Sonntag, 24. Juli 2016

Untreuevorwurf Strafanzeige gegen BdV-Aufsichtsrat

Sofortige Abberufung: Beim Bund der Versicherten (BdV) hat der Aufsichtsrat die Vorstände Axel Kleinlein und Thorsten Rudnik gefeuert

Chaos in Deutschlands größter Lobbygruppe für Versicherte: Die Vorstände gefeuert, die Mitglieder auf den Barrikaden und ein Betriebsrat, der den Aufsichtsrat und einen Vorstand anzeigt. Der Vorwurf lautet auf Untreue, BdV-Aufsichtsratschef Horst Gobrecht dementiert.

Hamburg - Beim Bund der Versicherten (BdV) kracht es gewaltig. Nachdem der Aufsichtsrat den kompletten Vorstand überraschend vor die Tür gesetzt hat, stellt sich die Frage nach den Hintergründen der sofortigen Abberufung von Vorstandschef Axel Kleinlein und Vorstand Thorsten Rudnik.

Das Gremium hatte am vergangenen Freitag den Rausschmiss seiner Vorstände in einer kurzen Mitteilung bekannt gegeben. Grund seien "unterschiedliche Auffassungen über die inhaltliche und personelle Ausrichtung in Deutschlands größter privater Verbraucherschutzorganisation für Versicherte".

Die kargen Worte kaschieren offenbar einen seit gut einem Jahr währenden Machtkampf hinter den Kulissen des BdV, der mittlerweile die Hamburger Staatsanwaltschaft beschäftigt und in seinem weiteren Verlauf die Verbraucherschutzorganisation in ihren Grundfesten erschüttern könnte. Auf der einen Seite steht der Aufsichtsrat der Organisation mit den ehemaligen Hamburger Senatoren Horst Gobrecht, Hartmut Wrocklage und dem Geschäftsmann Franz-Theodor Schadendorf sowie Ex-Vorstand Rudnik - auf der anderen Seite stehen Ex-Vorstand Kleinlein und der BdV-Betriebsrat.

Lebensgefährtin bezog Vorstandsgehalt ohne Gegenleistung

Die Staatsanwaltschaft Hamburg bestätigt am Montag gegenüber manager magazin online, dass gegen den amtierenden Aufsichtsrat und Ex-Vorstand Rudnik sowie seine Lebensgefährtin, ehemals BdV-Vorstandsmitglied bis Dezember 2010, wegen des Verdachts der Veruntreuung von Mitgliedsbeiträgen eine Strafanzeige (Az.: 3103 Js 68/13) vorliegt. Die Justiz prüft den Fall seit Anfang Februar, hat aber noch keine Ermittlungen gegen die Beschuldigten eingeleitet. Nähere Angaben machte die Sprecherin nicht.

Der Betriebsrat des BdV hat den Stein ins Rollen gebracht, als er im Januar 2012 nach eigenen Angaben durch die Sichtung der Gehaltslisten auf eine fortlaufende Sonderzahlung von mehr als 1000 Euro monatlich stößt und später dann Strafanzeige erstattet. Gezahlt wurde sie der Lebensgefährtin Rudniks seit ihrer Abberufung als Vorstandsmitglied zusätzlich zu ihrem Gehalt als Abteilungsleiterin, offenbar als Differenzausgleich zu ihren Bezügen als ehemaliges Vorstandsmitglied.

Die Satzung des BdV verbietet unverhältnismäßig hohe Vergütungen. In Paragraf 2 Absatz 2 heißt es wörtlich: "Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck des Vereins fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden." Für den Betriebsrat stellt sich die Zahlung als klarer Verstoß gegen die Vereinssatzung dar, zumal er auch keine Gegenleistung für die zusätzliche monatliche Zahlung erkennen kann.

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