Freitag, 1. Juli 2016

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Neuer Flughafen-Chef Allianz der Verirrten

Hartmut Mehdorn: Weder bei der Deutschen Bahn noch bei der weiterhin angeschlagenen Air Berlin konnte der umstrittene Manager punkten

Mit der Ernennung von Hartmut Mehdorn zum neuen Chef des Flughafens Berlin Brandenburg leisten die Verantwortlichen einen Beitrag zur Erheiterung der Fachwelt. Die sachgerechte Fertigstellung und Vermarktung des Airports scheint ihnen hingegen nebensächlich zu sein.

Berlin - Es gibt immer wieder Gelegenheiten, bei denen die Beobachter des politischen Geschehens sich einhellig fassungslos fragen: Warum machen die sowas? Etwa, als Ende 2011 die EU-Kommissarin Neelie Kroes ihren neuen Berater für Freiheit im Internet präsentierte - ausgerechnet Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich im Internet allzu frei bei den Texten anderer bedient hatte.

Die Ernennung von Hartmut Mehdorn zum Chef des Berliner Pannen-Airports fällt zweifellos in die selbe Kategorie. Wieder ist völlig unklar, was die handelnden Politiker getrieben hat. Der Kandidat kann weder spezifisches Wissen um Bau und Betrieb eines Flughafens vorweisen. Noch verfügt er über hinreichendes öffentliches Ansehen für seinen Job, es sei denn, man verwechselte Berüchtigtsein mit Renommee.

Hier haben sich augenscheinlich zwei Verirrte gefunden. Einerseits Politiker, die noch immer den Bau eines Flughafens mit der Eröffnung eines Stadtteilfestes durcheinanderbringen. Andererseits ein Altmanager, dessen Ego ihn treibt, immer wieder Aufgaben anzunehmen, denen er nicht gewachsen ist.

Erfolg weder bei der Bahn noch bei Air Berlin

So war es schon bei der Deutschen Bahn, deren Führung Mehdorn 2009 unter unrühmlichen Umständen niederlegen musste. Was ihn nicht hindert, sich bis heute zu Unrecht als großen Sanierer zu gerieren. Der "Zeit" sagte er einmal, bei seinem Amtsantritt habe die Bahn 1,5 Milliarden Euro Verlust geschrieben. Im Geschäftsbericht für 1999, Mehdorns Antrittsjahr, stehen dagegen 87 Millionen Euro - Gewinn.

Erfolglos blieb auch sein jüngster Einsatz als Vormann von Air Berlin. Die Fluggesellschaft ist unverändert schwer angeschlagen. Spätestens hier bewies Mehdorn, dass er nicht zu dem taugt, was die Angelsachsen einen "general manager" nennen - einer, der mit universellen Methoden irgendwie alles hinkriegt.

"Vernetzung" als Schlüsselqualifikation

Immerhin: Politiker verfügen über Phantasie, und so fallen ihnen doch ein paar Qualifikationen Mehdorns ein. Vor allem diese: der Manager sei "exzellent vernetzt", wie ein Berliner CDU-Mann jubelte. Hervorragend.

In dieser Logik kommt es beim Bau eines Flughafens darauf an, möglichst viele Leute zu kennen, viel zu palavern und rege zu kungeln. Tatsächlich ist das genau die Methode, die in Schönefeld ein Mahnmal der Absurdität geschaffen hat.

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