte ich Ja gesagt. Nun bin ich mir nicht mehr so sicher. Der Plan sieht vor, die Staatsverschuldung von Zypern bis 2020 auf 100 Prozent des zyprischen Bruttoinlandsprodukts zu drücken. Das ist an sich ein guter Plan. Aber die Erfahrungen mit zeigen, dass solche langfristig angelegten Ziele auf Annahmen beruhen, die sich schnell als veraltet erweisen können. Ich weiß nicht, ob die nun getroffene Vereinbarung nachhaltig ist.

mmo: Welche Folgen wird der Streit haben?

Fratzscher: Durch den Streit ist ein hohes Maß an Unsicherheit geschaffen worden. Das hat Investoren und die Haushalte in Zypern schwer getroffen. Die Gefahr besteht nun, dass trotz der Zusage auch die Kleinsparer versuchen werden, ihr Geld abzuziehen. Viele werden denken: Vielleicht versuchen die im nächsten Jahr doch wieder, an unser Geld zu kommen.

mm: Sie halten also einen sogenannten Bank Run für wahrscheinlich?

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

© manager magazin online 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Zur Person

  • Copyright: diw
    diw
    Marcel Fratzscher (42) ist seit 1.Februar 2013 Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Das DIW gehört zu den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten in Deutschland. Zuletzt arbeitete der Volkswirt für rund zehn Jahre bei der Europäischen Zentralbank (EZB), dort leitete er die Abteilung "International Policy Analysis". Fratzscher hat in Kiel, Oxford, Harvard und Florenz studiert. Er gilt als ausgewiesener Experte für Makroökonomie und hat unter anderem zur europäischen Schuldenkrise und zur Finanzstabilität publiziert. Er ist Nachfolger von Gert G. Wagner, der den Vorstandsvorsitz des DIW übergangsweise inne hatte.









Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger