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27.03.2013
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Alternde Belegschaft
Warnung vor der 110-Milliarden-Euro-Lawine

Von Lutz Reiche

Bis zu 48 Urlaubstage: Weniger Arbeit gegen weniger Geld bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein
Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein

Bis zu 48 Urlaubstage: Weniger Arbeit gegen weniger Geld bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein

Die Zahl der älteren Mitarbeiter steigt: Diese Entwicklung wird deutsche Firmen bis 2022 einen dreistelligen Milliardenbetrag kosten, hat Wissenschaftler Heinrich Geißler errechnet. Investieren die Betriebe nicht in altersgerechte Jobs, könnten die Kosten noch höher ausfallen.

mm: Herr Professor Geißler, in diesem Monat blicken wir auf zehn Jahre Agenda 2010 zurück. So mancher Ökonom nimmt dies zum Anlass, die Rente mit 70 einzufordern, um die Sozialsysteme weiter zu entlasten. Was glauben Sie, wie wirkt so eine Forderung auf die Menschen?

Geißler: Hoch verunsichernd und demotivierend. Denn angesichts stets neuer Forderungen, das Rentenalter weiter heraufzusetzen, erkennen die Arbeitnehmer keine klare Perspektive. Die Generation um die 40 muss jetzt die Folgen einer verfehlten Arbeitsmarktpolitik ausbaden, die die Frühverrentung belohnt hat und es nach wie vor tut. Das war damals falsch, und heute ist es immer noch falsch.

mm: Das Renteneintrittsalter in Deutschland steigt trotz Reformen sehr langsam: seit 1993 um ein halbes auf 63,5 Jahre. Woran liegt das, wo doch vielfach behauptet wird, die Menschen blieben nachweislich länger gesund und viele wollten auch länger arbeiten?

Geißler: Die Menschen empfinden die Perspektiven als unsicher. 65, 67, 70 Jahre lang arbeiten - was zählt, was kommt da noch auf mich zu? Das Vertrauen geht verloren. Also gehen viele Menschen tendenziell lieber früher in den Ruhestand als später. Dabei kalkulieren sie Rentenabschläge durchaus ein, denn es könnte ja noch schlimmer kommen. Das ist aber nur ein Grund.

mm: Welche sehen Sie noch?

Geißler: Unsere Arbeitswelt passt sich nicht ausreichend an die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft an. Sicher, Gesetze sehen für bestimmte Berufsgruppen einen früheren Renteneintritt vor. Aber viele Arbeitnehmer halten trotzdem nicht bis dahin durch. Wir brauchen mehr Regelungen, die den Menschen einen gleitenden Übergang in den Ruhestand erleichtern. Stattdessen werden vermehrt Forderungen laut, den Kündigungsschutz zu lockern. Diese Forderungen gehen in die völlig falsche Richtung.

mm: Bleiben wir kurz bei den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung - schriebe man sie fort, gingen die Deutschen im Jahr 2029 im Schnitt mit 64 in Rente. Spätestens dann solle das gesetzliche Eintrittsalter weiter steigen, fordern einzelne Ökonomen. Der richtige Ansatz?

Geißler: Nein, überhaupt nicht. Es macht keinen Sinn, den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun. Denn das liefe im Ergebnis tatsächlich auf weitere Renteneinbußen hinaus. Erst müssen die Unternehmen ihre Arbeitsbedingungen an eine älter werdende Belegschaft anpassen, dann sollte die Erhöhung des Rentenalters erfolgen. Erst das Gute tun, dann das Schmerzhafte. Im Grundsatz muss sich die Arbeit an den Menschen anpassen und nicht der Mensch an die Arbeit.

mm: So weit scheint es damit nicht zu sein. Folgte man Angaben des DGB investierten lediglich 17 Prozent der Betriebe in Deutschland in altersgerechtes Arbeiten.

Geißler: Die Unternehmen werden hier sehr schnell umdenken und künftig sehr viel mehr in alters- und alterngerechtes Arbeiten investieren müssen. Denn sonst werden ihre Kosten explodieren.

mm: Was meinen Sie damit?

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Zur Person

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    Professor Heinrich Geissler berät Unternehmen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Der Spezialist für betriebliche Gesundheitsförderung lehrt an verschiedenen Universitäten, unter anderem als Honorarprofesser an der Uni Potsdam.









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