USAmanager magazin RSS  - USA

Alle Artikel und Hintergründe


26.03.2013
Twitter GooglePlus Facebook

USA
"Niemand klaut so viel Geld von Bankkunden wie Bernanke"

Von Markus Gärtner

Weiche Enteignung: Die Niedrigzinspolitik von Fed-Chef Ben Bernanke stößt auf immer lautere Kritik
REUTERS

Weiche Enteignung: Die Niedrigzinspolitik von Fed-Chef Ben Bernanke stößt auf immer lautere Kritik

Während Europa auf kalte Sparpolitik setzt und erstmals Bankkunden in die Pflicht nimmt, setzen die USA auf eine weiche Form der Enteignung. Aber in massivem Umfang, wie sich zeigt.

New York - Es scheint alles ruhig. Keine Hektik, kaum Debatten in der Öffentlichkeit. Die Amerikaner ignorieren überwiegend die Zypern-Krise. Nur jeder dritte der 315 Millionen Amerikaner - meist die Besservdienenden - verfolgt die Nachrichten vom östlichen Mittelmeer. Bei fast jedem Zweiten von ihnen steigt nun zwar wieder das Misstrauen gegenüber Banken, wie eine Umfrage der Meinungsforscher Gallup ermittelt hat. Doch die Zuversicht von Amerikas Konsumenten nähert sich dagegen wieder dem Fünf-Jahreshoch. Ganz klar: Panik sieht anders aus.

Doch in der US-Finanzbranche brodelt es. Über der US-Notenbank ziehen Wolken auf. Die Kritik an der laufenden Geldpolitik nimmt zu. Die Turbulenzen um Zypern lenken noch mehr Aufmerksamkeit auf Fed-Chairman Ben Bernanke.

Der oberste Währungshüter der USA bezeichnete am Donnerstag die Möglichkeit einer Besteuerung von Bankeinlagen wie in Zypern als "sehr unwahrscheinlich." Die Tatsache, dass er eine solche Teil-Enteignung in seiner viel beachteten Pressekonferenz nicht völlig ausschließen wollte, hat einige Beobachter nachdenklich gemacht.

Der Investmentbanker Jim Rickards sagte im US-Fernsehen empört, Bernanke habe seine Hände bereits tief in den Taschen amerikanischer Bankkunden. "Keiner klaut so viel Geld von Bankkunden wie Ben Bernanke", sagte Rickards zum Daily Ticker. Seine Begründung: "In der jetzigen Phase der konjunkturellen Erholung müssten die Zinsen etwa bei 2-3 Prozent liegen. Doch wenn man die Niedrigzinsen der Fed auf die Bankeinlagen der USA umlegt, transferieren die Währungshüter jedes Jahr rund 400 Milliarden Dollar von den Konten der Sparer zu den Banken". Die Folge: Die Banken könnten wieder "größere Boni zahlen und gewagtere Finanzwetten eingehen."

Außer den niedrigen Zinsen schüre die Fed aber auch noch die Inflation und produziere Blasen in verschiedenen Anlage-Segmenten. Im Klartext: Während dem Süden der Euro-Zone von der Troika ein eiserner Sparkurs aufgezwungen wird, schlagen die USA einen leiseren, aber ebenso wirkungsvollen Kurs gegen die grassierenden Schulden ein: Es ist eine weiche Enteignung durch Niedrigzinsen und Notenpresse.

Hier Zwangsabgabe, dort weiche Enteignung durch die Notenpresse

In amerikanischen Finanz-Blogs wird das mit drastischen Worten kritisiert. Auf der Webseite MarketWatch wird zwar eingeräumt, ein Kollaps des Bankensystems würde mehr Geld vernichten als eine "ärgerliche Abgabe." Die Konfiszierung von Einlagen wie jetzt auf Zypern wird aber mit eindeutigen Worten trotzdem abgelehnt: "Diese Maßnahme ist so kommunistisch, dass selbst die Russen darüber klagen. Aber wenn die Finanzexperten in Europa das einer kleinen Insel-Nation zumuten, warum es nicht gleich in unserem Land mit seinen bald 20 Billionen Dollar Schulden versuchen?"

Auf der Finanzseite Real Clear Markets vergleicht man die Forderungen der Troika gegenüber Zypern mit dem alten Witz über jemanden, der einen Spatzen von Baum schießt und dann fragt, wie viele Tiere von dem Vogelschwarm danach noch auf dem Ast sitzen. Natürlich seien alle Spatzen nach dem ersten Schuss verschwunden. Und so werde sich das auch mit den Bankkunden abspielen.

Anders gesagt: Wenn der zyprische Spatz abgeschossen ist, werden auch die Sparer in Griechenland, Spanien und Portugal ihre Einlagen abziehen. Einen ganz drastischen Vergleich bringt der WonkBlog der Washington Post. Er rechnet den Anteil dessen, was Zypern selbst zu einem Deal beisteuern muss - 5,8 Milliarden Euro - auf US-Verhältnisse um. Das Ergebnis: Die USA müssten in diesem Fall satte fünf Billionen Dollar aufbringen. Das wären die gesamten Ausgaben des Bundes sowie der einzelnen Bundesstaaten und aller US-Kommunen in einem ganzen Jahr. Natürlich würde das die größte Volkswirtschaft der Welt auf einen Schlag lähmen.

In dieser Kategorie denkt auch der Investment-Stratege Jeffrey Snider beim Vermögensberater Alhambra Investment Partners in West Palm Beach, Florida. Snider vergleicht die Zinspolitik der Fed mit einem Betäubungsmittel, das die Konjunktur ihrer Vitalität beraubt.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Defekte Zündschlösser bei GM
Warum US-Anwälte auch Continental verklagen
Lobby-Ausgaben
Google setzt auf Macht der Lobbyisten
US-Promi-Gehälter
Larry Ellison verdient 160mal so viel wie Barack Obama
Zündschlösser
Rückrufe belasten General-Motors-Bilanz

© manager magazin online 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarife:
Finden Sie den passenden Tarif