Donnerstag, 16. August 2018

Geldanlage Wie man den Index schlägt

Auf der Jagd nach dem Delta: Nur wenige Profis schlagen den Vergleichsindex. Viele Anleger ziehen daher Indexfonds einem aktiv gemanagten Fonds vor

Weil aktiv verwaltete Aktienfonds in der Regel ihren Vergleichsindex nicht schlagen, raten Anlegerschützer zur günstigeren Variante der Indexfonds. Nun zeigt jedoch eine Studie, dass Anleger mit Indexfonds nicht immer am besten fahren.

Hamburg - Jahr für Jahr kommen Studien zum selben Ergebnis: Die meisten Fondsmanager sind hochbezahlte Nieten. Denn der Mehrzahl der aktiv gemanagten Aktienfonds gelingt es nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Je länger der Untersuchungszeitraum, desto geringer der Prozentsatz der Investmentvehikel, die ihre Benchmark übertreffen. "Über zehn Jahre hinweg schlagen nicht einmal 20 Prozent der Manager ihren Index", weiß Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die wenigen positiven Ausnahmen unter den Fondsmanagern hätten "schlichtweg Glück", meinen die US-Finanzwissenschaftler Eugene F. Fama von der Chicago Business School und Kenneth R. French vom Darmouth College. "Auf Dauer gelingt es keinem Fondsmanager seinen Vergleichsindex zu schlagen", lautet ihre These. Sie raten deshalb Anlegern davon ab, zu aktiv gemanagten Fonds zu greifen.

Dieser Meinung ist auch Nauhauser: "Die Ausgabeaufschläge von bis zu 5 Prozent und die jährlichen Verwaltungskosten von bis zu 2 Prozent können sich Anleger sparen."

Stattdessen raten die Kritiker zu Investments in die seit Beginn der Finanzkrise umstrittenen börsengehandelte Indexfonds. Die im Branchenjargon Exchange Traded Funds, kurz ETFs, genannten Vehikel bilden passiv einen Index wie den Dax Börsen-Chart zeigen nach. Die jährlichen Verwaltungskosten betragen zum Teil nur 0,12 Prozent. Ausgabeaufschläge gibt es nicht. Da die Anteile direkt über die Börsen geordert werden können, fallen nur die geringen Handelsgebühren an.

ETF-Markt boomt - Indexfonds als günstigere Alternative

"Mit Indexfonds sparen Anleger erhebliche Kosten und erzielen langfristig sogar eine bessere Performance", sagt Nauhauser. Der Verbund der Honorarberater (VDH) empfiehlt sogar für die Altersvorsorge Indexfonds. "ETFs ermöglichen ein Ansparen zu einer deutlich geringeren Kostenbelastung und damit zu einer langfristig besseren Wertentwicklung", sagt Geschäftsführer Dieter Rauch.

Da ist es kein Wunder, dass der ETF-Markt boomt. Nach einer Erhebung der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen ist die Zahl der Indexfonds hierzulande seit der Jahrtausendwende pro Jahr um 74 Prozent auf inzwischen rund 1200 gestiegen. 72,1 Milliarden Euro hatten Profiinvestoren und private Anleger nach Angaben des Fondsverbands BVI zu Jahresbeginn in ETFs investiert. Das entsprach mehr als 15 Prozent der 459 Milliarden Euro, die zu diesem Zeitpunkt insgesamt in Aktien- und Anleihefonds angelegt waren.

Auch in anderen Ländern werden Indexfonds bei Anlegern immer beliebter. Europaweit stieg bei iShares, dem weltweit größten ETF-Anbieter, das verwaltete Fondsvolumen seit Anfang 2003 von 20 Milliarden US-Dollar auf aktuell 375 Milliarden US-Dollar (289,6 Milliarden Euro). Weltweit ruhen bereits mehr als 1300 Milliarden Euro in Indexfonds. Selbst für Investments in Staats- und Unternehmensanleihen gibt es inzwischen passende Produkte. "Im vergangenen Jahr legten Investoren weltweit 70 Milliarden Dollar in Anleihe-ETFs an", weiß Peter Scharl, Leiter des institutionellen Vertriebs in Deutschland von iShares.

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